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Der teure Fehler, den Bitcoin-Investoren machen

Miklos Szekely, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Eine neue Woche, eine neuer Preisrekord für Bitcoin. Bitcon ist entsprechend der Marktkapitalisierung die größte Kryptowährung und auch die beliebteste virtuelle Währung auf dem Planeten. Traditionelle Investoren rechnen im Aktienmarkt mit einer Rendite von 7 % pro Jahr, wenn sie die Dividenden reinvestieren. Der Preis für Bitcoin hingegen ist seit Jahresbeginn um 500 % gestiegen und hatte am 5. November mit über 7.500 US-Dollar ein neues Allzeithoch erreicht. Damit steht die Marktkapitalisierung deutlich über 100 Milliarden US-Dollar.

Aber wie ist Bitcoin zur beliebtesten und am besten laufenden Investition im Jahre 2017 geworden? Verantwortlich dafür sind vier Katalysatoren.

Bitcoins wunderbares Jahr 2017 als Kurzversion

Der erste Katalysator ist die Begeisterung, die die Blockchain umgibt. Blockchain ist das digitale und dezentralisierte Hauptbuch, welches den meisten virtuellen Währungen zugrunde liegt. Darin werden die Transaktionen aufgezeichnet, ohne dass ein Finanzintermediär wie eine Bank nötig ist. Das Aufregende an Blockchain ist, dass es in der Regel ein Open-Source-Netzwerk ist. So können Daten praktisch nicht verändert werden, ohne dass dies auffällt. Damit könnten mithilfe der Blockchain viele Finanzdienstleistungen vorgenommen werden, und auch in anderen Sektoren könnte sie eine Rolle spielen.

Der zweite Katalysator ist der im Jahresverlauf sinkende US-Dollar. Im Vergleich zum Euro erreichte er Tiefststände, die seit Jahren nicht da gewesen sind. Der schwache Dollar hat dazu geführt, dass Investoren Geld übrig haben und nach Möglichkeiten suchen, dies gewinnbringend anzulegen. Wenn der Dollar sinkt, dann kaufen Investoren üblicherweise Gold. Dies liegt an seiner Seltenheit und der Tatsache, dass es sich als Wertspeicher bewährt hat (früher wurde es Jahrhunderte lang als Währung benutzt). Aber Bitcoin wird ebenfalls als knappes Gut angesehen. Das Protokoll beschränkt die Zahl der jemals geschürften Bitcoin auf 21 Millionen. Daher glauben manche Investoren, dass die Kryptowährung ein geeigneter Wertspeicher ist.

Katalysator Nummer drei ist, die wachsende Begeisterung, die Bitcoin als Zahlungsmittel umgibt. Fünf sehr bekannte Unternehmen haben seit 2014 Bitcoin akzeptiert. Und viele kleinere Händler tun das Gleiche. Manche Investoren sind aufgrund des Potenzials begeistert, welches Bitcoin Händlern bei der Expansion bietet.

Der letzte Katalysator sind die Gefühle, die Bitcoin immer höher steigen lassen. Wir sehen sogar ein paar institutionelle Investoren aufspringen. Goldman Sachs spielt mit der Idee, Bitcoin zu handeln. Aber im Moment kontrollieren kleine Investoren die Preisbewegungen. Da private Anleger viel anfälliger für Gefühle beim Handeln sind als Börsenunternehmen, hat dies zu einem Bitcoinrausch geführt, weil sie einfach die Gelegenheit nicht verpassen wollten.

Der teure Fehler, den Bitcoininvestoren begehen

Obwohl das Jahr zweifelsohne lohnenswert für Bitcoin-Investoren war, denke ich, dass viele Investoren einen großen Fehler machen. Nämlich zu viel Hoffnung darauf zu legen, dass Bitcoin ein Zahlungsmittel ist.

Zwar lag Warren Buffet, König des langfristigen Investierens, bisher falsch mit seiner Einschätzung zu Bitcoin. Aber 2014 sagte er etwas sehr Wichtiges während eines Interviews mit CNBC:

Lass die Finger davon. Es ist ein Trugbild. Es ist eine Methode, Geld zu transferieren. Es ist eine sehr effektive Methode, Geld zu transferieren und man kann es anonym machen und all die Sachen. Ein Scheck ist ebenfalls eine Möglichkeit, Geld zu transferieren. Sind Schecks so viel Geld wert? Nur weil sie Geld transferieren können? Ich hoffe, Bitcoin wird besser darin sein, dies zu tun. Aber man kann es in vielfältiger Weise kopieren. Der Gedanke, dass es einen intrinsischen Wert hat, ist in meiner Sicht nur ein Witz.

Wenn du versuchst, nur mit Bitcoin zu überleben, dann dürfte das ziemlich schwierig sein. Die Volatilität, die langen Transaktionszeiten und die Transaktionsgebühren stehen einer weiten Akzeptanz von Händlerseite entgegen. Außerdem gibt es keine Regierung, die dafür bürgt, und keine Fundamentalwerte.

Es sollte auch erwähnt werden, dass die Einstiegshürde in virtuelle Währungen ziemlich niedrig ist. Es gibt momentan fast 1.200 weltweite Kryptowährungen, und große Unternehmen haben sich zusammengeschlossen, um eigene virtuelle Währungen zu erschaffen.

Ach, und noch etwas…

Es ist auch möglich, dass Investoren falsches Vertrauen in die Blockchain setzten. Im August spaltete sich Bitcoin in zwei separate Währungen auf – Bitcoin und Bitcoin Cash. Der Grund war, dass sich die Community nicht auf eine Aktualisierung der Blockchain einigen konnte. Diejenigen, die Bitcoin Cash verfolgen, haben sich dafür entschieden, die Kapazität innerhalb der bestehenden Blockchain zu erweitern. Bei Bitcoin nimmt das SegWit2x Upgrade bestimmte Informationen aus der Blockchain, um die Kapazität zu erhöhen, die Transaktionsgebühren zu senken und die Transaktionszeiten zu erhöhen. Dieser Zug soll große Unternehmen anlocken.

Allerdings könnte es sein, dass Bitcoin gar nicht für Unternehmen interessant ist. Es gibt momentan mehr als 150 Unternehmen, die eine Version der Ethereumblockchain testen. Dies geschieht im Rahmen von Pilotprojekten und in kleinem Maßstab mithilfe der Ethereum Alliance. Der größte Rivale von Bitcoin hat zudem ein wertvolles Feature. Mit Ethereum kann man „Smart Contracts“ erstellen. Das sind Protokolle, die die Umsetzung eines Vertrags durchsetzen. Im Moment scheint Ethereum die bevorzugte Blockchain zu sein, in der der greifbare Wert der Kryptowährung liegt.

Es ist also möglich, dass die Investoren aufgrund falscher Katalysatoren kaufen. Dies könnte sich auf lange Sicht als ungünstig herausstellen.

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Dieser Artikel wurde von Sean Williams auf Englisch verfasst und am 02.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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