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Warum eine Testpflicht für Flugreisende effektiver ist als Reiseverbote

Koenen, Jens
·Lesedauer: 3 Min.

Wegen der neuen Corona-Variante hat Deutschland den Personenverkehr stark eingeschränkt. Weil die EU-Länder uneins sind, verpufft aber die Wirkung.

In der EU sorgen unterschiedliche Reisevorgaben gerade für ein Regelchaos im Luftverkehr. Foto: dpa
In der EU sorgen unterschiedliche Reisevorgaben gerade für ein Regelchaos im Luftverkehr. Foto: dpa

Wer derzeit aus Großbritannien, Nordirland oder Südafrika nach Deutschland fliegen will, hat schlechte Karten. Die Bundesregierung hat wegen einer neuen Coronavirus-Mutation Transportunternehmen eine Beförderung von Passagieren aus diesen Ländern untersagt, vorerst bis zum 6. Januar. Nur wer seinen Wohnsitz in Deutschland hat oder eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt, darf ab dem 1. Januar wieder einreisen.

Doch die Zweifel wachsen, ob solche nationalen Reiseverbote – auch andere Länder haben sie verhängt – wirklich wirksam bei der Eindämmung der Pandemie sind. Denn der Flickenteppich an Regelungen innerhalb der EU macht es möglich, gleichwohl aus den betreffenden Ländern einzureisen.

Das zeigt sich etwa am Beispiel Südafrika: Die Lufthansa musste Fluggästen in dem Land, die nach Deutschland fliegen wollen, mitteilen, dass ihr Flug ausfällt. Einige von ihnen wechseln deshalb zur Airline Air France-KLM, die weiterhin das europäische Festland anfliegt. Andere wiederum nutzen Anbieter vom Persischen Golf, um etwa über Dubai nach Deutschland zu kommen.

Auch innerhalb der Lufthansa-Gruppe gibt es Alternativen: So berichten Fluggäste, dass die Airline ihre Flüge von Kapstadt nach Deutschland auf die der Tochter Austrian Airlines von Kapstadt zum Drehkreuz Wien umgebucht habe. Von dort können die Passagiere dann mit anderen Verkehrsmitteln, etwa dem Zug, nach Deutschland reisen.

Dagegen muss die Lufthansa nach Angaben eines Unternehmenssprechers die Jets, die die Kunden zum Beispiel direkt von Kapstadt nach Frankfurt befördern sollen, derzeit leer zurück in die Mainmetropole fliegen – wegen des Transportverbots. Im Unternehmen ist man deshalb reichlich irritiert.

Tests statt Reiseverbote

Zwar hat die Bundesregierung in ihrem Erlass für diese Art der Umgehung der Reiseverbote vorgesorgt: Alle Einreisenden aus Großbritannien, Nordirland oder Südafrika müssen einen negativen Corona-Test vorlegen. Dies gilt für Personen, die sich innerhalb der zurückliegenden zehn Tage in einem der genannten Länder aufgehalten haben. Und es gilt auch für Reisende, die über ein Drittland nach Deutschland kommen, also etwa über einen Transitflug.

Doch gerade diese Testpflicht wirft die Frage auf, warum ein Transportverbot überhaupt noch nötig ist. Eine durchgängige Überwachung mithilfe von Tests scheint wesentlich effektiver für den Infektionsschutz zu sein als Reiseverbote, die löchrig sind, weil jedes Land seinen eigenen Weg geht.

Das sieht man offensichtlich auch in der EU-Kommission so. Weil es bisher nicht gelungen ist, zumindest innerhalb von Europa ein einheitliches Vorgehen beim Schutz vor der Corona-Mutation zu vereinbaren, hat die EU-Kommission am Dienstag empfohlen, die pauschalen Verbote von Flug- und Zugreisen wieder zu beenden. Unverzichtbare Reisen müssten sichergestellt und Unterbrechungen der Lieferketten vermieden werden, heißt es in Brüssel.

Schon vor dem Bekanntwerden der neuen Corona-Variante war eine Debatte über die Effektivität von Reisebeschränkungen in Pandemiezeiten entbrannt: In einem Papier des europäischen Zentrums für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Luftfahrt-Aufsicht EASA wurde zum Beispiel festgehalten, dass Quarantäneregeln kein Mittel seien, um die Pandemie einzudämmen.

Da das Virus derzeit in ganz Europa weit verbreitet sei und fast überall die höchste Warnstufe gelte, würden „importierte“ Infektionen kaum ins Gewicht fallen, lautet die Begründung. Von Reisenden ginge sogar eine geringere Gefahr aus als von Bürgern, die lokal mit Infizierten in Kontakt kämen.

Das dürfte auch für die nun bekannt gewordene Mutation gelten. Sie soll sich schneller ausbreiten als die bisherigen Varianten des Coronavirus. Das Problem: Die neue Virusvariante dürfte längst in der EU verbreitet sein. Davon gehen führende Virologen aus. Die Gefahr, sich bei lokalen Begegnungen weitgehend unüberwacht zu infizieren, dürfte mittlerweile größer sein als jene, die von Reisenden ausgeht, die erst ins Land dürfen, wenn sie negativ getestet wurden.

Hier zeigt sich das grundsätzliche Problem von Reiseverboten. Sie werden in der Regel erst mit einiger Verzögerung verhängt. Bis dahin hat sich ein Virus längst einen Weg in das jeweilige Land gebahnt.

Ändern wird sich deshalb am aktuellen Verbot allerdings wohl kaum etwas. Die Empfehlung der EU-Kommission dürfte weitgehend ungehört verhallen. Eher steht zu befürchten, dass die Beschränkungen in dem einen oder anderen Land sogar noch einmal verlängert werden.