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Die Testgruppe: Deutsche sollen als Erste Urlaub auf den Balearen machen

Bevor Spanien seine Grenzen für Touristen öffnet, sollen die Sicherheitsvorkehrungen in einem Pilotprojekt getestet werden. 6000 Deutsche sollen teilnehmen.

Seit Wochen verhandelt die Regionalregierung der Balearen mit deutschen Reiseveranstaltern über eine erste Testgruppe für die Sommersaison. Jetzt signalisiert Madrid Zustimmung: Die spanische Regierung will grünes Licht für zwei Pilotprojekte geben, mit denen einige Tausend Urlauber schon ab der zweiten Juni-Hälfte auf die Balearen und die Kanaren reisen können.

Am weitesten fortgeschritten ist der Plan der Balearen mit deutschen Urlaubern. „Es wären rund 6000 deutsche Urlauber, die sich auf vier Inseln verteilen“, sagte die spanische Tourismusministerin María Reyes Maroto im Gespräch mit Korrespondenten in Madrid. „4000 davon würden nach Mallorca gehen, 1000 nach Menorca und weitere 1000 nach Ibiza und Formentera. Das Projekt der Kanaren hat sich etwas mehr verzögert.“

Spanien öffnet seine Grenzen für ausländische Touristen offiziell erst ab dem 1. Juli und damit später als europäische Wettbewerber wie Italien, Portugal und Griechenland. Mit Testgruppen will die Regierung in Madrid aber vor dem offiziellen Start die Effizienz der 21 Sicherheitsprotokolle testen, die sie für Hotels, Flughäfen, den Transport und die Strände erarbeitet hat.

„Die Pilotprojekte werden uns helfen sicherzustellen, dass ab dem 1. Juli unsere Sicherheitsprotokolle funktionieren und die touristische Erfahrung diesen Sommer in Spanien angenehm ist“, so Maroto.

Spanien gehört zu den Ländern, die bisher am stärksten unter der Coronakrise gelitten haben. Das Land hatte Mitte März eine strikte Ausgangssperre verhängt, die es derzeit nach und nach in den einzelnen Provinzen aufhebt. Am 21. Juni endet der national geltende Alarmzustand, der die Bewegungsfreiheit im Land einschränkt.

Deshalb wäre auch für den Start der Testgruppe auf den Balearen eigentlich der 21. Juni das sicherste Datum, so Maroto. Aber wenn alle Vorbereitungen in den Hotels und bei den Buchungen stehen, wolle man das Projekt schon ab dem 15. Juni genehmigen.

„Die Inseln sind in einer guten Lage, was die Kontrolle der Pandemie angeht“, sagt sie. Die Zahl der Infizierten und der Toten lag auf den spanischen Archipelen weit unter dem Durchschnitt in Spanien. Das Land beklagt gemessen an der Einwohnerzahl nach Belgien die meisten Covid-19-Toten in der EU.

Einsatz einer Tracing-App

Zu den spanischen Sicherheitsvorkehrungen, die deutsche Urlauber bald ausprobieren sollen, gehört die Messung der Körpertemperatur bei der Einreise mit dem Flugzeug oder Schiff. Diejenigen, die über Häfen und Flughäfen ins Land gelangen, sollen zudem einen Fragebogen ausfüllen, „damit wir wissen, ob sie die Krankheit schon hatten“, sagte Maroto. „Aber uns interessiert vor allem auch, wo sie wohnen, um sie nach dem Zufallsprinzip weiterverfolgen zu können.“

Geplant ist zudem eine Tracing-App, mit der sich Reisende benachrichtigen lassen, wenn sie mit einem Infizierten in Kontakt waren. „Sie wird auf den Balearen und den Kanaren getestet, um sie später auf dem gesamten spanischen Territorium einsetzen zu können“, so Maroto.

Die Pilotversuche sollen nicht auf die beiden Inselgruppen beschränkt bleiben. Alle 17 autonomen spanischen Regionen können solche Testgruppen vorschlagen, die noch vor Juli starten. „Wir glauben, dass wir in den kommenden Tagen weitere Projekte sehen werden“, erwartet die Ministerin. Die Kanaren wollten am Freitag Details präsentieren.

Auf Mallorca stellen Deutsche die größte Gruppe ausländischer Touristen. Der deutsche Reiseveranstalter Tui ist zudem zur Hälfte an der spanischen Hotelgruppe Riu beteiligt, die ihren Sitz auf Mallorca hat.

Der Kontakt mit der Inselregierung ist über die spanische Gruppe entstanden. Tui stellt einen Großteil der 4000 Touristen, die im Juni schon nach Mallorca reisen sollen. „Wir haben in den vergangenen Wochen intensive Gespräche geführt und sind überzeugt, dass Spanien gut vorbereitet ist“, heißt es seitens des Reisekonzerns.

Sobald die finale Freigabe aus Spanien vorliegt, will der Konzern entscheiden, welchen Kunden er die Teilnahme an der Testgruppe anbietet. Er muss ohnehin die Reisen von zahlreichen Urlaubern stornieren, die vor dem Ausbruch der Coronakrise im Juni einen Mallorca-Urlaub gebucht hatten.

„Keine Rückschritte machen“

Unter ihnen kann er nun einigen den Piloten anbieten. Sie müssen dann unter Umständen auf ein anderes Hotel als das gebuchte ausweichen, da voraussichtlich nicht alle Häuser an dem Projekt teilnehmen werden. Möglicherweise bietet Tui aber auch neue Buchungen für den Zeitraum an.

Die Zeit für eine finale Entscheidung der spanischen Behörden drängt deshalb. Der Tourismusminister der Balearen, Iago Negueruela, erklärte am Donnerstag, er rechne im Laufe der kommenden Stunden mit der Genehmigung aus Madrid.

Ein Risiko für die Testreisenden sieht Tui nicht. „An einem Samstag in der Hochsaison kommen am Flughafen von Palma 200.000 Gäste pro Tag an“, sagt ein Sprecher. „4000 in zwei Wochen sind da eine sehr überschaubare Zahl.“

Die spanische Tourismusbranche hat die Regierung in Madrid wiederholt dafür kritisiert, zu vorsichtig zu sein und das Land erst später als andere europäische Destinationen für den Tourismus zu öffnen. Doch Maroto hält dagegen: „Es geht nicht darum, schneller oder langsamer zu sein. Wichtig ist, keine Rückschritte zu machen.“

In Spanien gilt noch bis zum 1. Juli eine zweiwöchige Quarantäne für alle, die aus dem Ausland einreisen. Für die Pilotprojekte gilt die Quarantäne ohnehin nicht, und auch für andere Einreisende ist das Datum offenbar nicht in Stein gemeißelt: „Wenn es die Umstände zulassen, die Quarantäne vorher aufzuheben, machen wir das“, erklärte Maroto.

„Spanien hat sehr unter der Pandemie gelitten. Wir müssen nicht nur die touristische Aktivität wieder ankurbeln, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung sicherstellen. Dieses Gleichgewicht ist nicht immer einfach.“

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