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Tesla-Grünheide: Gutachten von Umweltverbänden warnt vor Reizgasen und Chemiebränden

·Lesedauer: 3 Min.
Tesla-Baustelle Grünheide.
Tesla-Baustelle Grünheide.

Die Warnungen der Gutachter, die Tesla selbst mandatiert hatte, hörten sich vor einigen Wochen an wie der Plot eines Horrorfilms. In ihrem Störfallgutachten stellten die Ingenieure des Büros Müller BBM fest, dass in der Fabrik in Grünheide nach damaligem Planungsstand explodierende Gaswolken entstehen könnten und der Austritt von Reizgasen möglich sei. Die Ingenieure empfahlen dem US-Autobauer, die eigenen Planungen noch einmal gründlich zu überarbeiten, diese seien nämlich mangelhaft gewesen. Business Insider und das ZDF-Magazin „Frontal21“ berichteten exklusiv darüber.

Tesla hat mittlerweile einen neuen Bauantrag vorgelegt – der offenbar immer noch mangelhaft ist. So sieht es jedenfalls der Ingenieur Thorben Gruhl, der von den Umweltverbänden NABU und Grüne Liga mandatiert wurde. Sein Urteil ist eindeutig: Tesla ist nach wie vor nicht ausreichend auf die Entstehung von Reizgasen und Chemiebränden vorbereitet. Und kalkuliert zudem falsch.

Szenario Reizgas ist laut Gutachten plausibel

Fall Reizgas und Chemiebrand: In diesem Szenario wird angenommen, dass die Chemikalie Tetrafluorpropen austritt – nicht in Gasform, sondern als druckverflüssigtes Gas, also Flüssigkeit. Dieses könnte eine Lache bilden, „die sich entweder ungehindert oder innerhalb eines Auffangraums ausbreitet“, heißt es in dem Gutachten des Büros Müller BBM. Es sei anzunehmen, dass dann ein Lachenbrand folgt und anschließend die Gase verdampfen. Bei dem Brand kann Flourwasserstoff entstehen, heißt es weiter im Gutachten. Dabei handelt es sich um ein Reizgas, dass die Atemwege von Menschen angreift. Dieses Szenario wird im Gutachten als plausibel bezeichnet.

Tesla verfolgt nun im neuen Bauantrag die Annahme, dass die Chemikalie lediglich gasförmig und nicht flüssig austreten könne, kritisiert Grohl. Das sei falsch – selbst die unabhängigen Gutachter von Müller BBM hätten das vor Wochen bemängelt und Tesla zur Überarbeitung aufgefordert. Diese ist nicht erfolgt, das Szenario sei also nach wie vor „plausibel“, oder im Klartext: realistisch.

Grohl stellt in seinem Gutachten fest: „In jedem der im Abschnitt 2 aufgezeigten Punkte findet eine systematische Unterschätzung der Freisetzungsrate des Tetrafluorpropen statt.“ Außerdem werde „die wesentliche Natur der völlig unzutreffenden Modellierung eines reinen Gasphasenaustritts bei der Betrachtung einer Flüssiggasanlage verkannt. Hier ist als konservative Annahme von einer Freisetzung zumindest eines Flüssigkeitsanteils, wenn nicht gar eines nahezu vollständigen Flüssigkeitsstrahls auszugehen“, schreibt der Ingenieur.

Betroffene Fläche könnte deutlich größer sein als angenommen

Grohl warnt davor, dass die betroffene Fläche bei Freisetzung des Schadgases deutlich größer ist, als von Tesla angenommen. „Es ist zu erwarten, dass ein größerer Quellterm der Schadgasfreisetzung auch zwangsläufig zu einem entsprechend größeren Einwirkungsbereich führt. Bereits mit Vorliegen des Müller BBM-Gutachtens am 20.5.2021 sind sowohl die gegenüber der Ursprungsfassung vergrößerten möglichen Leckdimensionen wie auch die systematisch fehlerhafte Betrachtung als bloßer Gasstrom der Behörde zur Kenntnis gelangt“.

Die Umweltverbände kritisieren, dass die Tesla-Fabrik vor diesem Hintergrund womöglich keinen ausreichenden Sicherheitsabstand zu „benachbarten Schutzobjekten“ aufweist, etwa zu Anwohnern in der Umgebung. Besonders die Brandgefahr sei dabei „nicht außer Betracht zu bleiben“.

NABU und Grüne Liga fordern auch vor diesem Hintergrund eine Aussetzung der vorläufigen Baugenehmigungen des Brandenburger Landesamts für Umwelt (LfU) für die Tesla-Fabrik. Sie haben bereits vor Gericht einen Widerspruch im Eilverfahren dagegen eingelegt, die Stellungnahme ist nun ein Teil davon.

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