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Tesla-Aktie fällt nach Battery Day: Eine Enttäuschung?

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Der heiß erwartete Battery Day hat am Abend des 22. September endlich stattgefunden – und der Aktienmarkt zeigt sich wenig beeindruckt. Im deutschen Handel lag die Tesla-Aktie (WKN: A1CX3T) zur Mittagszeit des Folgetags um 4 bis 5 % unter dem Schlusskurs vom Vortag.

Die größte wahrgenommene Enttäuschung: CEO Elon Musk und Technologiechef Drew Baglino machten viele Ankündigungen, hatten jedoch nichts Fertiges vorzuweisen. Teslas eigene Zellfertigung, in der die verkündeten technologischen Meilensteine eingebaut sein werden, wird erst in den nächsten Jahren auf nennenswerte Niveaus hochgefahren werden. Das drückte auf den Kurs der Tesla-Aktie.

Nehmen wir jedoch mal einen langfristigen Blick ein und schauen, ob der Battery Day wirklich eine Enttäuschung war oder vielmehr ein aufregender Schritt in eine Zukunft, in der Tesla vieles dominieren wird – mit entsprechenden Folgen für die Tesla-Aktie.

Durchbrüche auf allen Ebenen

Schauen wir uns im Folgenden mal an, welche technologischen Fortschritte Tesla beim Battery Day verkünden konnte.

Beginnen wir mit der Zellchemie. In der Kathode hat Tesla das umstrittene Metall Kobalt eliminieren können und setzt stattdessen stärker auf Nickel. Je nach Anwendungsfall sollen jedoch auch weniger energiedichte Materialien wie Mangan oder Eisenphosphat in den Kathoden zum Einsatz kommen. So diversifiziert das Unternehmen seine Lieferkette. In der Anode hat Tesla den Anteil an leistungsstarkem Silizium erhöht, was die Energiedichte um 20 % steigert.

Die größte Innovation auf Ebene der Zelle ist die Eliminierung der Tabs – quasi die elektrische Verbindung vom Inneren der Zelle in die Außenwelt. Ein radikal neues Zelldesign hat es Tesla erlaubt, diese Konnektoren aus den Zellen zu streichen. Dadurch entsteht weniger Widerstand und damit Hitze in der Zelle. Gleichzeitig wird die Kühlung verbessert. Dadurch konnte Tesla den Durchmesser seiner Zellen von 21 auf 46 Millimeter steigern. Das wiederum bringt eine Reichweitensteigerung von 16 % und Einsparungen von 14 % mit sich.

Bei der Zellproduktion kommt Tesla die Übernahme von Maxwell Technologies in 2019 zugute. Der trockene Elektrodenbeschichtungsprozess reduziert den Platz, den eine Batterielinie einnimmt, dramatisch. Künftig wird Tesla pro Gigawattstunde Produktionskapazität nur noch ein Zehntel des Platzes brauchen. Die Kosten sinken durch diese Innovation um weitere 18 %.

Schlussendlich hat Tesla auch bei der Integration der Batterien in die Autos innovative Pläne. Die Zellmodule werden eliminiert und das Batteriepack selbst ist in Kombination mit neu designten Fahrzeugunterböden strukturgebender Bestandteil des Autos. Das geringere tote Gewicht erhöht die Energiedichte um weitere 14 %, weiterhin sinken die Kosten um 7 %.

Teslas Pläne bis 2030

Das Fazit des Battery Day: Tesla wird die Kosten pro Kilowattstunde um 56 % senken, kann die Investitionen je Einheit Produktionskapazität um 69 % vermindern und gleichzeitig eine Steigerung der Reichweite um 54 % erzielen.

Diese Fortschritte sollen in den nächsten Jahren schrittweise implementiert werden und es Tesla ermöglichen, ein kompaktes Auto für 25.000 Dollar anzubieten. Dieses könnte in rund drei Jahren kommen. Weiterhin sollen die neuen Batterien unter anderem in den Tesla Roadster eingebaut werden.

Wichtig zu verstehen ist: Die Skalierung der neuen Technologie wird Zeit benötigen, soll dann jedoch sehr schnell vorangehen. Derzeit produziert Tesla die Zellen auf einer Pilotlinie bei seiner Fabrik in Fremont, die über 10 Gigawattstunden pro Jahr an Nennkapazität verfügt. Bis 2022 will Tesla seine eigene Zellproduktion auf 200 Gigawattstunden pro Jahr steigern. Bis 2030 sind 3.000 Gigawattstunden an Kapazität geplant. Gleichzeitig will Tesla nicht weniger Batteriezellen von Zulieferern wie LG Chem und Panasonic zukaufen, sondern mehr.

3.000 Gigawattstunden sind das 77-Fache dessen, was derzeit in der Gigafactory Nevada produziert wird. Allein das zeigt uns, was für ein immenses Wachstum Tesla für die Zukunft erwartet.

War der Tesla Battery Day eine Enttäuschung?

Aus langfristiger Sicht kann man keineswegs von einer Enttäuschung beim Tesla Battery Day sprechen. Zwar hatte ich mir auch erwartet, dass Musk oder Baglino zumindest eine der neuen Batteriezellen in ihrer Hosentasche versteckt haben, um zumindest etwas live demonstrieren zu können. Doch aufgrund von Teslas Historie in Sachen Innovationstempo sollte man dem Unternehmen hier vertrauen können.

In jedem Fall sind die angekündigten Kostensenkungen und Reichweitensteigerungen eine Revolution. Sie ermöglichen es, dass Tesla und andere Elektroautohersteller langfristig den Verbrennungsmotor vom Markt verdrängen werden. Nicht, weil er politisch nicht gewünscht sein wird, sondern weil er technologisch unterlegen sein wird. Das ist die langfristige Entwicklung, auf die sich Anleger der Tesla-Aktie jetzt konzentrieren sollten.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

Motley Fool Deutschland 2020