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Telekom ist laut Studie vorbildlich bei der Geschlechterparität

Specht, Frank
·Lesedauer: 3 Min.

Nur rund zehn Prozent der Vorstände in den Top-Börsenunternehmen sind Frauen. Ohne Quote wäre Geschlechterparität wohl erst 2053 erreicht, zeigt eine BCG-Studie.

Ausnahmestellung bei der Geschlechtervielfalt im Vorstand. Foto: dpa
Ausnahmestellung bei der Geschlechtervielfalt im Vorstand. Foto: dpa

Der Tag, an dem die Große Koalition mit ihrer Geduld am Ende war, lässt sich ziemlich genau datieren. Am 20. November einigte sich eine von den Regierungsparteien eingesetzte Arbeitsgruppe nach langem Streit darauf, die Frauenquote für Vorstände einzuführen. Das Vertrauen, dass es auch ohne staatlichen Druck gelingen wird, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, ist aufgebraucht.

Denn entwickelt sich der Frauenanteil in den Vorständen so weiter wie im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2020, dann würde es bis 2053 dauern, bis Geschlechterparität erreicht wäre. Darauf deutet der „BCG Gender Diversity Index“ hin, den die Unternehmensberatung Boston Consulting Group und die Technische Universität (TU) München seit 2017 jährlich ermitteln.

Nach der aktuellen Studie liegt der Frauenanteil in den Vorständen der 100 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland aktuell bei zehn Prozent. In den Aufsichtsräten, für die bereits seit 2016 eine 30-Prozent-Quote gilt, sind es durchschnittlich 33 Prozent. Mehr als die Hälfte der untersuchten Firmen hat keine einzige Frau im Vorstand.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar), die regelmäßig 160 börsennotierte Unternehmen unter die Lupe nimmt. „Seit der wirkungslosen Selbstverpflichtungserklärung der Wirtschaftsverbände aus dem Jahr 2001 haben wir die Erkenntnis: Nur klare gesetzliche Vorgaben mit Sanktionen führen zu mehr Gleichberechtigung, zumindest zahlenmäßig“, sagte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow Ende November nach der Einigung der Koalitionsarbeitsgruppe.

Unternehmen mit klaren Zielgrößen haben höhere Frauenanteile im Vorstand

In Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern muss demnach künftig ein Mitglied eine Frau sein. Dies gilt aber nur bei Neubesetzungen, kein männlicher Vorstand muss also seinen Platz räumen. Die Quote kommt auch deshalb, weil knapp die Hälfte der börsennotierten Konzerne, die laut Gesetz verpflichtet sind, sich eine Zielgröße für Frauen im Vorstand zu setzen, zuletzt immer noch „null“ angegeben hat.

„Eine selbst gesetzte Zielgröße für den Vorstand ist die Mindestvoraussetzung für mehr Geschlechtervielfalt“, sagt dazu Nicole Voigt, Partnerin bei BCG und Co-Autorin der Studie.

Unternehmen, die sich ein klares Ziel für ihren Frauenanteil in Top-Positionen setzten, erreichten auch signifikant höhere Werte. Während Firmen mit konkreten Zielvorgaben einen Frauenanteil im Vorstand von 13 Prozent hätten, liege der Wert bei jenen ohne Ziel bei lediglich vier Prozent.

BCG untersucht auch, welche Unternehmen sich bei der Gleichstellung der Geschlechter besonders vorbildlich verhalten. In den Index fließt dabei neben den Frauen- und Männeranteilen in Vorständen und Aufsichtsräten auch die Vergütung in beiden Gremien ein.

Die Rangliste führt in diesem Jahr die Deutsche Telekom an, die vom dritten Platz an die Spitze vorgerückt ist. Der Bonner Konzern konnte sich vor allem im Hinblick auf die Vorstandsvergütung und die Parität im Aufsichtsrat verbessern. Auf den Plätzen folgen die Aareal Bank, der Pharmakonzern Merck, der Elektronikhändler Ceconomy (Media Markt, Saturn), der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub und der Konsumgüterkonzern Henkel.