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"Technologietransfer in USA verhindern": Interne Dokumente zeigen erstmals, wie Curevac die Bundesregierung unter Druck gesetzt hat, damit der Steuerzahler ins Impfstoff-Unternehmen einsteigt

·Lesedauer: 13 Min.

Am 23. Januar 2020, geht um 12.47 Uhr in Bundesministerium für Gesundheit sowie im Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Mail ein. Betreff „Corona Virus Impfstoff aus Deutschland, müssten aber schnell sein“. Der Absender ist Curevac aus Tübingen. Mit diesem Schreiben wendet sich die Firma, dessen Haupteigner die dievini Hopp Biotech Holding von Milliardär Dietmar Hopp ist, erstmals an die Ministerien und bietet an, "sehr rasch in eine Notfall-Impfstoffentwicklung zu kommen”.

Am 5. März verschärft Curevac den Ton und suggeriert den Ministerien ein Szenario, bei dem der Abzug von Produktion und Impfdosen in die USA drohe: “Ich möchte gerne einen Technologietransfer unserer proprietären Produktion in die USA und den Abzug der Impfdosen aus Tübingen verhindern, deswegen wende ich mich nochmals an Sie”, schreibt der Curevac-Vertreter. Er verbindet seine vage Drohkulisse mit der Bitte um Geld vom Staat. Curevac selbst könne für die Entwicklung eines solchen Impfstoffs kurzfristig keine Mittel locker machen.

Damals, zu Beginn der Pandemie, kannte kaum jemand den Namen des Tübinger Unternehmens. Das änderte sich schnell. Mit Curevac verband sich die Hoffnung, Corona besiegen zu können. Doch den versprochenen Impfstoff gibt es immer noch nicht. Dafür stieg der Staat bei Curevac ein. Erstmals zeigen nun interne Mails und Papiere, welche die Organisation „Frag den Staat“ auf eine IFG-Anfrage (Informationsfreiheitsgesetz) erhalten und Business Insider ausgewertet hat, wie die staatliche Beteiligung bei Curevac über 300 Millionen Euro und die Forschungsförderung von bis zu 252 Millionen Euro eingefädelt wurden.

Bereits am 23. Januar 2020, als Corona für die meisten Deutschen ein fernes Problem in China zu sein schien, knüpfte Curevac demnach die ersten Kontakte in die Ministerien. „Wir verfolgen mit Sorge die Entwicklungen in Wuhan“, schreibt der Vertreter des Unternehmens in seiner Mail. “Wir haben schon präklinische Erfahrung und gute Ergebnisse mit Coronaviren (MERS) gemacht und haben vor wenigen Tagen wegweisende Ergebnisse zu unseren klinischen Studien in gesunden Probanden zur Tollwut-Impfung publiziert. Die Ergebnisse sind ein Quantensprung in unserer Entwicklung (...).” In der Tat hatte Curevac bewiesen, dass Probanden mit ihrer Tollwut-Impfung Antikörper bilden. Ein Durchbruch. Verschwiegen haben sie in der Mail jedoch, dass sie damals bereits Probleme mit der Dosierung beobachten konnten und in einer Studie bei einer niedrigen Dosis von fünf Mikrogramm Tollwut-Vakzin es zu schweren Nebenwirkungen kam.

E-mail von Curevac vom 23. Januar 2020 an die Ministerien.
E-mail von Curevac vom 23. Januar 2020 an die Ministerien.

„Kein Anlass zum unnötigen Alarmismus“

Mit ihrer Mail Ende Januar reagiert Curevac schnell. Denn erst am Tag zuvor, dem 22. Januar, riegelt die Stadt Wuhan wegen der wachsenden Zahl an Coronafällen die Metropole ab und kappt sämtliche Verkehrsverbindungen. 620 Infektionsfälle der neuartigen Lungenkrankheit sind nach Angaben chinesischer Medien dort bereits diagnostiziert.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt am nächsten Tag im Fernsehen, dass es keinen Anlass „zur Unruhe oder unnötigem Alarmismus“ gäbe, “weil tatsächlich der Virus eben nicht einer ist, der sich sehr sehr schnell, einfach nur durch einmal zusammen im Raum sein, überträgt, soweit wir das im Moment sehen können”.

Wenige Wochen und Monate später wird klar, dass die Sorgen sehr wohl berechtigt waren. Die USA erkennen früh die Pandemie. Im Januar werden auch die ersten Fälle in Bayern diagnostiziert. Am 2. März lädt das Weiße Haus führende Vertreter von Big Pharma zu einem Krisentreffen ein. Neben Pfizer, Johnson & Johnson, Glaxo und Sanofi sind auch Moderna und Curevac dabei.

Curevac-Chef im Weißen Haus

Der damalige CEO Daniel Menichella spricht für Curevac mit Donald Trump. Er durfte sich als Erster vorstellen. „Wir haben eine vierte Produktionsstätte gebaut und suchen nach Investitionsgeldern, um sie einzurichten,“ sagte Menichella in den Aufnahmen des US-Senders C-Span. Wenn Curevac das vierte Produktionsgebäude ausstatten würde, könne das Unternehmen hunderte Millionen Dosen von Corona-Impfstoff herstellen, so der ehemalige CEO. „Wir möchten für unsere vierte Produktionsstätte zusätzliche Hilfe erhalten“, betonte Menichella. Nach dem Gespräch wird Donald Trump gefragt, ob er sich vorstellen könne, Fördergelder bereitzustellen. „Was die Unternehmen jetzt brauchen ist nicht Geld, sondern Zeit“, antwortete Trump. Tatsächlich stellt der damalige Präsident ab Mai 2020 mit der “Operation Warp Speed” rund zehn Milliarden Dollar für die Impfstoffentwicklung zur Verfügung.

Während das Curevac-Management über Wochen versucht, Geld vom Staat an Land zu ziehen, bringt Biontech, der zweite deutsche Impfstoff-Player, einen Deal mit dem US-Pharmariesen Pfizer unter Dach und Fach. Er verschafft den Firmen den entscheidenden strategischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Biontech mit Uğur Şahin an der Spitze verfügt über die neue mRNA-Technologie, Pfizer über das nötige Know-how bei der Impfstoffentwicklung. Das US-Unternehmen beschäftigt eine riesige Abteilung von Impfstoffexperten mit einem internationalen Netzwerk für die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Vakzinen. Bereits am 17. März geben die Firmen ihre Kooperation bekannt. Biontech, ausgestattet mit Geld von den Strüngmann-Zwillingen Thomas und Andreas, behält die Patente, die potenziellen Gewinne werden 50:50 geteilt. Dann geben sie Gas. Der weltweit erste Impfstoff, der neun Monate nach Abschluss des Deals im Dezember 2020 zugelassen wird, stammt aus ihren Labors.

Bei Curevac dauert alles länger. Aus der Mail vom 5. März an die Ministerien geht hervor, wie dringend Curevac im Frühjahr frisches Geld braucht. „Wie können wir gewährleisten, dass wir in Tübingen in der Lage sind, dieses Produktionsgebäude schnell für den Ernstfall auszustatten und Notfallimpfstoffe für Europa zu produzieren?”, schreibt Curevac. “Wir sprechen in aller erster Linie um die Unterstützung für unsere Investitionskosten und um den Aufbau qualifizierter Arbeitsplätze (Personalkosten). Unsere finanziellen Mittel sind derzeit durch andere Projekte geblockt und kurzfristig nicht verfügbar, deswegen sind wir auf einen Kredit und die Förderung der zusätzlichen Personalkosten angewiesen“, so Curevac. Aus den Jahresabschlüssen wird ersichtlich: Curevac hatte im Jahr 2019 etwa 80 Millionen Euro Schulden angehäuft und schrieb einen Jahresverlust von 70 Millionen Euro.

Offen für eine „Equity Beteiligung“

Das attraktive Angebot des Curevac-Vertreters gegenüber den Regierungsbeamten klingt wie die möglichst baldige Lösung aller Corona-Probleme. “Wir sind im Plan; wenn wir die gleichen Ergebnisse wie bei unserem getesteten Tollwut-Impfstoff sehen, können wir von Impfdosen im unteren Mikrogramm Bereich ausgehen. Wir produzieren derzeit Mengen im 10g Bereich, das würde bedeuten, dass Curevac im Sommer 5.000.000 - 10.000 000 Dosen anbieten könnte, wenn wir positive klinische Daten sehen und das PEI einen Notfall-Impfplan aufstellt z.B. für Krankenhauspersonal, Polizei, Bundeswehr, und Behörden/Verwaltungen.”

Über das Treffen mit dem US-Präsidenten schreibt Curevac: „Die Amerikaner fragen nach 1 Mrd. Impfdosen und die Kosten für deren Produktion. Wir haben ein weiteres Produktionsgebäude erstellt, welches solche Mengen in Tübingen produzieren könnte. Allerdings müssen wir Geräte und den Prozess noch einbringen, das würde jedoch erst in einer zweiten Pandemiewelle relevant werden.“

E-mail von Curevac vom 5. März 2020 an die Ministerien.
E-mail von Curevac vom 5. März 2020 an die Ministerien.

In einer Curevac-Pressemiteilung vom 3. März, kurz nach dem Trip in die USA, verspricht Menichella: “Wir sind sehr zuversichtlich, innerhalb weniger Monate einen wirksamen Impfstoffkandidaten entwickeln zu können. (..) Darüber hinaus verfügt Curevac über eine im Dezember 2019 zertifizierte Produktionsanlage, mit der wir in einem Produktionsgang bis zu zehn Millionen Impf-Dosen produzieren können.” Ein vollmundiges Versprechen. Demnach könnte nach seiner Auskunft nach bereits mit der vorhandenen Produktionanlage in Tübingen mehrere Millionen Dosen in wenigen Wochen und Monaten gewonnen werden.

In einer weiteren E-Mail vom 6. März bringt Curevac schließlich eine staatliche Beteiligung ins Spiel, es heißt man sei „offen für eine Equity Beteiligung“. Offen bleibt, ob zu diesem Zeitpunkt die dievini Hopp Biotech Holding für weitere Millionen-Investments zur Verfügung stand oder nicht. Was war mit anderen Pharma-Partnern, die zu diesem Zeitpunkt fieberhaft versuchten, einen Corona-Impfstoff zu entwickeln? Es wäre womöglich ein lohnender Deal gewesen, wenn es doch nur noch wenige Monate dauern würde, einen wirksamen mRNA-Impfstoff herzustellen und die vorläufigen Tollwut-Ergebnisse so überzeugend waren.

Tollwut-Impfstoff von Curevac wirkt nicht so schnell

Liegt eine mögliche Antwort in den bisherigen enttäuschenden wissenschaftlichen Ergebnissen von Curevac? Erst 2017 stellten die Forscher ihr wichtiges Programm mit einem Prostatakrebs-Impfstoff nach einer Phase-2b-Studie aufgrund von schlechter Ergebnisse ein. Fünf Jahre forschten die Tübinger an der Idee, doch das Gesamtüberleben der Teilnehmer konnte nicht verbessert werden.

Läutete der Tollwut-Impfstoffkandidat nun den erhofften Druchburch in der mRNA-Forschung ein? Curevac verschweigt den Ministerien gegenüber in ihrem Schreiben, dass auch mit dem Tollwut-Impfstoff Schwierigkeiten gab. Eine erste Substanz (CV7201), die erforscht wurde, brachte keinen Erfolg.

Auch mit der Nachfolgesubstanz CV7202 kam es bei Dosis von fünf Mikrogrammm in der Phase-1-Studie zu schweren Nebenwirkungen. In der Publikation von einem Team der LMU München, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, auf die sich Curevac gegenüber den Ministerialbeamten in ihrer Mail vom 23. Januar bezieht, heißt es: „Ein und zwei Mikrogramm Dosen von CV7202 wurden gut vertragen und produzierte neutralisierende Antikörper-Antworten gegen Tollwut, die den WHO-Kriterien entsprechen, bei allen Teilnehmern. Aber fünf Mikrogramm hatten unakzeptable Reaktivität (Red: Nebenwirkungen) für einen präventiven Impfstoff.“ Von „unakzeptabler Reaktivität“ war gegenüber den Regierungsstellen als potentielle Investoren derweil nicht die Rede.

Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es also erste Hinweise, dass die von Curevac favorisierte unmodifizierte Form der mRNA mitunter schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann. Dies schränkt die Höhe der Dosierung ein. Nachdem über ein Jahr später im Juni 2021 die enttäuschenden Ergebnisse der Phase-3-Studiendaten gegen Covid-19 veröffentlicht wurden, sagte Studienleiter Peter Kremsner von der Universität Tübingen, „dass sie bei der Dosierung des Curevac-Impfstoffs nicht über 12 Mikrogramm gehen konnten. Dann waren die Nebenwirkungen zu stark.“ Wieder eine Dosis-Limitierung, wie bei Tollwut.

Camilla Rothe, Oberärztin und stellvertretende Leiterin der Abteilung für Infektions- und Tropenkrankheiten an der LMU München, sagt zu der Entwicklung des mRNA-Tollwutimpfstoffs: „Ein neues Vakzin müsste besser sein als der Goldstandard. Wir haben ja zwei Impfstoffe, die bei akuten Bissen mit potenziell Tollwut-infizierten Tieren eingesetzt werden.“ Der Curevac-Impfstoff wirkt aber nicht so schnell wie die beiden auf dem Markt befindlichen Vakzine. Deren Wirkung setzt nach etwa zwei Wochen ein. Bei dem Curevac-Impfstoff dauert es laut der oben genannten Publikation von der LMU München aus dem Januar 2020 rund sechs Wochen, bis ein vergleichbarer Titer erreicht ist.

Auf Anfrage sagt Curevac, dass die Ergebnisse der Phase-1-Studie mit CV7202 sehr vielversprechend waren: “Nach zwei Impfungen mit der niedrigsten Dosis von jeweils einem Mikrogramm mRNA-Impfstoff zeigten sich bei allen Probanden schützende virus-neutralisierende Antikörper (VNT). Diese Werte lagen über den Empfehlungen der WHO. Die Impfung wurde von den Probanden gut vertragen. Oder einfach formuliert: Mit der niedrigen Dosierung konnte ein besseres Ergebnis erreicht werden. Ja, das war ein Quantensprung in der Entwicklung. (...) Die Erfahrungen fließen in die Entwicklung weiterer mRNA basierten Arzneimittel ein, etwa in der Onkologie."

Anders als Curevac sieht dies offenbar Boehringer Ingelheim. Wie Business Insider berichtete, kündigte das Unternehmen im Juni nach vielen Jahren eine Kooperation zu einem Krebsimpfstoff mit den Tübingern von bis zu 430 Millionen Euro.

„Es ist unklar, ob eine Kaufabsicht aus den USA besteht“

Risiken und Nebenwirkungen bei der Curevac-Technologie stehen im März 2020 bei den Regierungsbeamten ebenfalls auf der Agenda. Am 6. März erstellt das Ministerium ein Papier, das diverse Finanzierungswege auslotet. „Es ist unklar, ob eine Kaufabsicht aus den USA besteht", schreiben Beamte des Forschungsministeriums. Ein Vertreter von Curevac „betont in seiner Mail, dass er einen Technologietransfer in die USA verhindern will und verbindet diese Aussage mit einer Bitte um Unterstützung", so das Papier.

Das Forschungsministerium skizziert verschiedene Optionen, wie der Bund Curevac eine Finanzspritze verabreichen könnte. Ein zinsloses Darlehen oder eine Zuwendung könnten laut dem Papier den potentiellen Verkauf des Unternehmens ins Ausland nicht verhindern. Der einzige Weg, der eine Abwanderung der Technologie “Made in Germany” vereiteln könne, wäre aus Sicht des Ministeriums eine Beteiligung an dem Unternehmen. Curevac hatte dies ja bereits selbst angesprochen.

Die Beamten weisen in dem Vermerk auch auf erhebliche Risiken eines staatlichen Einstiegs hin: Kaufe der Bund Anteile, gehe man das wirtschaftliche Risiko ein, ob das Unternehmen die Ziele tatsächlich erreiche. Außerdem stelle sich die Frage nach der politischen Verantwortung: „Bei einem Kauf ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass neben rechtlichen Belangen auch politische Verantwortlichkeit für unternehmerisches Handeln entstehen könnte, z.B. bei Impfschäden.“

Knapp eine Woche später sickern Details des Deals aus deutschen Regierungskreisen durch. In der „Welt am Sonntag“ heißt es, dass Donald Trump Curevac mit hohen Zuwendungen in die USA locken und damit exklusiven Zugang zum Impfstoff sichern wolle. Als die Geschichte auch in US-Medien hohe Wellen schlägt, dementiert Curevac die Medienberichte über den Verkauf des Unternehmens. In diesen Tagen verlässt Vorstandschef Daniel Menichella überraschend das Tübinger Unternehmen.

“Es gab kein Kaufangebot der US-Regierung", schreibt die Sprecherin des Unternehmens auf unsere Anfrage. “Wenn von drohendem Technologietransfer die Rede ist, dann geht es um die sehr reale Gefahr, dass Wissenschaftler - und damit ihr Know-how - in Länder abwandern könnten, in denen Forschung besser finanziert wird, etwa nach Amerika oder Asien.”

Curevac verschweigt jedoch, dass es die Firma selbst war, die das Argument einer potentiellen Abwanderung der Technologie in die USA in ihrer Mail ins Spiel gebracht habt. Wie stark hat das Unternehmen die Bundesregierung damals unter Druck gesetzt? Die Sprecherin dazu: "Curevac hat niemandem die Pistole auf die Brust gesetzt. Der Vorwurf ist absurd."

Keine konkreten Belege für das Drohszenario

Die Story, die Curevac in Regierungskreisen plazierte, hat jedenfalls gezündet. Einen Monat nachdem das Drohszenario die Ministerien erreicht hat, steht der Deal. Der Bund erwirbt über die KfW im Juni für 300 Millionen Euro 19 Prozent der Unternehmensanteile von Curevac. Curevac erklärt dazu heute: "Die KfW hat vor 14 Monaten 300 Millionen Euro in Curevac investiert; heute wird diese Investition in die Zukunft mit 1,8 Milliarden Euro bewertet."

Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP, versucht seit Juni 2020 mit kleinen Anfragen die Entscheidung des Bundes über die Beteiligung an Curevac transparent zu machen. Aus seiner Sicht gab es keine konkreten Belege für das Abwandern von wertvollem Wissen. „Durch die schlichte Erwähnung eines Technologietransfers in die USA brannten im Bundeswirtschaftsministerium und den anderen beteiligten Ministerien offensichtlich die Sicherungen durch", sagt Houben. „Das war tölpelhaft und fahrlässig. Stattdessen hätte die Bundesregierung auf konkrete Belege pochen müssen.“

Im September 2020 sagt das BMBF dem Unternehmen eine Forschungsförderung in Höhe von bis zu 252 Millionen Euro zu. Die Förderung war an Meilensteine gebunden, die Curevac leisten muss, um die zwei Tranchen der Gelder zu bekommen.

Bis heute hat Curevac seine Studienergebnisse der Phase 2a, begonnen vor fast einem Jahr im September 2020, sowie der Phase 2b3, nicht in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht. Die Firma hat nicht einmal einen Antrag auf Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde eingereicht. Kommt der Impfstoff noch, der in den Mails an die Ministerialbeamte und gegenüber den Investoren für diesen Sommer oder noch in diesem Jahr immer und immer wieder versprochen wurde? Während Curevac mitunter Versprechen liefert, die sie nicht halten können, liefern Biontech und Pfizer derweil hunderte Millionen Dosen Impfstoff für die ganze Welt. Gesundheitsminister Jens Spahn jedenfalls hat auch für 2022 den Curevac-Impfstoff nicht eingeplant.

Kontakt zu den Autorinnen: marta.orosz@businessinsider.de

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