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Technologiepartnerschaft mit Mercedes: Daimler stockt Anteil an Aston Martin auf

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Der James-Bond-Ausrüster arbeitet strategisch ausgiebiger mit Mercedes zusammen. Über die Sportwagenmarke AMG besteht ohnehin eine enge Bande.

Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz steigt stärker bei dem kriselnden britischen Luxuswagenhersteller Aston Martin Lagonda ein. Mercedes werde den Briten Zugang zu neuen Technologien ermöglichen, teilten die Unternehmen am Dienstag in Stuttgart und Gaydon mit. Daimler stocke seinen Anteil von derzeit 2,6 Prozent auf bis zu maximal 20 Prozent auf, hieß es.

Die Stuttgarter erhalten in den kommenden drei Jahren neu auszugebende Aktien von Aston Martin in mehreren Schritten bis zu einem Gesamtwert von 286 Millionen britischen Pfund (315 Millionen Euro).

Aston Martin erhält unter anderem Hybrid- und Elektroantriebsstränge der nächsten Generation sowie andere Fahrzeugkomponenten und -systeme. Die Briten, die unter anderem für die Autos aus den James-Bond-Filmen bekannt sind, leiden seit geraumer Zeit unter einer Flaute und setzen große Hoffnungen in den ersten eigenen SUV namens DBX.

„Das ist ein alles verändernder Moment und das Resultat großer Anstrengungen, das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu führen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Lawrence Stroll. Erst im Januar war ein Investorenkonsortium unter der Führung des Milliardärs mit 16,2 Prozent beim Automobilhersteller eingestiegen. Stroll, Eigentümer des Formel-1-Rennstalls Racing Point und Vater des F1-Fahrers Lance Stroll, ist seit etwa einem halben Jahr auch Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Das Team wird ab 2021 ebenfalls Aston Martin heißen, prominenter Neuzugang wird der deutsche Ex-Weltmeister Sebastian Vettel.

Seit Mai ist zudem der bisherige Chef der Mercedes-Sporttochter AMG, Tobias Moers, Geschäftsführer bei Aston Martin. Moers lobt den Ausbau der Partnerschaft und gibt mittelfristig „deutliches Umsatzwachstum und höhere Margen“ als neue Ziele im Rahmen des auch durch die Kooperation angepassten Geschäftsausblicks an. Bis 2025 würde nun ein Jahresumsatz von zwei Milliarden Pfund sowie ein Ebitda von 500 Millionen Pfund angepeilt.

Aktie auf Pennystock-Niveau

Die mitveröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal wiesen einen Umsatz von 129 Millionen Pfund bei einem Ebidta von 29 Millionen Pfund aus. Aston Martin zeigte sich vor allem mit der Reduzierung der Lagerbestände bei Händlern zufrieden. Der zuletzt eingeschlagene Sparkurs soll beibehalten werden. Zudem wurden neue Refinanzierungsprogramme angekündigt.

Für 125 Millionen Pfund werden zum einen neue Aktien zu je 50 Pence ausgegeben, darüber hinaus besorgt sich Aston Martin mehr als 1,1 Milliarden Pfund an Fremdkapital, mit denen teilweise fällig werdende Schulden bedient werden. Das Manöver hebe die frei verfügbaren Mittel auf über 500 Millionen Pfund, hieß es.

Die Nettoverschuldung des Unternehmens liegt aktuell bei 869 Millionen Pfund, merklich weniger als noch im Dezember 2019. Direkte Zahlenvergleiche mit dem Vorjahr sind aber wegen der Coronakrise und Sondereffekten in der Autobranche derzeit wenig aussagekräftig.

Moers und Stroll betonten die Potenziale, die die Kooperation für Aston Martin bedeutet. Der Vorstandsvorsitzende des Konzerns, Ola Källenius, hatte die Prämisse ausgegeben, das Premiumprofil der Oberklassemarken zu schärfen. Källenius wiederum war vor seiner Beförderung an die Spitze Daimlers Moers’ Vorgänger bei AMG. Schon dessen Wechsel nach Gaydon wurde als Zeichen gesehen, die britische Traditionsmarke enger an Daimler zu binden.

Aston Martin war im Oktober 2018 für damals 1900 Pence je Aktie an die Börse gegangen. Recht zügig danach ging es rasant bergab mit dem Kurs – im ersten Halbjahr belastete zudem die Ausgabe neuer Aktien. Zuletzt kostete die Aktie nur noch etwas mehr als 50 Pence.

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