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TeamViewer auf dem Weg zum Milliardenkonzern – das Gute und das Schlechte

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Noch immer kreucht die Aktie von TeamViewer (WKN: A2YN90) wie ein geprügelter Hund. Nach Bekanntgabe der Zahlen zum ersten Quartal ging es immerhin ein Stück nach oben, aber die Skepsis der Anleger bleibt. Hier ist, was den weiteren Anstieg ausbremst und warum die Aussichten dennoch blendend sind.

Der Weg zum Milliardenkonzern verzögert sich

Das TeamViewer-Management redete beim Börsengang 2019 unheimlich viel über seine herausragenden Gewinnmargen. Da verwundert es nicht, dass Wettbewerber aufhorchten. Beim Lokalrivalen AnyDesk haben Investoren nun 60 Millionen Euro eingeschossen, um einen Generalangriff zu starten und mehr von dem lukrativen Kuchen abzubekommen. Man habe sowieso im Kern bereits bessere Technologie, gibt sich das Management selbstbewusst.

Darüber hinaus hat LogMeIn sich kürzlich im Zuge einer Produktoffensive in GoTo umbenannt, während Splashtop vor wenigen Wochen in den Wachstumsmarkt der Augmented-Reality-gestützen Lösungen für Techniker eingestiegen ist. Diese drei Beispiele von Konkurrenten belegen, dass die Zeiten des ungestümen Wachstums mit Traummargen wahrscheinlich für immer vorüber sind für TeamViewer.

Ein weiterer Bremsfaktor betrifft das Russlandgeschäft. Der Rückzug kostet immerhin etwa 1 % der Umsätze. Die dürften so schnell nicht zurückkommen. Und was die Margen angeht, belasten natürlich weiterhin die erhöhten Marketingausgaben.

Diese Punkte machen Mut für die TeamViewer-Aktie

Immerhin zeigt der Margentrend im Vergleich zum Dezember-Quartal wieder aufwärts. Beim bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen blieben 51 % übrig, eine Steigerung um 8 Prozentpunkte. Dabei half der Rückgang der Belegschaft um 3 %. Außerdem sind mit dem Umzug in die neue Firmenzentrale und der Einführung neuer ERP-Software wichtige Aufwandsblöcke weggefallen.

TeamViewer kann also mit stabiler Kostenbasis expandieren. Um das Wachstum anzutreiben, setzt es weiterhin alle Hebel in Bewegung, insbesondere, was die Akquise von zahlungskräftigen Kunden angeht.

Globale Vertriebspartnerschaften und die immer tiefere Integration der TeamViewer-Technologie in die Plattformen der großen Softwarekonzerne sollten dem Unternehmen helfen, die aufstrebende Konkurrenz auf Distanz zu halten. Das Management spricht von einer sehr starken Pipeline, die für das zweite Halbjahr und wohl auch darüber hinaus Wachstumsraten im Bereich von 16 bis 19 % erwarten lässt.

Auch über den stetigen Ausbau der Funktionalität und der Anwendungsfälle erschließt sich TeamViewer neue Kundengruppen. So erlaubt beispielsweise die intelligente Objekterkennung AiStudio die automatische Überprüfung von Sicherheitsvorschriften für Arbeiter oder eine gezielte Informationsversorgung von Wartungspersonal anhand der live betrachten Geräte und Anlagen. Ich sehe da noch vielfältige Potenziale.

Ein weiterer Hebel besteht in der Internationalisierung. Auch dort geht es konsequent voran. Zuletzt verstärkte TeamViewer seine Präsenz in Märkten wie Südkorea, Singapur und Australien. Und gerade dafür sind die teuren Marketinginitiativen sicherlich sehr hilfreich. Wenn ein Entscheider in Singapur zwischen einer Softwareschmiede aus Stuttgart und dem Trikotsponsor von Ronaldo wählen muss, für wen entscheidet er sich wohl?

Zwei Jahre hinterher

Als ich 2019 vor dem Börsengang von TeamViewer über die Risiken und Chancen schrieb, war meine Erwartung, dass das Unternehmen schon mittelfristig, also vielleicht 2023, die Milliardenschwelle knacken kann. Nun dauert es wohl mindestens bis 2025, weil die Wachstumsziele eingedampft werden mussten.

Aber was sind schon zwei Jahre in einer langfristigen Wachstumsstory? TeamViewer hat das Zeug, um noch auf Jahrzehnte hinaus zu expandieren. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis könnte bis Ende 2030 gut und gerne auf unter 1 fallen, wenn man z. B. mit organischen Wachstumsraten von 16 % und passenden Zukäufen im dreistelligen Millionenbereich rechnet. Wenn dann die Nettomarge im plausiblen Bereich von 20 % liegt, sprechen wir von einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als 5.

TeamViewer hat zuletzt eigene Aktien zum Durchschnittskurs von 13,80 Euro gekauft. Ich denke, dass sich das noch als eine gute Investition erweisen wird.

Der Artikel TeamViewer auf dem Weg zum Milliardenkonzern – das Gute und das Schlechte ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2022

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