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Tauschen statt laden: Überzeugt diese Idee die letzten Zweifler vom Elektroauto?

·Lesedauer: 4 Min.
Das Startup Ample bietet einen Batterietausch in unter 10 Minuten an.
Das Startup Ample bietet einen Batterietausch in unter 10 Minuten an.

E-Autos verkaufen sich mittlerweile gut und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie den Verbrennungsmotor in wenigen Jahren ablösen werden. Dennoch gibt es zwei Dinge, die viele Autofahrer vom Umstieg derzeit noch abhalten: Das sind zum einen die teilweise noch langen Ladezeiten der Batterie, zum anderen ist die Zahl der Schnellladesäulen noch immer recht überschaubar. Schon jetzt bilden sich vorwiegend an Ladestationen entlang von Autobahnen längere Schlangen. So kommt zur Ladezeit auch die Wartezeit auf eine freie Ladestation. Eine Lösung für das Problem wird von einigen Startups und einem Hersteller favorisiert: Der Akku soll einfach ausgetauscht werden können.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Anstatt zu warten, bis der Akku wieder vollgeladen ist, tauscht man die Batterie einfach in wenigen Minuten aus. Im Idealfall dauert das nicht länger als ein Tankvorgang mit einem Verbrenner. Das US-Startup Ample hat so eine Technologie entwickelt und ist ziemlich erfolgreich damit. Alleine in diesem Jahr hat man 210 Millionen US-Dollar Kapital eingesammelt und das Unternehmen damit zu einem Unicorn gemacht.

Getauscht in wenigen Minuten

Ample verspricht einen Batterietausch in weniger als zehn Minuten und die Technologie auch schon im Alltagseinsatz erprobt. Gemeinsam mit Uber wurden einige Stationen in Kalifornien eingerichtet. Dort können Uber-Fahrer, die über das passende E-Auto verfügen, ihren Akku wechseln lassen. Der Clou bei Ample ist, dass das Unternehmen sogenannte Nachrüstsätze für existierende Fahrzeuge anbietet. Die leeren Batterien werden in der Station mit regenerativer Energie wieder aufgeladen und können dann wieder eingesetzt werden. Wie das funktioniert, kann man sich in einem Werbevideo der Firma anschauen.

Neu ist die Idee der austauschbaren Batterie nicht. Schon in den 40er-Jahren wurde das Verfahren in Spanien bei elektrischen Taxis erprobt. Damals dauerte der Wechsel allerdings noch etwas länger. Heute werden Akku-Tauschstationen bisher fast ausschließlich für E-Motorroller eingesetzt. Gogoro macht das in Taiwan und auch in Indien hat das Startup BatteryPool mit dem Aufbau von Tauschstellen begonnen. Für den klassischen Pkw ist die Sache aber etwas komplizierter, weil der Akku größer und schwerer ist.

Der chinesische Hersteller Nio sieht ebenfalls im Akku-Tausch die Zukunft. In seinem Heimatland hat das Unternehmen schon rund 500 Tauschstationen in Betrieb (Beispielvideo). Ähnlich wie bei Ample werden die Akkus in unter zehn Minuten ausgetauscht. Eine Station kann so pro Tag über 300 Tauschvorgänge vollziehen. Eine Schnellladestation schafft bei zwei gleichzeitigen Ladevorgängen ungefähr 100 Vollladungen pro Tag und seit der Einführung der Technologie hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge über vier Millionen Tauschvorgänge durchgeführt.

Auf dem Papier ergeben Tauschstationen viel Sinn. Der Wechsel ist schnell erledigt, der Fahrer muss nicht lange warten und auf der Langstrecke spart man sich damit viel Zeit. Allerdings gibt es auch ein paar Fragezeichen hinter der Idee. Im Grunde genommen benötigt man für jedes Auto dann zwei Batterien. Eine, die im Auto ist und eine andere, die gerade geladen wird. Auch wenn man nicht unbedingt die doppelte Menge an Akkus bevorraten muss, da ja nicht jedes Auto ein Tausch benötigt, müssen insgesamt doch mehr Batterien produziert werden.

Reichen die Vorräte für die Akkus?

Da Batterien nicht gerade günstig sind und der Bau enorme Mengen an Material und Energie verbraucht, stellt sich die Frage, wie nachhaltig der Batterietausch am Ende ist. Der CO₂-Rucksack einer Batterie ist schon jetzt hoch und erhöht sich, wenn man mehr als einen Akku im Auto verwendet. Auch stellt sich die Frage, ob angesichts des Engpasses in der Herstellung von Stromspeichern überhaupt die notwendigen Mengen produziert werden können.

Ebenfalls nicht außer Acht lassen sollte man die Frage nach den Kosten für eine Wechselstation. Bau und Betrieb der Stationen sind um ein Mehrfaches teurer als eine einfache Ladesäule. Das muss sich amortisieren, was sicher geht, wenn man wie Ample vor allem im B2B-Sektor unterwegs ist. Nio scheint die Kosten gleich im Kaufpreis des Fahrzeugs einzukalkulieren. Kunden zahlen dabei angeblich nur wenig mehr als bei der normalen Variante.

Wird sich der Batterietausch durchsetzen? Für Flotten scheint sich der Einsatz schon jetzt zu lohnen, denn die Standzeit der Fahrzeuge wird erheblich reduziert. Zudem sind Fahrzeuge immer einsatzbereit, was die laufenden Kosten erheblich reduziert. Auch für die Polizei und andere Einsatzdienste ist das von Vorteil. Ein weiterer Einsatzbereich könnte sich bei Lkw ergeben, denn die Größe der Stationen ist skalierbar. Das würde im Langstreckentransport den Umstieg auf die Elektromobilität deutlich beschleunigen. Ample, BatteryPool und Nio dürften nicht letzten Startups sein, die die Technologie des Batterietausch vorantreiben.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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