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Türkische Währung im freien Fall: Wie Erdogan die türkische Lira gegen die Wand fährt

Sinan Şenyurt
·Lesedauer: 3 Min.
Der türkische Präsident Erdogan mischt bei der Notenbank seines Landes kräftig mit.
Der türkische Präsident Erdogan mischt bei der Notenbank seines Landes kräftig mit.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kriegt die schlechte wirtschaftliche Lage in seinem Land nicht in Griff. Nach dem Erdogan seinen vierten türkischen Notenbankchefs Ende März in einer Nacht-und-Nebel-Aktion rausschmiss, kam es zu mächtigen Unruhen auf den Finanzmärkten. Türkische Aktien haben binnen zwei Wochen fast 20 Prozent an Wert verloren, und die Inflation ist derweil auf über 16 Prozent angestiegen.

Diese Unruhen führten wiederum zum Kollaps der türkischen Lira gegenüber dem Dollar und dem Euro. Wie die türkische Notenbank selbst mitteilte, verlor die Türkei zwischen Ende März und Anfang April 1,9 Milliarden US-Dollar von ausländischen Investoren. Hintergrund des Abzugs der Investoren ist, dass man nicht mehr an die Stabilität der Türkei glaube und das Vertrauen in die Erdogan-Regierung verliere.

Falsche Beratung soll zu falschen Entscheidungen führen

Wie Business Insider aus Regierungskreisen in Ankara erfuhr, soll ein Grund für den aktuellen Kurs Erdogans an falscher Beratung aus seinen engeren Kreisen liegen. „Der türkische Präsident hört nicht mehr auf sein Berater-Team, sondern mehr auf enge Vertraute, die ihn nur bejubeln. Und genau diese Personen, die Erdogan nur bejubeln, führen Erdogan auf die falsche Fähre. Wenn Ankara seine Zinspolitik und die Menschenrechtspolitik im Land nicht verändert, dann werden wir noch mehr Investoren verlieren - und unsere Glaubwürdigkeit. Die Türkei könnte vor einem Kollateralschaden stehen“, so ein Diplomat zu Business Insider.

Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte Ende März den alten Finanzminister Naci Agbal als Notenbankchef per Dekret entlassen und durch Sahap Kavcioglu ersetzt. Während Agbal ein Freund der Leitzinsen war, gilt Kavcioglu wie sein Chef Erdogan, als Gegner hoher Zinsen. Denn Erdogan sieht die Leitzinsen als „Mutter und Vater allen Übels.“ Mit dem Wechsel an der Spitze der Notenbank verlor die Türkei alle Investoren, die dem alten Finanzminister ihr Vertrauen schenkten.

Hohe Inflation trifft vor allem die Bevölkerung

Seit dem Tag der Leitzinsanhebung unter Agbal im November hatte sich die türkische Währung deutlich erholt. Für Unternehmen ist der Wechselkurs von großer Bedeutung, weil sie häufig in Fremdwährungen verschuldet sind und die fälligen Raten teilweise nur noch schwer bedient werden konnten. Somit schien die Türkei auf einem guten Weg. Doch die Rhetorik Erdogans war weiterhin eine schwelende Gefahr.

Die Türkei leidet schon seit 10 Jahren unter hohen Inflationsraten. Aktuell liegt sie bei etwa 15 Prozent, was die Bevölkerung mit deutlich steigenden Preisen stark zu spüren bekommt. Die Inflation unter Kontrolle zu halten ist eigentlich die Hauptaufgabe einer Notenbank, wofür sie einige Instrumente hat.

Statt die Notenbank unabhängig von der Politik agieren zu lassen, mischt sich Erdogan immer wieder verstärkt ein. Und wenn die Situation brenzlich wird, versucht er, seine Wählerschaft zu mobilisieren und will das Geld von der Bevölkerung.

Erdogan mischt sich immer wieder aktiv in Geldpolitik ein

Auf einer Veranstaltung sagte Erdogan in Richtung seiner Anhängerschaft, der islamisch-konservativen AKP „Von meinen Bürgern möchte ich, dass sie die Devisen und das Gold in ihren Häusern, was unser nationales Vermögen ist, in verschiedene Finanzmittel investieren und es damit in die Wirtschaft und Produktion einbringen.“

Die türkische Währung steht nur knapp über dem Rekordtief, wo sie im vergangenen November bei 8,57 Lira für einen Dollar und über 10,20 Lira gegenüber dem Euro lag. Am Montagmorgen wurden für einen Euro 9,73 Lira gezahlt und 8,17 für einen Dollar, was einem Kurseinbruch von über acht Prozent entsprach.

In den kommenden Wochen soll der neue Notenbankchef sich nach seiner ersten Sitzung zu weiteren Details seiner geplanten Finanz-Strategie äußern. Ob diese dann die türkische Lira retten wird, bleibt abzuwarten.