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Töpfer: 'Wir leben mit einer Wohlstandslüge' - Wahre Kosten tragen

MÜNCHEN/BERLIN (dpa-AFX) - Der ehemalige Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) sieht die Schülerbewegung "Fridays for Future" positiv. Auch die eindringliche Sprache von Greta Thunberg halte er bei "jungen, engagierten Menschen für angemessen", sagte Töpfer der "Süddeutschen Zeitung" (Wochenendausgabe). Ihre Rede beim UN-Klimagipfel in New York habe jedoch nicht motiviert, sondern angeklagt, so dass die berechtigten Anliegen der Sache in den Hintergrund treten könnten. "Wir stehen vor einer Menschheitsaufgabe und sollten die Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf allen Ebenen suchen. Ich wäre dankbar, wenn sich die Protestierenden mit auf die politische Ebene begäben."

Auf die Frage seiner Kinder und Enkeln, was seine Generation zur Bewahrung der Schöpfung getan habe, antworte er: "Dass wir unseren Wohlstand jahrzehntelang subventioniert haben, dass wir die Kosten, die dafür bezahlt werden müssen, verdrängt haben, indem Probleme jahrzehntelang nicht beseitigt, sondern verlagert wurden." Auch auf die ärmeren Menschen der Erde würden Belastungen abgewälzt. "Es ist nun mal so, dass wir seit Jahrzehnten auf Kosten anderer leben", sagte Töpfer. "Wir leben mit einer Wohlstandslüge."

Zwei Dinge seien zu tun: "Erstens müssen wir unseren Wachstumsglauben beständig hinterfragen, inwieweit wir alle Kosten tragen, die damit verbunden sind", so Töpfer. Zweitens müsse man den Menschen in Afrika helfen, ihre Gesellschaft ökonomisch und technologisch zu entwickeln. Dort könnten in wenigen Jahren zwei Milliarden Menschen leben, sagte Töpfer, der als Chef des UN-Umweltprogramms acht Jahre in Kenia lebte. Diese Länder hätten viel Kohle, Gas, Öl und seltene Rohstoffe. "Wenn wir denen sagen: Okay, wir haben in den letzten Jahrzehnten mit diesen Energien unseren Wohlstand erarbeitet, dummerweise ist dabei das Klima kaputtgegangen, deswegen müsst ihr diese Rohstoffe bitte in der Erde lassen - dann ist das unglaubwürdig. Es sei denn, wir kooperieren mit diesen Ländern beim Einsatz alternativer Energien."