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Tönnies darf ab sofort wieder im Stammwerk schlachten

·Lesedauer: 4 Min.

Einzelne Teilbereiche im Werk in Rheda-Wiedenbrück haben ihre Arbeit wieder aufgenommen. Nun darf die Fleischfabrik auch die Produktion hochfahren.

Das Tönnies-Stammwerk war nach einem Corona-Massenausbruch vor vier Wochen geschlossen worden. Foto: dpa
Das Tönnies-Stammwerk war nach einem Corona-Massenausbruch vor vier Wochen geschlossen worden. Foto: dpa

Erst die Verwaltung, dann die Techniker und nun auch das Kerngeschäft: Das Stammwerk des größten deutschen Schlachtkonzerns Tönnies füllt sich wieder. Die Stadtverwaltung Rheda-Wiedenbrück hat am Mittwoch eine Teilaufhebung der Schließungsverfügung für den eigentlichen Schlachtbetrieb und die Blutverarbeitung verfügt, also für die zu Tönnies gehörenden Firmen Reisinger und Acontex. Die insgesamt 604 Mitarbeiter dürfen das Werksgelände ab sofort betreten und ihre Arbeit schrittweise wieder aufnehmen. Die ersten Tiere werden am Donnerstagmorgen geliefert.

„Das wesentlich ergänzte und überarbeitete Hygienekonzept“ des Unternehmens biete die Grundlage für die Wiederaufnahme des Betriebs, heißt es in einer Mitteilung. Die Bereiche Schlachtung und Blutverarbeitung seien räumlich und betrieblich von anderen Bereichen der Unternehmensgruppe getrennt. Ein stetiger Luftaustausch sei gewährleistet.

Die Blutverarbeitung beschäftige nur eine geringe Anzahl an Mitarbeitenden, daher werde das Infektionsrisiko als gering eingestuft, so die Behörden. Zudem sei ein großer Abstand zwischen den Mitarbeitenden aufgrund der niedrigen Personenanzahl gewährleistet.

Die Stadtverwaltung teilte außerdem mit, dass Tönnies auch einen Antrag auf eine Ausnahme gestellt hat, der den Bereich Zerlegung betrifft. Dort sollen am Donnerstag nochmals Begehungen stattfinden, um die durch das Hygienekonzept und Behördenvorgaben vorgeschriebenen Installationen zu überprüfen. Hierzu gehören etwa Trennelemente aus Plexiglas. Der Bereich soll den Betrieb am Freitag zunächst probeweise aufnehmen, teilten die Behörden mit.

Nach einem Corona-Massenausbruch war die Fleischfabrik vor vier Wochen geschlossen worden. Etwa 1400 Arbeiter des Werks hatten sich nachweislich mit dem Virus infiziert. Die aktuelle Schließungsverfügung läuft in der Nacht auf Freitag aus. Ob – und wenn ja in welcher Form – die Verfügung verlängert wird, ist noch unklar.

So will Tönnies einen erneuten Ausbruch verhindern

Für die Wiederinbetriebnahme des Schlachtbetriebs haben die Behörden Tönnies eine Reihe von Auflagen erteilt. Das Unternehmen muss unter anderem seine Wohnraumkontrollen verstärken, wenn die Räumlichkeiten in den Bereich der Arbeitsstättenverordnung fallen. Die Mitarbeiterbeförderung werde optimiert, je Fahrzeugtyp sei künftig eine maximale Personenanzahl vorgegeben.

Tönnies muss außerdem eine aktuelle Datenbank für Wohn- und Aufenthaltsadressen aller Beschäftigten erstellen. Nach dem Corona-Ausbruch mussten die Behörden sich Mitarbeiter-Adresslisten in einer Art Razzia verschaffen. Das Unternehmen hatte nach Darstellung des Kreises nur zögerlich reagiert, zudem hätten wesentliche Angaben gefehlt.

Alle Produktionsbeschäftigten sollen künftig zweimal wöchentlich getestet. Hierfür will Tönnies ein mobiles Zelt am Werkseingang errichten. Reiserückkehrer sollen in der Woche gar täglich getestet werden, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Der automatische Temperaturscanner werde zudem um einen ärztlichen Check aller am Drehkreuz eintreffenden Mitarbeiter zu Schichtbeginn ergänzt.

Eine Vermischung des Personals der unterschiedlichen Bereiche soll es nicht mehr geben. Die Mitarbeiter der Schlachtbetriebs müssen künftig einen separaten Kantinenbereich nutzen. Zudem sei in allen Betriebsgebäuden die Nutzung eines medizinischen, dreilagigen Mund-Nasen-Schutzes Pflicht.

Vor der Schließung des Werks wurden dort nach früheren Angaben täglich etwa 20.000 bis 25.000 Schweine geschlachtet. Das führte zu Problemen, weil andere Höfe die Kapazitäten nur zu einem kleinen Teil übernehmen konnten. Landwirte warnten vor Tierschutzproblemen und fürchteten ein Verlustgeschäft. Nordrhein-Westfalen erwägt deshalb Hilfen für Ferkelerzeuger und Sauenhalter. Nächste Woche müsse geprüft werden, wie kritisch die Lage sei und ob eine Unterstützung des Landes nötig werde, sagte NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) am Mittwoch.

Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der deutschen Schweinehalter (ISN), zeigt sich zwar erleichtert über die Wiederaufnahme des Schlachtbetriebs in Rheda und spricht von einem wichtigen Signal. Damit der Druck auf die Betriebe und am Markt nachlässt, sei es nun aber auch wichtig, dass „wieder erhebliche Stückzahlen am Standort geschlachtet werden.“ Inzwischen stünden etwa 400.000 Schweine zur Schlachtung bereit. Das entspreche in etwa der Menge, die in einer halben Woche in ganz Deutschland geschlachtet wird.

Ministerin Heinen-Esser hatte noch am Mittwoch betont, dass kein Schlachtbetrieb „in absehbarer Zukunft auf 100 Prozent laufen“ wird. Das gehe aus Gesundheitsschutzgründen nicht, sagte die Ministerin. Am Freitag beschäftigt sich der Landwirtschaftsausschuss des Landtags in einer Sondersitzung mit der Krise.