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Superreiche bevorzugen Immobilien – Preise in Frankfurt steigen rasant

Immobilien bleiben die bevorzugte Anlageklasse für Superreiche. Nirgendwo verteuerten sich Luxusimmobilien im vergangenen Jahr so sehr wie in Frankfurt.

ARCHIV - Motorboote liegen am 13.09.2012 an den Anlegestellen eines Wohnviertels am Westhafen in Frankfurt am Main (Hessen) vor Anker. Immobilien in deutschen Ballungsräumen sind nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank derzeit viel zu teuer. Trotz der jüngsten Angebotsausweitung über Neubauten hätten sich die Überbewertungen in den Ballungsräumen verfestigt. Foto: Arne Dedert/dpa (zu dpa:

Wer einmal den Blick aus den oberen Etagen der Frankfurter Bankentürme oder von der Aussichtsplattform des Main Towers hat streifen lassen, der kennt die Vorzüge einer Panoramasicht auf den Main, den Feldberg, den Spessart oder den Odenwald. Wer will, kann sich diesen Anblick künftig auch jenseits der Arbeitszeit sichern: In Frankfurt werden gerade eine Reihe von Wohnhochhäusern gebaut.

In diesem Jahr wird der Grand Tower fertiggestellt, mit dem 160 Park View, dem Eden, dem Riverpark Tower oder dem Four werden derzeit weitere Wolkenkratzer gebaut. Doch wer hier Wohnen will, muss das nötige Startkapital mitbringen: Im 160 Park View etwa kosten die Wohnungen im Schnitt 10.000 Euro pro Quadratmeter.

Frankfurt drängt nicht nur physisch hoch hinaus, sondern auch im statistischen Vergleich mit den Metropolen der Welt. Nirgendwo sonst haben sich Premiumimmobilien im vergangenen Jahr so verteuert, wie in Frankfurt, zeigt der aktuelle Knight Frank Wealth Report. Um 10,3 Prozent verteuerten sich Luxusimmobilien am Main. Nur Lissabon (9,6 Prozent) und Taipeh (8,9 Prozent) dringen in ähnliche Dimensionen vor. Berlin bleibt bei den wohlhabenden Käufern ebenfalls beliebt. Hier verteuerten sich Premium-Wohnungen um 6,5 Prozent.

Der Report des britischen Immobiliendienstleister zeigt auch: Während in den vergangenen Monaten die Sorgen vor einer konjunkturellen Schwäche zunehmen, lässt dies den Luxusimmobilienmarkt kalt. In 78 von 100 untersuchten Märkten steigen die Preise, in 22 hingegen fallen sie auch.

Geht es nach Ansicht der Studienautoren wäre sogar noch mehr drin gewesen, hätte es die Konjunktursorgen nicht gegeben: „Trotz der steigenden Vermögen und der in den meisten entwickelten Volkswirtschaften weiterhin historisch niedrigen Zinsen drückten die globale Konjunktureintrübung, steigende Immobiliensteuern und ein teilweise vorhandenes Überangebot zum Verkauf stehender Luxusimmobilien den Preisanstieg“, sagt Kate Everett-Allen, Leiterin der globalen Wohnungsmarktanalyse bei Knight Frank.

Allerdings gewährt der Immobiliendienstleister weder einen Einblick in die Anzahl der jeweils analysierten Angebote. Als Premium-Immobilien definiert Knight Frank die teuersten fünf Prozent des Wohnungsmarktes in den Städten.

Ein Indiz dafür, dass Frankfurt in Sachen Klasse bei den Preisanstiegen zwar ganz oben steht, nicht aber ein Massenmarkt ist, liefert eine Analyse des Makler-Hauses Von Poll Immobilien für das Jahr 2018. Während in München 880 Wohnungen und Häuser für mehr als eine Million Euro verkauft wurden, waren es in Frankfurt nur 190. Vor der Stadt am Main liegen außerdem Hamburg, Berlin und Düsseldorf.

Ohnehin sind die deutschen Metropolen für Superreiche noch ein vergleichsweise günstiges Pflaster. Für eine Million Dollar bekommt man in Berlin immerhin 77 Quadratmeter Wohnung, in Monaco, der teuersten aller Städte, sind es nur 16 Quadratmeter.

Doch in der Welt der Luxusimmobilien gibt es auch Problemkandidaten. So war der Markt in Dubai in den vergangenen Jahren von einem Überangebot geprägt. Im Zuge der Expo 2020 zog die Bautätigkeit dort stark an – zu viel für das Emirat. 2018 fielen die Preise um 3,4 Prozent und noch hat sich Dubai davon nicht erholt: 0,7 Prozent betrug das Minus im vergangenen Jahr. Auch in Schweden zeichnete sich zuletzt ein Überangebot ab. Projektentwickler von Premium-Immobilien stehen unter Druck.

Am deutlichsten brachen die Preise 2019 jedoch in Vancouver ein, um 8,3 Prozent. Immerhin: Damit hat sich der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, als die Preise um 11,5 Prozent fielen, verlangsamt. In der Metropole an der kanadischen Westküste belastet vor allem eine strenge Regulierung, wie etwa eine zusätzliche Grunderwerbsteuer für ausländische Käufer, den Markt.

An anderer Stelle täuschen vermeintlich positive Zahlen zudem über eine schwache Entwicklung hinweg: So habe der Handelskrieg zwischen den USA und China, die Proteste in Hongkong und schärfere Regulierungen Investoren den Appetit auf Asiens Metropolen ziemlich verdorben. „Die Zeiten mit jährlichen Preisanstiegen von 30 Prozent sind in chinesischen Metropolen vorbei“, heißt es in dem Report. Auf dem chinesischen Festland legten die Preise in Guangzhou mit 6,5 Prozent am kräftigsten zu.

Trübsinn dürfte bei den Projektentwicklern indes flüchtiger Natur sein – angesichts der stetig wachsenden Gruppe der Ultrareichen, Knight Frank spricht von „Ultra High Net Worth Individuals“. Dazu zählt, wer über ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügt. Weltweit zählt der Immobiliendienstleister 513.000 dieser Menschen, allein 2019 kamen 31.000 hinzu. Ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Schon bis 2024 soll die Gruppe auf 650.000 Menschen ansteigen.

Liam Bailey, Leiter der Analyseabteilung bei Knight Frank, findet es „spannend“, die Vermögensentwicklung in Asien zu beobachten. „Die Zahl äußerst vermögender Menschen in Indien, Vietnam, China und Malaysia wird in den nächsten fünf Jahren schneller zunehmen als in anderen Märkten“, sagt er.

Warum der Immobiliendienstleister – und seine Branchenkollegen – daher allen Grund zur Zuversicht haben, liefert er auch gleich noch mit: Immobilien sind die wichtigste Anlageklasse in den Portfolien der Superreichen. Ihr Anteil am Vermögen liegt bei 27 Prozent, der von Aktien bei 23 Prozent. Die zuletzt stark gefragten Edelmetalle, allen voran Gold, kommen hingegen nur auf drei Prozent.