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„Superimmunität“ nach Omikron-Infektionen für Geimpfte? Erste Ergebnisse weisen darauf hin, doch Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

·Lesedauer: 4 Min.

Booster, Impfdurchbrüche, Infektionen – Immunität ist ein kompliziertes Schlagwort in unserem Corona-Vokabular geworden. Immer häufiger treten Durchbruchsinfektionen auf, bei denen sich auch die geimpfte Bevölkerung infiziert. Das zeigt, dass die Impfungen nicht unbedingt vor jeder Corona-Variante schützen – auch wenn die Impfstoffe wichtig sind, um schwere Verläufe und Langzeitfolgen zu verhindern.

Neue Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass es für Menschen, die geimpft sind und dann erkrankten, einen Silberstreif am Horizont gibt: Wer einen vollständigen Impfschutz hat und durch eine vorherige Corona-Infektion als genesen gilt, scheint sehr gut vor künftigen Infektionen geschützt zu sein.

Das Forschungsteam einer aktuellen Studie an der Oregon Health and Science University, die während der Delta-Welle im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, bezeichnet diesen doppelten Schutz als "Superimmunität" – ein Ergebnis, das durch die jüngsten Daten der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC untermauert wird, wonach Menschen, die sowohl einen Impfstoff als auch eine frühere Infektion hatten, am wenigsten wahrscheinlich an COVID-19 mit Delta erkranken.

Auch wenn die Daten zu Omikron noch nicht vorliegen, deuten erste (noch nicht begutachtete) Ergebnisse aus Österreich darauf hin, dass das auch für Geimpfte gilt, die sich in den vergangenen Wochen infiziert haben.

Eine neue Art der Immunität bedeutet jedoch längst nicht das Ende der Pandemie. Sie stellt einen weiteren Bruch dar, bei der einige Menschen deutlich besser geschützt sind als andere. Eine weitere Variante könnte jederzeit auftauchen. Für Experten des öffentlichen Gesundheitswesens bleibt die Sorge, dass Corona-Infektionen unvorhersehbar sind. Daher ist es wichtig, dass Menschen sich nicht vorsätzlich mit dem Virus infizieren, nur um später immun zu sein.

„Man wäre verrückt, wenn man versuchen würde, sich damit anzustecken“, sagte Dr. Robert Murphy von der Northwestern University Feinberg School of Medicine zu „CNN“. "Es ist, als würde man mit Dynamit spielen."

Impfung bietet die Grundlage für „Superimmunität“

Die „Superimmunität funktioniert nicht ohne die Grundlage der Impfung – eine natürliche Infektion allein bringt nichts außer normale Immunität, potenziell viele Arztbesuche und dem Risiko einer schweren Erkrankung und Long Covid.

Geimpfte Personen, die eine Durchbruchsinfektion mit Delta hatten, produzierten bis zu 1000 Prozent wirksamere Antikörper im Vergleich zu denen, die nach einer Biontech-Impfung gebildet werden. „Nicht nur die Menge der Antikörper ist hoch – auch die Fähigkeit, verschiedene Varianten kreuzneutralisieren zu können, ist bemerkenswert hoch“, sagte Fikadu Tafesse, ein Mitautor der Studie aus Oregon, zu Business Insider.

Indem euer Körper verschiedenen Varianten desselben Virus ausgesetzt wird, kann dieser verstehen, dass es verschiedene Formen des Coronavirus gibt. „Die Impfstoffe wurden mit dem ursprünglichen, also dem Alpha-Stamm des Virus entwickelt. Wenn man jetzt einen Durchbruch hat, ist es vermutlich Delta oder Omikron“, so Tafesse. „Das gibt euch eine zusätzliche Ebene der Komplexität in Bezug auf eure Antikörpervielfalt.“

Was eine Infektion mit dem Immunsystem macht

Während ihr schlapp und müde mit Kopfschmerzen im Bett liegt, sind eure T- und B-Zellen fleißig bei der Arbeit. Diese Immun-Kämpfer sind dafür zuständig, infizierte Zellen anzugreifen und mehr Antikörper zur Bekämpfung zu bilden. Das Ergebnis: Ein besser trainierter Abwehrplan für das nächste Mal, wenn euer Körper dem Virus begegnet.

„Die vollständige Virusinfektion trainiert die Immunität umfassender als die Immunität, die wir durch den Impfstoff erhalten, welcher hauptsächlich aus Spike-Proteinen besteht“, erklärt Tafesse Business Insider. Die Impfstoffe nutzen das Spike-Protein - die Waffe des Virus, um in unsere Zellen einzudringen - als eine Abkürzung zur Immunität. Aber mit Omikron haben wir gelernt, dass eine Immunreaktion, die sich auf ein einziges Protein bezieht, nicht immer verhindert, dass sich Menschen mit COVID-19 infizieren.

Es wird noch einige Zeit dauern, die durch Omikron ausgelöste Immunität zu verfolgen. Bisher wurden noch nicht genug Daten gesammelt, um vollständig zu verstehen, wie sich die Superimmunität gegen Omikron verhält – doch Tafesse ist optimistisch. „Wir denken, dass Personen im früheren Impfdurchbrüchen einen sehr hohen Schutz haben, sogar gegen Omikron“, sagt er. Trotzdem könne man nicht vorhersagen, was als Nächstes kommt. „Ich meine, wir sagen jetzt, dass es eine Superimmunität gibt. Was kommt danach, eine Super-Duper-Immunität?“

Auf einer Podiumsdiskussion, die kürzlich vom Weltwirtschaftsforum veranstaltet wurde, sagte der US-amerikanische Gesundheitsexperte Anthony Fauci, dass die Frage, ob Omikron der Pandemie ein Ende setzen würde - oder vielleicht ein langsames Abklingen - angesichts der Mutationsfähigkeit des Virus schwer zu beantworten sei.

„Ich würde hoffen, dass dies der Fall ist“, sagte Tafesse. „Aber das wäre nur dann der Fall, wenn wir keine weitere Variante bekommen, die sich der Immunantwort der vorherigen Variante entzieht.“

Dieser Text wurde von Hendrikje Rudnick aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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