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Suchen "hirnlosen Monteur": Die zehn schrägsten Stellenanzeigen

Stellenanzeigen bieten nicht die unterhaltsamste Lektüre. Steif und nüchtern werden dort Angebot und Erwartungen dargelegt. Dass man diese auch anders, zum Beispiel frei und lustig, kurz: ein wenig neben der Spur formulieren kann, zeigen die folgenden Bespiele.

Wie man in die (Job-)Wüste hinein ruft, so schallt es heraus. (Symbolbild: Getty Images)
Wie man in die (Job-)Wüste hinein ruft, so schallt es heraus. (Symbolbild: Getty Images) (RichVintage via Getty Images)

Was sind Ihre Stärken, was Ihre Schwächen? Was erwarten Sie von der Stelle? Das erwarten wir von Ihnen. Sind Sie Team-Player? Oder Einzelgänger? Ja, bei Bewerbungen geht es mitunter, nein: in der Regel steif, ernst oder auch: humorlos zu. Das muss es nicht. Wenigstens die Arbeitgeber können es auch lockerer angehen – sei es in Bewerbungsgesprächen oder Stellenanzeigen. Das Leben ist hart und anstrengend, aber man darf auch mal auf die Lichtungen des Lebens schauen, auf die "bride side of life", wie es in einem Lied aus einem lustigen Film heißt. Das Ernste kann und sollte man auch mit Humor nehmen, dem Großen und Wichtigen durchaus die Gemütlichkeit entgegensetzen. Die folgenden Arbeitgeber demonstrieren diese Lebensphilosophie besonders eindrücklich.

1. Orangen beim Wachsen zusehen

Der Hersteller eines populären Fruchtgetränks – Valensina – suchte 2017 einen Mitarbeiter für den "faulsten Job der Welt". "Faulster Job"? In Anbetracht des Aufgabenspektrums wird es auch der beste Job der Welt gewesen sein. Einen Bruch heben sich die Mitarbeiter hier bei der Arbeit kaum. Wie auch, wenn sie "Orangen von zu Hause aus beim Wachsen" zusehen müssen. Gut, "ab und an müssen sie darüber [also vermutlich über den Wachstumsfortschritt der Orangen] berichten", doch geschenkt. Oder wenn sie nicht mehr zu tun haben, als "abzuwarten und Saft zu trinken" und dabei "nichts übers Knie zu brechen" – die geeigneten Kandidaten werden verstanden haben, wie Letzteres gemeint ist. Am Anforderungsprofil drohten wohl nur die Fleißigen zu scheitern. Die Mitarbeiter sollten "Spaß am Posten" mitbringen, "Erfahrungen im Nichtstun" vorweisen und schließlich "Freude am professionellen Faulenzen" haben.

2. Gesucht: Workaholic – Dental-Maniac

Diese Anzeige kann nicht anders als komplementär zur vorausgegangen bezeichnet werden. Das Gegenteil zur vorigen ist die ausgeschriebene Stelle, Gegensätze auch die angesprochenen Zielgruppen. Gesucht wird ein "Workaholic Dental-Maniac", der oder die "Woche für Woche 40 harte Stunden zu knüppeln […] und dabei ständig neue kleine Nüsschen zu knacken" bereit ist. Dazu hat der oder die Zahntechnik-Angestellte "Arbeit und Kundenschelte in ständigem Wechsel zu ertragen" – und das Ganze, wie es weiter in der doch grundehrlichen Stellenanzeige heißt, "unter Dauerkritik wohlmeinender Teamkollegen und Chefs", "für müde Kohle", aber immerhin für "ein paar gute Worte." Und welche Eigenschaften hatte der Workaholic neben einer masochistischen Veranlagung mitzubringen? "Besserwissen". Andernfalls wäre sein "Scheitern vorprogrammiert" gewesen.

3. Geld fürs TikToken

Keinen Zacken aus der Krone drohten sich wiederum die drei "Trend Checker" zu brechen, die der Videodienst TikTok einstellen wollte. Sie brauchten im Grunde nicht mehr tun, als sich einige Stunden auf der Plattform aufzuhalten, dort bestimmte Trends auszumachen oder vorauszuahnen und ihre Erkenntnisse zu dokumentieren. Für diese Arbeit stellte der Konzern ein üppiges Gehalt in Aussicht: 1000 Dollar für zehn Stunden. Zu so etwas pflegt man gewöhnlich zu sagen: Leicht verdientes Geld.

BRAZIL - 2023/05/21: In this photo illustration, the TikTok logo is displayed on a smartphone screen. (Photo Illustration by Rafael Henrique/SOPA Images/LightRocket via Getty Images)
Symbolbild: Rafael Henrique/SOPA Images/LightRocket via Getty Images (SOPA Images via Getty Images)

4. Burger King sucht Kartoffel

Burger King gehört eigenen Angaben zufolge zu den "führenden Quick Service Unternehmen weltweit", und einmal suchte der Betreiber von mehr als 11.200 Filialen für eine Anstellung "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" eine –, eine: "Kartoffel (m/w)". Diese sollte "jüngeren Alters" und von "hervorragender Qualität" sein. Dazu hatte das Gemüse "neugierig und präsentationsstark" zu sein und durfte nicht in "Schubladen denken". Gemeint ist mit Letzterem: Ob weich oder festkochend, was macht das für einen Unterschied? Im Gegenzug hätte die Kartoffel bei Burger King "alle gebotenen Chancen" in einer "Top-Position" erwartet, zum Beispiel: nach einer "kurzen, praxisorientierten Trainee-Zeit" der Aufstieg zur King Pommes.

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Wie, Sie halten die Stellenanzeige für Unfug? Alles Gaga? Nein, Burger King ist nicht die Hanswurst, sondern der König unter den Fastfood-Ketten, wie der Satz in einem weiteren Stellenangebot des Konzerns klarstellt: "Work for a king, not a clown".

5. Gesucht: willenlos "hirnloser Monteur"

Willenlos dem Schicksal oder besser der Willkür des Arbeitgebers ergeben und nicht sonderlich intelligent sollte der "durchgeknallte und hirnlose Monteur" sein, den eine Firma für "Decken und Wandverkleidungen" seinerzeit einstellen wollte. Einen Mitarbeiter, der kein Problem damit hat, wenn er "während der Arbeit beleidigt und drangsaliert" wird, und der auf seinen Lohn schon mal verzichten kann, um die Firma zu entlasten. Das Gehalt zahlt die Firma ihren Mitarbeitern nämlich "äußerst ungern" aus und auch "äußerst unregelmäßig". In der Firma selbst geht es "absolut unkollegial" zu und bei ihren Kunden ist sie unbeliebt. Und wie die Angestellten arbeiteten, sei ohnehin egal, da die Firma bei den Auftraggebern "sowieso kein zweites Mal aktiv" werde. Kurzum, der Posten sei die "richtige Adresse" für alle, "die schon immer einmal ausgebeutet werden wollten".

6. Runde Sache in der Hunderunde der Hundeschule

Eine Hundeschule "mit angeschlossenem Gassiservice" im nordhessischen Kaufungen suchte dereinst "Unterstützung" im "Dogwalking". Ein Zuckerschlecken war die Anstellung nicht gerade, eher musste besagte Unterstützung die Bereitschaft mitbringen, regelmäßig "mit schlammverkrusteten Schuhen und nass bis aufs Unterhöschen durch den Dauerregen marschieren". Auch sollte der oder die Hundesitter/in den "Adrenalinkick' lieben, wenn ein "suizidgefährdeter Feldhase" just in dem Moment "durch die Hundegruppe schießt", wenn keiner der Hunde angeleint ist, weil der Hundeführer gerade "konzentriert" in der "Nase popelt". Nicht zuletzt sollte der oder die Kandidat/in für die 450-Euro-Stelle "aufgeschlossen und nett" und "nie, wirklich niemals" das größte aller Tabu gegenüber Hundehalter brechen: nämlich "ihre Lieblinge beleidigen".

7. "Eierlegende Wollmilchsau", bitte melden

Diese Annonce eines Krankenpflegedienstes aus Bergisch Gladbach aus dem Jahr 2015 war so ausgefallen, dass sein Chef es sogar zu einem Interview mit dem Spiegel schaffte. Ob die Anzeige echt oder er Kabarettist sei, wurde er von der Zeitung gefragt. Sie war echt. Der Krankenpflegedienst suchte eine "Eierlegende Wollmilchsau", die "keinerlei Ambitionen" hatte, "gutes Geld zu verdienen", aber "immer mehr Aufgaben übernehmen" wollte. Zu vergeben war ein Posten aus "langweiligen Routinearbeiten" mit "keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten" in einem Arbeitsumfeld aus "gestressten, überforderten und ausgelaugten Kollegen". Und das Ganze wurde mit einem "attraktiven Gehalt" von 850 Euro entlohnt – brutto, wohlgemerkt. War das Angebot auf Interesse gestoßen? Hatte sich wirklich jemand mit einem "aussagekräftigen Foto von der letzten Familienfeier" um die Stelle beworben? Oh ja. Bis zum Zeitpunkt des Spiegel-Interviews, sagte der Chef, hätte es "zwei echte Bewerber" gegeben – in der Branche, so er, "ein ganz normaler Schnitt".

8. Passt schon, Hauptsache nicht verpeilt

Edeka liebt bekanntlich Lebensmittel, die Ansprüche des Supermarkts hinsichtlich seiner Mitarbeiter scheinen dagegen nicht besonders hoch zu sein. Wir schließen das aus der Stellenanzeige der Edeka-Filiale Gebhard in nordrhein-westfälischen Detmold. Für den vakanten Posten im Getränkemarkt suchte der Betreiber einen Mitarbeiter, der nicht viel mehr zu bieten brauchte, als "nicht komplett verpeilt" zu sein; einen Mitarbeiter, der bloß "eine Kiste Bier von einer Kiste Wasser unterscheiden" brauchte; einen, der richtig die "Uhr lesen" und freundlich 'Guten Tag' und 'Auf Wiedersehen" sagen konnte, und jemanden schließlich, der in der Lage ist, sich "morgens die Stulle zu schmieren".

9. Politisch korrekter Arbeitgeber in einer politisch korrekten Welt

Dass man die moralischen Forderungen unserer Zeit nicht nur er-, sondern sogar übererfüllen kann, demonstriert die Stellenanzeige des durch und durch politisch korrekten Arbeitgebers Friedrichstadt-Palast in Berlin. Toleranz ist beim Revuetheater das A und das O – und beides wird, natürlich, großgeschrieben. Menschen, die sich dort um einen Posten bewerben, dürften sein, wer sie seien, und aussehen, wie sie es für gut befänden, heißt es in der Annonce um die Stellen "Barleiter*in", "Bar- und Servicekraft" und "Ticket Hotline (Call Center) Agent*innen unmissverständlich. Natürlich sei es auch "null problemo", wenn die Kandidat*innen "Tatoos, Piercing [oder eine] ungewöhnliche Haarfarbe" trügen. Denn man freue sich über Bewerbungen von Menschen aller Couleur, von Menschen also "aller Hautfarben, aller Nationalitäten, aller drei oder mehr Geschlechter, aller legalen sexuellen Orientierungen, von Menschen mit oder ohne Behinderungen sowie aller Religionen bzw. von Atheist*innen." Wenn da mal niemand vergessen wurde.

10. Geschäftsführer mit schmutziger Weste

Wer dunkle Flecken finden will, sollte auf einer anderen Weste als der des Friedrichstadt-Palasts suchen. Etwa auf der Weste dieses "Geschäftsführers". Der suchte 2015 für einen "Kurzjob" einen oder eine "Dich" zwischen 21 und 50 Jahren zum "ausgehen, fein Essen, Handjob und Ausflüge". Moment! Bitte einige Wörter zurückspringen. "Handjob"? War das ein Tippfehler? Oder vielleicht eine unglückliche, direkte Übersetzung eines deutschen Worts ins Englische? Handarbeit! Andererseits: Warum spricht der "Geschäftsführer" von "Diskretion", und weshalb erwähnt er seine "Großzügigkeit"? Und auch das "Biete gute Bezahlung" liegt im Zwielicht. Nein, diese Weste hat keine dunklen Flecken, sie scheint durch und durch schmutzig.

Zugabe

Wir hatten erst die Qual der Wahl – dann ein schlechtes Gewissen. Denn wählen bedeutet auch aussondern. Auch bei uns schafften es einige skurrile Jobangebote nicht auf die Liste der schrägsten Zehn. Einige von ihnen sollen dennoch nicht auf der Strecke bleiben, sondern hier nun in gebündelter Form eine kleine Bühne bekommen. So wie die Stellenzeige um eine "Psychopath/in", die zur "Unterstützung" eines "sadistischen Küchenchefs" gesucht wurde. Oder die Annonce einer Metzgerei, die einen Azubi einstellen wollte, der "gerne mit coolen Säuen abhängt". "Grantler u./o. Taugenichts" als Mitarbeiter wünschte sich dagegen ein Unternehmen für Brandschutz und Elektrotechnik. Eine andere Firma war auf der Suche nach einer/m "flexiblen Fahrer/in auf 450.000 Euro Basis". Ihr wurden bestimmt sämtliche Tür eingerannt. Dass man seine Türen nicht einrennen, aber eintreten könnte, fürchtete dagegen wohl ein Handwerksunternehmen, das daher ausschließlich Handwerker mit tadellosem Lebenswandel einstellen wollte, genauer: "gelernte Maurer ohne Alkoholproblemen".

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