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Sturm aufs Kapitol: Internet-Nutzer machen sich über lasche Sicherheitsvorkehrung lustig

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

Bei der Erstürmung des US-Kapitols stießen die Anhänger von Donald Trump auf keine große Gegenwehr. Dieser Umstand stößt auf heftige Kritik. Auf sozialen Netzwerken äußert sich die Empörung auch durch Witz und Satire.

WASHINGTON DC, DISTRICT OF COLUMBIA, UNITED STATES - 2021/01/06: Pro-Trump supporters and far-right forces flooded Washington DC to protest Trump's election loss. Hundreds breached the U.S. Capitol Building, aproximately 13 were arrested and one protester was killed. (Photo by Michael Nigro/Pacific Press/LightRocket via Getty Images)
Viele Demonstranten, wenige Sicherheitskräfte - so bewerten Kritiker die Situation während der Erstürmung des US-Kapitols am Mittwoch. (Bild: Michael Nigro/Pacific Press/LightRocket via Getty Images)

Als die Anhänger des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump am Mittwoch das US-Kapitol erstürmten, sorgte das für Entsetzen aber auch für heftige Kritik. Wie kann es sein, lautet ein Vorwurf, dass eine so große Institution und ein so wichtiges Ereignis – im Kongress sollte das Ergebnis der Präsidentschaftswahl formell bestätigt werden – nur unzureichend geschützt waren? Auch auf sozialen Netzwerken wundert sich so mancher Nutzer über die Unverhältnismäßigkeit zwischen Sicherheitsmaßnahme und Bedrohungsszenario. Um die Schieflage zu verdeutlichen, ziehen sie so manche Parallele.

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Viele Nutzer machen sich etwa darüber lustig, dass die Regierung offenbar weitaus mehr Aufwand betreibt, um die militärische Sperrzone Area 51 zu schützen als ihre eigenen Politiker. Hintergrund des Vergleichs ist eine Aktion, die im September 2019 im Internet ihren Anfang nahm. Damals war im Netz die Frage diskutiert worden, was passieren würde, wenn man Area 51 erstürmte.

RACHEL, NV - SEPTEMBER, 19: Local sheriffs, stand guard at one of the entrances to  Area 51, on September 19, 2019 in Rachel, Nevada. The Storm Area 51  social media event slated for September 20 & 21, stated online as a challenge to storm Area 51 and find the hidden aliens, a highly secure, secretive, military installation in central Nevada with the slogan, They cant stop us all.  (Photo by George Frey/Getty Images)
Der Zaun um die Area 51 sieht klein aus, aber den Militärstützpunkt zu stürmen gilt als nahezu unmöglich (Bild: George Frey/Getty Images)

Einige Nutzer wollten die Probe aufs Exempel machen und erschienen tatsächlich am Militärgebiet im US-Bundesstaat Nevada. Zu einem Sturm auf die Einrichtung kam es aber nicht – wohl auch deshalb, weil die Provokateure zuvor von den Behörden gehörig eingeschüchtert worden waren. Wie es heißt, wurde ihnen unmissverständlich deutlich gemacht: Es würden weder Kosten noch Mühen gescheut, um das Vorhaben zu vereiteln.

Tenor der Kritik: Wo waren die Kosten und Mühen?

Dagegen hielten sich die Kosten und Mühen während der gestrigen Ereignisse in der US-Hauptstadt offenbar in Grenzen, wie auch so mancher Twitter-Nutzer meint. "Die Erstürmung des Kapitols war Millionen Mal leichter als der Überfall auf Area 51", schreibt ein Mann auf dem Kurznachrichtendienst. Ein anderer Nutzer fragt auf derselben Plattform: "Wo war diese Energie, als wir Area 51 erstürmen und die Aliens befreien wollten." Um die Anlage rankt sich so manche Verschwörungstheorie – auch die, dass die US-Regierung hier Beweise für die Existenz von Außerirdischen unter Verschluss hält.

Ein dritter Nutzer schreibt: "Wir sollten die Proud Boys so schnell wie möglich ins Area 51 schicken". Mit den "stolzen Jungs" meint er die gleichnamige rechtsextreme Bewegung in den USA, die zu den Anhängern Donald Trumps gehören. Der Präsident weigert sich beharrlich, die gewaltbereite Gruppierung zu verurteilen. Stattdessen lässt er immer wieder eine Haltung durchblicken, die man auch als Sympathiebekundung deuten kann. In einem der TV-Duelle zur Präsidentschaftswahl im November sagte er: "Proud Boys haltet euch zurück und haltet euch bereit." Kritiker bewerteten den Satz als Aufruf zur Gewalt.

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Andere Nutzer ziehen angesichts der laschen Sicherheitsmaßnahmen am Mittwoch andere Vergleiche. "Die Polizei reagierte energischer auf die Homies, die in diesem Sommer Wasserflaschen warfen", meint ein Nutzer, um hinzuzufügen, dass er "nicht überrascht", aber "angewidert" sei. In einem weiteren Twitter-Kommentar heißt es angesichts der Unverhältnismäßigkeiten: "Wenn es jemals eine Frage von Privilegien gab, dann hat diese Frage keine Bedeutung mehr."

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