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Studie zeigt, wann und warum das Tübinger Modellprojekt zu höheren Infektionszahlen geführt hat

Business Insider Deutschland
·Lesedauer: 3 Min.
Das Tagesticket, Teil des Tübinger Modellprojekts „Öffnen mit Sicherheit“.
Das Tagesticket, Teil des Tübinger Modellprojekts „Öffnen mit Sicherheit“.

Mit dem Inkrafttreten der Bundesnotbremse wurde auch das Tübinger Modellprojekt „Öffnen mit Sicherheit“ beendet, das in den vergangenen Wochen immer wieder für Kritik gesorgt hatte. Wissenschaftler der Universitäten Mainz, Tübingen und Süd-Dänemark hatten das Projekt wissenschaftlich begleitet. Sie wollten sehen, ob sich die Infektionszahlen in Tübingen durch das Projekt verändern würden.

Der Leiter der Studie, Klaus Wälde, hatte dazu gesagt: "Um eine wirklich objektive Antwort auf die Frage zu erhalten, wie sich die Infektionszahlen in Tübingen ohne Modellprojekt entwickelt hätten, bräuchte man den Landkreis zweimal: einmal mit und einmal ohne Modellprojekt. Deshalb haben wir eine Kontrollgruppe, eine Art synthetisches Tübingen, geschaffen und das reale damit verglichen.

Die Wissenschaftler errechneten mit der sogenannten „synthetic control method“ daher eine künstliche Kontrollstadt. Dazu nahmen sie die Zahlen aus Heidelberg und Freiburg im Breisgau — beides ebenfalls Baden-Württembergische Universitätsstädte mit vergleichbaren Einwohnerzahlen und demografischen Verteilungen. Geringer gewichtet wurden auch die Landkreise Enzkreis und Heilbronn in die Kontrollgruppe einbezogen.

Nun liegen ihre Ergebnisse als Preprint vor, sind also noch nicht von anderen Experten begutachtet worden. Wie aus dem Vordruck hervorgeht, sind die Infektionszahlen in Tübingen während des Modellprojekts zeitweise deutlich stärker angestiegen als in der virtuellen Vergleichsstadt

Infektionszahlen stärker angestiegen — verglichen mit synthetischer Kontrollgruppe

„Öffnen mit Sicherheit“ hatte am 16. März begonnen. Die Stadt hatte Einwohnern und Besuchern dabei die Möglichkeit gegeben, nach einem negativen Schnelltest ein sogenanntes Tagesticket zu erhalten. Damit konnten unter anderem die Geschäfte des Einzelhandels sowie die Außengastronomie genutzt werden. Außerdem waren Kinobesuche und andere Kulturveranstaltungen möglich.

Obwohl die Ausgangssituation denkbar günstig war — die 7-Tage-Inzidenz in Tübingen lag vor dem Beginn der Lockerungen unter 50 —, stiegen die Infektionszahlen im Laufe des Projekts deutlich an. "Dabei beobachten wir ab Ende März eine deutliche Zunahme der Infektionszahlen in Tübingen gegenüber denen der Kontrollgruppe", so Wälde. So stieg die Inzidenz in den kaum drei Wochen bis zum Osterwochenende vom 3./4. April auf 144 an. Die Kontrollgruppe lag zu dieser Zeit bei einer deutlich niedrigeren Inzidenz von 100. Tübingen hatte aufgrund dieser Entwicklung bereits am 1. April die Außengastronomie wieder geschlossen.

In den darauf folgenden Tagen nahm der berechnete Unterschied zwischen Tübingen und der Kontrollgruppe dann sukzessive ab, berichten die Forschenden. Am 13. April 2021 schließlich – dem Ende des Beobachtungszeitraums – lagen die Infektionszahlen in Tübingen nur noch knapp über denen der Kontrollgruppe. "Möglicherweise ist das damit zu erklären, dass am 1. April die Außengastronomie von dem Modellprojekt ausgenommen und wieder geschlossen wurde und dass ab dann auch niemand mehr von außerhalb des Landkreises Tübingen an dem Projekt teilnehmen durfte", sagt Wälde.

Eine Möglichkeit war aber auch, dass dies auch auf einen positiven Effekt der durch die zusätzlichen Schnelltests zusätzlich identifizierten Infektionen zurückzuführen sein könnte. Die Wissenschaftler berechneten daher, welchen Anteil die durch die zusätzlichen Schnelltests zusätzlich entdeckten Infektionen an den Zahlen für Tübingen und die Kontrollgruppe haben könnten.

Das Ergebnis: Der Unterschied in der 7-Tage-Inzidenz zwischen Tübingen und der Kontrollgruppe verringerte sich zum Beispiel für den 4. April von 46 auf etwa 33 Punkte, wenn die durch die zusätzlichen Tests zusätzlich entdeckten Infektionen berücksichtigt wurden. Insgesamt, sagt Wälde, zeigten die Rechnungen, dass die Zunahme bei der Inzidenz durch das vermehrte Testen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil erklärt werden könne – aber bei weitem nicht vollständig.

Als Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Die Grünen) das Modellprojekt mit dem Inkrafttreten der Bundesnotbremse gezwungenermaßen für beendet erklärte, lag die Inzidenz im Landkreis Tübingen bei 181,5 — und damit wie vielerorts weit über der 100er-Grenze, die strengere Maßnahmen erforderlich macht.

fj/sb