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Studie: Nutriscore ist die verständlichste Lebensmittelkennzeichnung

Drei Gläser mit Limonade neben Zuckerwürfeln

Auf einen Blick Klarheit über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln: Einer neuen Studie zufolge ist der Nutriscore die verständlichste Kennzeichnung für deutsche Verbraucher, wie die Organisation Foodwatch am Mittwoch mitteilte. Die Nahrungsmittelindustrie ist hingegen unverändert gegen eine Einführung der Lebensmittelampel.

Der Nutriscore ist ein fünfstufiger Farbcode von Grün nach Rot, den etwa Frankreich, Belgien und Spanien unterstützen. Dabei werden verschiedene Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker und Fruchtgehalt mit Punkten bewertet und zu einem Score verrechnet. Zusätzlich werden die Lebensmittel mit Buchstaben von A bis E bewertet.

Für die Studie testeten vergangenes Jahr französische und australische Forscher verschiedene Kennzeichnungsschemata an tausend deutschen Verbrauchern. Die Probanden mussten online jeweils verschiedene Kuchen, Pizzen oder Müslis nach ihrem Nährwertgehalt anordnen. Getestet wurden neben dem Nutriscore auch die britischen "Multiple Traffic Lights", das australische "Health Star Rating System", chilenische Warnzeichen und das in der Industrie gebräuchliche GDA-Schema mit der empfohlenen täglichen Höchstmenge.

Der Nutriscore schnitt dabei in jeder Lebensmittelkategorie am besten ab, gefolgt von der britischen Kennzeichnung. Foodwatch kritisierte, obwohl damit inzwischen mehr als 30 wissenschaftliche Studien zum Nutriscore vorlägen, lehne Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) das Modell weiter ab und behaupte, es gebe weiteren Forschungsbedarf.

Nach Angaben von Klöckners Ministerium forschen Wissenschaftler des Max-Rubner-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, derzeit an der Weiterentwicklung eines Modells zur Nährwertkennzeichnung. Wie eine Ministeriumssprecherin erläuterte, wird derzeit ein Bericht unter anderem zu den Stärken und Schwächen bestehender Systeme in verschiedenen Ländern erstellt. "Erste Ergebnisse der Studie zeigen: Jedes Modell hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile", sagte sie.

Die vereinfachte Nährwertkennzeichnung sei ein "zentraler Baustein" von Klöckners Politik. Denn angesichts der Zahlen zu Übergewicht in Deutschland sei ausgewogene Ernährung ein drängendes Thema. 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und bereits 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen leiden demnach an Übergewicht.

Der Hauptgeschäftsführer des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), Christoph Minhoff, erklärte: "Ampelfarben und Buchstaben mögen verständlich sein, aber deren Aussage ist nicht immer die Richtige." Solche Systeme suggerierten, dass ein bestimmtes Produkt gesund oder ungesund ist, erklärte der Industrieverband weiter.

Die Bundesregierung ist bei der Einführung einer Lebensmittelampel auf die Branche angewiesen, weil sie die Unternehmen nach derzeitigem EU-Recht nicht dazu verpflichten kann, diese auch auf ihre Packungen zu drucken.

Der Spitzenkandidat der Grünen für die Europawahl, Sven Giegold, versprach: "Nach der Wahl werden wir als Grüne im Europaparlament einen neuen Anlauf unternehmen, europaweit eine Lebensmittelampel einzuführen".

Die FDP ist gegen eine Reform der Lebensmittelkennzeichnung. "Die Verantwortung für seine Ernährung liegt immer zuerst beim einzelnen Verbraucher", erklärte der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Gero Hocker. "Ob beispielsweise ein Glas Apfelsaft weniger gesund ist als eine mit Süßstoff versehene Cola-Light, sollte der Verbraucher selbstständig kritisch hinterfragen und nicht blindlings einem Bewertungssystem folgen, welches genau dies suggeriert".