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Studie: Klimaneutrale Kraftstoffe sind effizienter als ihr Ruf

·Lesedauer: 3 Min.

Klimaneutralen Kraftstoffen eilt der Ruf voraus, ineffizient zu sein. Eine Studie der Mineralölwirtschaft kommt zu anderen Ergebnissen. Dafür müssten die E-Fuels importiert werden.

Sollten sich synthetische Kraftstoffe durchsetzen, könnte die vorhandene Tankstelleninfrastruktur weiter genutzt werden. Foto: dpa
Sollten sich synthetische Kraftstoffe durchsetzen, könnte die vorhandene Tankstelleninfrastruktur weiter genutzt werden. Foto: dpa

Die Mineralölwirtschaft sucht händeringend nach Möglichkeiten, klimaneutral zu werden. Die Hoffnung der Unternehmen ruht auf synthetischen Kraftstoffen, die auf der Basis von grünem Wasserstoff hergestellt werden.

Diese Kraftstoffe, auch E-Fuels genannt, sind klimaneutral. Doch sie haben einen gravierenden Nachteil: Im Vergleich zum direkten elektrischen Antrieb per Batterie gelten sie als enorm ineffizient.

Grund für diese Ineffizienz sind die verschiedenen Umwandlungsschritte, die zur Herstellung erforderlich sind: Strom aus erneuerbaren Quellen wird zunächst per Elektrolyse in grünen Wasserstoff umgewandelt, aus dem Wasserstoff wird beispielsweise Methanol hergestellt.

Methanol lässt sich sehr gut speichern und transportieren. Aus dem Methanol können im Raffinerieprozess Kraftstoffe – etwa Diesel, Benzin oder Kerosin – hergestellt werden. Auf dem Weg dorthin verpufft jedoch ein großer Teil der Energie. Beim Batterieantrieb hingegen sieht die Bilanz ganz anders aus: Der Ökostrom lädt den Akku und wird zum ganz überwiegenden Teil für den Antrieb genutzt.

Eine Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics für den Mineralölwirtschaftsverband (MWV) und Uniti, den Verband mittelständischer Mineralölunternehmen, kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass man den Effizienzvergleich neu justieren muss. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die mit klimaneutralen Kraftstoffen angetrieben werden, weisen der Studie zufolge eine ähnlich gute Energie-Gesamtbilanz auf wie batteriegetriebene Fahrzeuge.

Ausschlaggebend für dieses Ergebnis ist der Umstand, dass die Studie die extremen Unterschiede von Wind- oder Solaranlagen je nach Standort mit in die Berechnung einbezieht. Konkret heißt das: Eine Solaranlage an einem durchschnittlichen Standort in Deutschland erzeugt nur rund 40 Prozent der Strommenge pro Jahr, die eine vergleichbare Anlage in Nordafrika produziert. Dieser höhere Stromertrag pro Anlage kann über den Import von Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen nach Deutschland im Straßenverkehr genutzt werden.

Für batterieelektrische Fahrzeuge sei man hingegen weitgehend auf die weniger effiziente Stromerzeugung im Inland angewiesen, argumentieren die Autoren der Studie. Dieser Umstand lasse den Effizienzvorteil des batterieelektrischen Antriebs dahinschmelzen.

„Die Studie belegt, dass es bei einer gesamtheitlichen Betrachtung aller relevanten Effizienzkriterien kaum einen Effizienzunterschied zwischen Fahrzeugen mit batterieelektrischem Antrieb und solchen Fahrzeugen gibt, die mit klimafreundlichen strombasierten Kraftstoffen angetrieben werden“, sagte Studienleiter Jens Perner von Frontier Economics am Montag bei der Präsentation der Studie. Grund sei insbesondere die Importfähigkeit von strombasierten Kraftstoffen, die es ermögliche, hochertragreiche Standorte zur Produktion von Wind- und Solarstrom weltweit zu nutzen.

Die Überlegung fußt auf der Annahme, dass in den kommenden Jahren ein Weltmarkt für grünen Wasserstoff entsteht. An den besonders günstigen Standorten in Nordafrika, Australien oder auch Südamerika wird er dann in großen Mengen hergestellt, vor Ort beispielsweise in Methanol umgewandelt und dann per Schiff nach Europa transportiert. Auch ein Pipelinetransport ist grundsätzlich denkbar.

Fossile Brennstoffe ohne Zukunft

Für die Mineralölwirtschaft geht es um viel. Die Unternehmen sind sich darüber bewusst, dass fossile Brennstoffe auf mittlere Sicht aus Gründen des Klimaschutzes keine Zukunft haben. Sie setzen daher auf synthetische Kraftstoffe, die fossile Kraftstoffe sukzessive ersetzen können.

Zu den unbestrittenen Pluspunkten synthetischer Kraftstoffe zählt, dass die bereits vorhandene Tankstelleninfrastruktur weiter genutzt werden kann. Außerdem lassen sich synthetische Kraftstoffe auch im Fahrzeugbestand einsetzen.

Da allein in Deutschland rund 47 Millionen Pkws mit Verbrennungsmotor zugelassen sind, sind die Potenziale auf Jahre hinaus groß. Zudem gibt es Anwendungsfälle, für die aus heutiger Sicht allein E-Fuels in Betracht kommen, etwa im Flug-, Schiffs- und Schwerlaststraßenverkehr.

Regulatorisch sind die synthetischen Kraftstoffe allerdings im Hintertreffen. Batteriegetriebene Fahrzeuge genießen eine Reihe von Vorteilen, die sie aus Käufer- und Herstellersicht besonders attraktiv machen. So gibt es Kaufprämien für E-Autos, außerdem werden sie bei der Berechnung der CO2-Flottengrenzwerte als Null-Emissions-Fahrzeuge bewertet.