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Studie: Corona-Krise befördert Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)

Die Corona-Krise hat einer Studie zufolge zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf geführt. In jedem zweiten von 750 befragten Unternehmen wurden familienbewusste Maßnahmen neu eingeführt oder erweitert, wie eine am Freitag veröffentlichte Prognos-Studie für das Bundesfamilienministeriums ergab. Ministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte: "Vieles von dem, was in der Pandemie plötzlich möglich war – flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice und innovative Schichtmodelle – hat Potenzial für die Zukunft."

Zu den neuen oder erweiterten Regelungen gehören der Studie zufolge individuell vereinbarte Arbeitszeiten, flexible Tages- und Wochenarbeitszeiten sowie Heim- und Telearbeit. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will Maßnahmen wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten auch nach der Krise weiterverfolgen, wie die Erhebung des Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos weiter ergab.

82 Prozent der Unternehmen gaben an, dass Kinderbetreuung ein zentraler Faktor für die Produktivität ihres Unternehmens sei, teilte Prognos weiter mit. "Von den befragten Eltern haben drei Viertel gesagt, dass ihnen nach einem Gespräch mit ihrem Arbeitgeber auch wirklich geholfen wurde", betonte Prognos-Projektleiter David Juncke.

Ein weiteres Ergebnis der Studie sei, dass Väter in der Krise mit anpacken. Ein großer Teil von ihnen habe mit den Arbeitgebern vereinbart, dass sie ihre Arbeitszeiten oder ihren Arbeitsort verändern, um sich um die Kinder kümmern zu können. Die Mehrheit der Unternehmen unterstütze auch in der Krise eine aktive Vaterschaft und spreche sich "gegen eine Retraditionalisierung der Elternrollen" aus.

"Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass in den Unternehmen eine aktivere Kommunikationskultur entstanden ist", sagte Juncke. "Über das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird nun viel häufiger und offener gesprochen."

Laut Prognos wurden 750 Personalverantwortliche beziehungsweise Geschäftsführungen von Unternehmen mit mindestens zehn Mitarbeitern in Deutschland befragt. Ergänzend befragte das Allensbach-Institut demnach 1493 Väter und Mütter mit Kindern unter 15 Jahren.

Giffey sagte beim Unternehmenstag "Erfolgsfaktor Familie" in Berlin, Kita- und Schulschließungen sowie der pandemiebedingte Anstieg des mobilen Arbeitens hätten eine neue Dynamik beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Gang gesetzt. "Die Erfahrungen zeigen, dass Unternehmen mit einer familienorientierten Unternehmenskultur besser für die Herausforderungen der Corona-Krise und für die Zukunft gewappnet sind", ergänzte die Ministerin.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Eric Schweitzer, betonte, eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei "enorm wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland". "Wenn die Betreuung nicht funktioniert, geraten Unternehmen und ihre Beschäftigten unter immensen Druck." Dies habe die Corona-Pandemie erneut gezeigt. Viele Betriebe hätten daher die Familienorientierung bereits systematisch in ihre Unternehmensprozesse aufgenommen.

cha/cfm