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Streit um Migranten in Süditalien spitzt sich zu

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ROM (dpa-AFX) - In Italien eskaliert der Streit zwischen Sizilien und der Regierung in Rom über den Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten - und könnte vor Gericht landen. Anlass ist die Anordnung des Regionalpräsidenten, Nello Musumeci, die Aufnahmezentren der Insel zu räumen, die Menschen an andere Orte zu schicken und keine Bootsmigranten mehr aufzunehmen. Rom bestreitet, dass solche Maßnahmen in seine Kompetenz fallen. Der konservative Politiker argumentiert dagegen mit dem Gesundheitsschutz. Die Camps seien überfüllt und angesichts von Corona-Fällen unter Migranten nicht sicher genug. "Sizilien zu schützen ist meine Aufgabe als Präsident", schrieb er am Mittwoch auf Facebook <US30303M1027>.

Der für Süditalien zuständige Minister Giuseppe Provenzano kündigte auf Sizilien an, dass die Regierung höchstwahrscheinlich ein Gericht anrufen werde: "Dann wird die Justiz entscheiden." Musumeci sprach in einem TV-Interview ebenfalls über juristische Schritte.

Rom hat eingeräumt, dass die Lage in überfüllten Hotspots heikel ist. Die Regierung schickte ein weiteres Quarantäne-Schiff, die "Azzurra", nach Lampedusa, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Dort liege schon die "Aurelia", auf die rund 270 Menschen kommen sollten. Zugleich rief die Regierung zum gemeinsamen Vorgehen auf. Italiens Rechtsaußen-Opposition, die Lega von Matteo Salvini und die Fratelli d'Italia von Giorgia Meloni, lobten Musumeci.

Nach Angaben des Innenministeriums kamen 2020 mehr als 17 500 Migranten nach Italien. Im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum nur 4862 Menschen gewesen. Besonders die Zahl der Bootsmigranten aus Tunesien ist im Sommer hochgeschnellt.