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Streit um Gift im Lachs: Aldi steht in den USA vor Gericht — es drohen Millionen Dollar an Schadensersatz

·Lesedauer: 4 Min.

Jessica Rawson lebt in der 30.000-Seelen Stadt Cicero im Bundesstaat New York und kauft seit vier Jahren im einzigen Aldi-Supermarkt an der Highway 31 ein. Im Vergleich zum Marktführer Walmart punktet Aldi auch in den USA mit den niedrigsten Preisen, es ist außerdem der einzige Auslandsmarkt, auf dem sowohl Aldi Süd als auch Aldi Nord vertreten sind. Außerdem wurde Aldi in mehreren Rankings zur nachhaltigsten Supermarkt-Kette in den USA gekürt, basierend auf der Nutzung von Plastikverpackungen und des Angebotes von nachhaltigen Produkten. Letzteres war für Jessica Rawson schon immer wichtig.

Doch beim Discounter erlebte sie aus ihrer Sicht eine wahre Enttäuschung. Denn das Aldi-Lachsfilet, das der Discounter als "Simple. Sustainable. Seafood” beworben hatte und welches Rawson mindestens einmal im Monat kaufte, sei keinesfalls gesund oder nachhaltig. Im März 2021 schrieb sie einen Brief an Aldi US und konfrontierte das Unternehmen mit den Vorwürfen. Weil Aldi bis heute nicht reagierte, schaltete Rawson Anwälte ein.

Nun steht Aldi vor Gericht im Bundesstaat Illionis, wo der deutsche Discounter seine US-Zentrale betreibt. Denn Jessica Rawson gab nicht so einfach auf: Ihre Anwälte reichten im Mai 2021 eine Massenklage mit dem Vorwurf der irreführenden Werbung gegen das Unternehmen ein. Die Klägerin behauptet, unter anderem, dass das nachhaltige Aldi-Lachsfilet die Chemikalie Ethoxyquin enthält, ein Pflanzenschutzmittel, das in der EU seit einem Jahr im Fischfutter verboten ist und das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Außerdem soll der besagte Fisch industriell gezüchtet worden sein mit umweltschädlichen Methoden. Der Fall wirft ein Licht auf das Versprechen der Nachhaltigkeit des Discounters. Denn auch in Deutschland wurde der krebserregende Stoff im Bio-Lachs nachgewiesen.

Hätte Jessica Rawson gewusst, dass das als Nachhaltig beworbene Lachsfilet von Aldi nicht besser ist, als herkömmliche Produkte, hätte sie dafür den höheren Preis nicht bezahlt. Oder sie hätte das Lachsfilet vier Jahre lang gar nicht gekauft. Denn wie die meisten Verbraucher auch, erwartet sie, dass Produkte, die Nachhaltigkeit versprechen, unter hohen Umwelt- und Tierwohlstandards hergestellt werden. Die US-Behörden warnten sogar Unternehmen vor der Verwendung des Begriffs “Nachhaltig”, weil die Hersteller die Behauptung meistens nur schwer vollständig nachweisen können.

Das Aldi-Lachsfilet in den USA wird als frisch und nachhaltig gekennzeichnet.
Das Aldi-Lachsfilet in den USA wird als frisch und nachhaltig gekennzeichnet.

Labortests wiesen einen toxischen Stoff nach

Aldi Süd betreibt in den USA über 2000 Standorte in 36 Bundesstaaten, Produkte wie der „Atlantic Salmon“ erreichen Millionen von Menschen. Umso relevanter wurde für Rawson und ihre Anwälte die Frage, woher eigentlich das Lachsfilet kommt. Sie ließen Labortests durchführen und ermittelten die Lieferkette von Aldi USA. Wenn die Vorwürfe der Massenklage stimmen, kommt der atlantische Lachs keineswegs aus einer nachhaltigen Züchtung.

Rawson behauptet, der Lachs von Aldi würde zumindest zum Teil aus industrieller Züchtung aus Chile stammen. Die Farmen in Chile gerieten immer wieder in die Schlagzeilen, weil die dortige Art von Züchtung wegen Sorgen vor Umweltschäden in den USA verboten ist. Die Klägerin bezieht sich auf die Bewertung von Seafood Watch, einer der bekanntesten globalen Berater für nachhaltige Meeresfrüchte. „Die hohen Mengen von Antibiotika und Pestiziden, die für die Bekämpfung von Krankheiten und Parasiten, wie Seeläuse, angewendet werden, bereiten die größten Sorgen,“ schrieb Seafood Watch über den Lachs aus Chile.

Labortests, die die Anwälte von Rawson durchführen ließen, wiesen einen giftigen Stoff im Lachsfilet nach. Es geht um Ethoxyquin, ein Pflanzenschutzmittel, der auch hierzulande bekannt ist und der laut Studien im Verdacht steht krebserregend zu sein. Analysen des Ökotest-Magazins ergaben, dass zwei Bio-Lachsprodukte auf dem deutschen Markt 2018 zu den meistbelasteten gehörten. Eine frühere Untersuchung von Greenpeace Deutschland ergab, dass auch Lachs aus norwegischen Aquakulturen, der bei Aldi Süd erhältlich ist, belastet war.

Aldis Versprechen von Nachhaltigkeit sei falsch und irreführend

Rawson fand die Angaben von Aldi über die Nachhaltigkeit falsch und irreführend. Sie behauptet, dass Aldi wusste oder hätte wissen müssen, dass die Produkte irreführend gekennzeichnet und vermarktet wurden. Weil viele Verbraucher bereit sind, für nachhaltige Produkte mehr zu bezahlen, hätte sich Aldi durch die irreführende Kennzeichnung unrechtmäßig bereichert. Für jedes verkaufte Lachsfilet mit der Kennzeichnung ”Simple. Sustainable. Seafood“ soll Aldi bis zu 500 US-Dollar (428 Euro) den Kunden als Schadensersatz zahlen, fordert die Klägerin. Sammeln sich mindestens hundert Kläger gegen Aldi, erreicht laut Gerichtsunterlagen die Klage gegen Aldi US den Streitwert von 5 Millionen US-Dollar (4,28 Millionen Euro).

Aldi US hat bisher auf die Vorwürfe weder vor Gericht noch auf unsere Anfragen reagiert. Die Anwälte des Unternehmens baten um mehr Zeit beim Richter und hatten vor, die Klage abzuweisen. Wenn sich die US-Tochter des Discounters mit der Klägerin nicht einigen kann, muss Aldi US bis spätestens Oktober auf die Vorwürfe vor dem Gericht reagieren.

Rawson hofft, dass das Gericht Aldi die falsche Produktwerbung untersagt. Sie findet, dass jeder Kunde, der bei Aldi das nachhaltige Lachsfilet kaufte, eigentlich ein anderes Produkt erhielt - und somit betrogen wurde.

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