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Streaming-Serie "The Man Who Fell To Earth": Die Marvelisierung David Bowies

Der Oscar-nominierte britische Schauspieler Chiwetel Ejiofor ("12 Years A Slave") wandelt in der Serienadaption des Kultfilms "The Man Who Fell To Earth" auf den Spuren seines Landsmannes David Bowie: Er ist ein Alien namens Faraday, der unerkannt auf der Erde wandelt - und dort mit seiner "Vermenschlichung" zu kämpfen hat. (Bild: Paramount)
Der Oscar-nominierte britische Schauspieler Chiwetel Ejiofor ("12 Years A Slave") wandelt in der Serienadaption des Kultfilms "The Man Who Fell To Earth" auf den Spuren seines Landsmannes David Bowie: Er ist ein Alien namens Faraday, der unerkannt auf der Erde wandelt - und dort mit seiner "Vermenschlichung" zu kämpfen hat. (Bild: Paramount)

Nicolas Roegs Science Fiction-Film "Der Mann, der vom Himmel fiel" mit David Bowie gilt als melancholisch verstörendes Meisterwerk über das Destruktive im Menschen. Die starbesetzte Serien-Neuauflage (ab 14.12., Paramount+) greift die alten Motive auf, ist aber das Gegenteil von "retro".

Der britische Regisseur und Kameramann Nicolas Roeg, 2018 mit 90 Jahren in London verstorben, gilt als großer Visionär des 70er-Jahre-Kinos. Fast jeder, der sich für Filmkunst interessiert, hat seinen berühmten Gruselfilm "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) gesehen. Dicht dahinter in den Kult-Charts des Arthaus-Kinos reiht sich sein drei Jahre später entstandener Science-Fiction-Film "The Man Who Fell To Earth" ein. Der ist nach dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Autors Walter Tevis entstanden, der übrigens auch "Das Damengambit" geschrieben hat. "The Man Who Fell To Earth" zeigte 1976 David Bowie in seiner ersten Film-Hauptrolle. Der Rockstar spielte den hochintelligenten, aber emotional naiven Alien Thomas Jerome Newton, der in New Mexico landet, weil er auf der Erde Wasser und damit Rettung für seinen darbenden Planeten sucht.

Newton, der eigentlich ein echsenhaft humanoides Äußeres hat, tarnt sich als Mensch und meldet dank seiner technologischen Überlegenheit diverse Patente an, die ihn zu einem der reichsten Männer der Welt machen. Sein Konzern "World Enterprises", damals schon eine frühe Allegorie auf die Lebenswege von "Aliens" wie Elon Musk, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg, soll dazu dienen, Geld für ein Weltraumprogramm zu erwirtschaften, das Newtons Planeten Rettung bringen soll. Ab 14. Dezember zeigt der neue Streaming-Anbieter Paramount+ nun die zehnteilige Neu-Adaption des Stoffes: mit Stars wie Chiwetel Ejiofor, Naomie Harris und Bill Nighy. Jeden Mittwoch gibt es eine neue Doppelfolge.

Naomie Harris (links) spielt in der Serie die Wissenschaftlerin Justin Falls, die zur Verbündeten des "neuen" Aliens Faraday wird. Annelle Olaleye verkörpert ihre kleine Tochter. (Bild: Paramount)
Naomie Harris (links) spielt in der Serie die Wissenschaftlerin Justin Falls, die zur Verbündeten des "neuen" Aliens Faraday wird. Annelle Olaleye verkörpert ihre kleine Tochter. (Bild: Paramount)

Ein Alien, der im Luxus verrottete

Im Kultfilm von 1976 scheitert der Plan des Aliens im Laufe der Jahre an seiner Vermenschlichung: Alkohol, Sex und Geschäftemacherei korrumpieren den "edlen Wilden", der von einem Planeten der Vernunft kommt, auf dem übrigens auch kein Geld existiert. Um den Schmerz über das Getrenntsein von Frau und Kindern zu kompensieren, wird Newton zu einer alkoholabhängigen leeren Hülle, die im Luxus verkommt und dessen Körper immer mehr von Ärzten und "Forschern" verstümmelt wird.

Mit der zutiefst kulturpessimistischen Erzählung ließe sich auf dem heutigen Serienmarkt wohl kein Blumentopf gewinnen, weshalb das Serien-Reboot nun einen anderen erzählerischen Ansatz pflegt: Während Newton (verkörpert vom britischen Charakterkopf Bill Nighy) 40 Jahre später immer noch als zynischer Alien auf der Erde wandelt, wird ein neuer Artgenosse namens Faraday, gespielt von Chiwetel Ejiofor ("12 Years A Slave"), auf unseren Planeten geschickt, um mithilfe der desillusionierten Wissenschaftlerin Justin Falls (Naomie Harris) die Rettungsmission wiederaufzunehmen.

Faraday (Chiwetel Ejiofor, dritter von links) zeigt den Menschen, wo der technologische Hammer hängt. (Bild: Paramount)
Faraday (Chiwetel Ejiofor, dritter von links) zeigt den Menschen, wo der technologische Hammer hängt. (Bild: Paramount)

Vom verstörenden Kultfilm zur Actionserie

Für die Macher der Serie, Jenny Lumet (Drehbuch, Idee) und den durch Star Trek-Franchises und andere Action-Spektakel wie "Spider Man" oder "Die Mumie" gestählten Regisseur und Autoren Alex Kurtzman, muss es ein ziemlicher Spagat gewesen sein, den bereits in den 70-ern an der Kinokasse nicht besonders erfolgreichen Stoff in ein Serienkonzept zu verwandeln, das zum Erfolg werden könnte. Die Paramount-Serie versucht dies - zu Beginn - mit Marvel-artig wuchtiger Optik: Was das neue Alien - von Chiwetel Ejiofor mitunter an der Grenze zur "Weirdo"-Parodie gespielt - so kann, verblüfft die Menschen und lässt auch Augen und Münder von klassischen Actionserien-Fans weit offen stehen. Erst mit der Zeit kommt etwas Tiefe in die Materie: Dann werden auch hier zeit- und zivilisationskritische Themen in die atemlose Handlung eingewoben, denn eines ist klar: Einen superreichen Alien, der seltsame Dinge tut und kann, hinter dem sind natürlich CIA, FBI und noch ein paar andere Gruppierungen her, die exemplarisch für das Misstrauen des Menschen stehen.

Von Nicolas Roegs 70er-Jahre-Film erzählt man sich, dass David Bowie während der Dreharbeiten so stark auf Koks gewesen sei, dass er den daueralkoholisierten, traurigen Alien gar nicht mehr spielen, sondern einfach nur er selbst sein musste. Unabhängig davon, ob diese von Bowie übrigens selbst in die Welt gesetzte Herleitung seiner beeindruckenden Aura in dem Film stimmt: Der Film von 1976 - unter anderem zu sehen über den bei Amazon zubuchbaren "Arthaus-Channel" - bleibt eines der erratischen Meisterwerke der Sci-Fi-Kultur: expressiv, verstörend und zutiefst traurig.

Paramounts Serienversion, die übrigens nicht für eine zweite Staffel verlängert wurde, ist hingegen das, was man heute aus dem "Patent" eines Kultfilms so macht: eine durchkalkulierte Serien-Glitzerwelt, die zwar geschickt mit den Themen des Originals umgeht und sie "heutig" weiterführt, der aber trotz der starken Besetzung auch ein wenig das Besondere fehlt.

Justin Falls (Naomie Watts) staunt über die "Rechenkünste" ihres neuen Alienfreundes Faraday. (Bild: Paramount)
Justin Falls (Naomie Watts) staunt über die "Rechenkünste" ihres neuen Alienfreundes Faraday. (Bild: Paramount)