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Straumann, Align Technologies und SmileDirectClub kämpfen um diesen schnell wachsenden Milliarden-Markt

Sven Vogel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ein strahlend weißes Lächeln ist heute Teil des weltweiten Schönheitsideals. Wem dies von der Gen-Glücksfee nicht in die Wiege gelegt wurde, der kann mittlerweile auf vielfältige Art und Weise nachhelfen. Immer öfter kommen dabei heute herausnehmbare und transparente Aligner zum Einsatz.

Weltweit werden damit im Jahr 2018 schon 2,2 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Das ist aber erst der Anfang. In den kommenden Jahren soll dieser Markt jährlich um mehr als 25 % zulegen. Großartige Chancen, denen mehr als eine Handvoll Unternehmen nachjagen. Lasst uns heute einmal auf drei dieser Glücksritter blicken, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Align Technologies (WKN:590375), SmileDirectClub (WKN:A2PRCJ) und Straumann (WKN:914326).

Align Technologies: Pionier und Wegbereiter

Namensgeber der Clear Aligner, wie die transparenten und herausnehmbaren Zahnschienen auch genannt werden, war das US-Unternehmen Align Technologies. Bereits im Jahr 2000 begann man damit, die transparenten Aligner zu verkaufen, und schuf damit quasi diesen heute 2,2 Mrd. US-Dollar großen Markt. Die Zielgruppe waren dabei zunächst Erwachsene, die mit ihrem Lächeln unzufrieden waren und bei denen nur kleinere Fehlstellungen behoben werden mussten. Mit der Zeit wurden aber immer kompliziertere Anwendungsfälle möglich und die Zielgruppe wurde auf Kinder und Jugendliche erweitert.

Im Jahr 2018 erzielte Align mit seinen Clear Alignern einen Umsatz von 1,7 Mrd. US-Dollar und erreichte bei einem Marktvolumen von 2,2 Mrd. US-Dollar einen Marktanteil von wahnsinnigen 77 %. Weitere knapp 300 Mio. US-Dollar wurden mit Mundraum-Scannern erzielt, die bei der Behandlung mit Clear Alignern benötigt werden.

Unterm Strich blieb 2018 von den rund 2 Mrd. US-Dollar an Umsätzen ein Gewinn von erstaunlichen 400 Mio. US-Dollar über. Eine Nettogewinnmarge von 20 % und der Lohn für die geleistete Pionierarbeit. Diese verlockenden Gewinnmargen und die kürzlich ausgelaufenen Patente ziehen nun aber viele ambitionierte Wettbewerber an.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2019 konnte dennoch ein Umsatzwachstum von 23 % erzielt werden. Allerdings drückt der steigende Wettbewerb auf die Gewinnmargen. Diese betrug in diesem Jahr bisher 18,3 %, während in den ersten neun Monaten des letzten Jahres noch eine Nettogewinnmarge von 21 % eingesackt werden konnte – und das obwohl in diesem Jahr eine Ausgleichszahlung die Gewinne um einmalig 51 Mio. US-Dollar erhöhte. Diese Entwicklung dürfte sich wohl noch verschärfen. Denn kürzlich kündigte Align Technologies in einer großen Marketing-Offensive das Sponsoring gleich mehrerer Teams in den US-Profiligen für Fußball, Basketball, Football und Eishockey an.

Die Finanzmärkte scheinen dem Platzhirsch trotz der aufkommenden Konkurrenz einiges zuzutrauen. Das zeigt die heutige Marktkapitalisierung von rund 21 Mrd. US-Dollar bei einem prognostizierten Jahresumsatz von 2,4 Mrd. US-Dollar.

SmileDirectClub: Aggressiver Herausforderer

Einer der präsentesten Konkurrenten ist derzeit wohl SmileDirectClub. Das Unternehmen ist zwar erst seit September an der Börse, hat seitdem allerdings schon für einiges an Aufregung gesorgt. Für all diejenigen, die sich gleich zum Börsengang Unternehmensanteile zugelegt haben, verlief diese Aufregung leider sehr schmerzhaft. Am ersten Handelstag rauschte der Aktienkurs vom Ausgabepreis von 23 US-Dollar um 28 % in die Tiefe. Seitdem halbierte sich der Aktienkurs noch einmal auf nur noch 8,60 US-Dollar (alle Kursangaben zum 15.11.2019).

Dabei versprach der Börsenprospekt so einiges. Ein einzigartiges Geschäftsmodell (das einzige Medizintechnikunternehmen mit direktem Kundenzugang durch über 300 SmileShops), einen riesigen und schnell wachsenden Markt (die 2,2 Mrd. US-Dollar wurden schon erwähnt) und einen deutlichen Kostenvorteil von bis zu 60 % gegenüber alternativen Angeboten.

Wie teuer dieser direkte Kundenzugang aber ist, zeigte sich beim allerersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen. Den Umsätzen von 169 Mio. US-Dollar standen 130 Mio. US-Dollar an Marketing- und Vertriebsaufwendungen gegenüber. Dafür wuchs der Quartalsumsatz im Jahresvergleich aber auch um beinahe 51 %. Übrigens musste Align Technologies – ehemals auch Anteilseigner von SmileDirectClub – nach einer juristischen Auseinandersetzung mit SmileDirect seine Invisalign-Ladengeschäfte schließen und sich bis zum Jahr 2022 verpflichten, keine direkten Konkurrenzangebote aufzubauen.

Für das Jahr 2019 plant SmileDirectClub nun einen Umsatz von bis zu 755 Mio. US-Dollar und ein angepasstes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von bis zu minus 80 Mio. US-Dollar. Es dürfte also noch etwas Zeit vergehen, bis nach Abzug aller Kosten tatsächlich ein Gewinn geschrieben werden kann.

Dafür ist das Unternehmen mit einer heutigen Marktkapitalisierung von beinahe 3,3 Mrd. US-Dollar auch deutlich günstiger zu haben als Align Technologies – zumindest dann, wenn man das Kurs-Umsatz-Verhältnis der beiden Unternehmen vergleicht.

Straumann: Das Establishment

Waren die ersten beiden Unternehmen sogenannte „Pure-Player“ wenn es um transparente Aligner geht, ist Straumann sozusagen der Allrounder aus dem Establishment der Zahnmedizin. Das Brot- und Buttergeschäft der Schweizer sind noch immer Zahnimplantate. In den letzten Jahren wurde der adressierbare Markt aber ständig erweitert. Unter anderem eben auch um das Geschäft mit den transparenten Alignern. Startschuss dafür war der Kauf des US-Unternehmens ClearCorrect.

Die parallele zu SmileDirectClub ist dabei eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Platzhirsch Align Technologies. Dabei ging es um Patentverletzungen von ClearCorrect, die vor der Übernahme durch Straumann begangen wurden. Man einigte sich darauf, die Auseinandersetzung gegen eine Strafzahlung von 35 Mio. US-Dollar beizulegen. Eine weitere Vereinbarung sah vor, dass Straumann 5.000 iTero-Mundraum-Scanner von Align Technologies in Zahnarztpraxen bringen soll. Gegen die Zahlung von weiteren 16 Mio. US-Dollar kaufte sich Straumann von dieser Vereinbarung frei. Diese 51 Mio. US-Dollar sind übrigens exakt die gleichen, die bei Align Technologies das Ergebnis der ersten neun Monate versüßten.

Noch ist das Geschäft mit transparenten Zahnspangen ein sehr kleiner Teil des Unternehmensumsatzes von rund 1,2 Mrd. US-Dollar in den ersten neun Monaten. Das Geschäft wächst aber trotz Produktionsproblemen rasant. Im dritten Quartal stieg die Anzahl der neu begonnenen Behandlungen in Nordamerika um 60 %. Im Laufe des nächsten Jahres soll durch die Erweiterung der Produktionskapazitäten das Wachstum weltweit weiter ausgebaut werden. Dabei helfen sicherlich die seit Jahren aufgebauten Kontakte zu Zahnmedizinern rund um den Globus.

Auch wenn Straumann noch in vielen anderen Märkten unterwegs ist, die deutlich langsamer wachsen als das Clear-Aligner-Geschäft, müssen sich die Schweizer nicht vor der US-Konkurrenz verstecken. In den ersten neun Monaten legte der Umsatz des gesamten Unternehmens rein organisch um 17 % zu. Auch die Nettogewinnmarge von beinahe 22 % im ersten Halbjahr 2019 ist ausgezeichnet.

Diese Qualität spiegelt sich natürlich auch in der Bewertung wider. Für das Gesamtjahr 2019 kann man einen Umsatz in der Größenordnung von 1,6 Mrd. Schweizer Franken erwarten. Die Marktkapitalisierung beträgt mit derzeit 14,2 Mrd. Schweizer Franken also das 8,8-Fache dieses Umsatzes. Zumindest bei der Börsenbewertung spielt Straumann also bereits in einer Liga mit Align Technologies. Beim Clear-Aligner-Geschäft wird das trotz des erfreulichen Starts der Schweizer hingegen sicherlich noch einige Jahre oder gar Jahrzehnte dauern.

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Sven besitzt Aktien von Straumann. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Align Technologies und empfiehlt Aktien von Straumann. 

Motley Fool Deutschland 2019