Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    15.531,75
    -112,22 (-0,72%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.158,51
    -36,41 (-0,87%)
     
  • Dow Jones 30

    34.779,99
    +15,17 (+0,04%)
     
  • Gold

    1.746,70
    -3,10 (-0,18%)
     
  • EUR/USD

    1,1719
    -0,0028 (-0,23%)
     
  • BTC-EUR

    36.117,82
    -2.369,76 (-6,16%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.054,14
    -48,92 (-4,44%)
     
  • Öl (Brent)

    73,93
    +0,63 (+0,86%)
     
  • MDAX

    35.282,54
    -200,95 (-0,57%)
     
  • TecDAX

    3.901,55
    -50,21 (-1,27%)
     
  • SDAX

    16.836,46
    -171,25 (-1,01%)
     
  • Nikkei 225

    30.248,81
    +609,41 (+2,06%)
     
  • FTSE 100

    7.051,48
    -26,87 (-0,38%)
     
  • CAC 40

    6.638,46
    -63,52 (-0,95%)
     
  • Nasdaq Compositive

    15.021,84
    -30,41 (-0,20%)
     

Strafanzeige gegen Granini-Chef: Fruchtsaft-Imperium soll Vermögen vor einer Zwangsvollstreckung verstecken

·Lesedauer: 6 Min.

Axel Hartmann führt einen juristischen Krieg gegen Granini. Dabei geht es um Geld, viel Geld. Bereits vor zwei Jahren sprach ein Schiedsgericht in Moskau dem Unternehmer eine Schadensersatzforderung in Höhe von rund 60 Millionen Euro zu. Doch bislang hat sich das Saft-Imperium der deutschen Milliardärsfamilie Eckes-Chantré geweigert, nur einen Cent an seinen ehemaligen Geschäftspartner zu bezahlen.

Nach Informationen von Business Insider bearbeitet die Staatsanwaltschaft Mainz nun eine Anzeige von Hartmann gegen Granini-Chef Tim Berger unter dem Aktenzeichen 3500 JS 20884/21. Demnach soll die Unternehmensführung zahlreiche Vermögenswerte beiseite geschafft haben, um Zwangsvollstreckungsmaßnahmen von Hartmann zu vereiteln. Es ist das nächste Kapitel in einem Wirtschaftskrimi, der die Justiz schon in halb Europa beschäftigt.

Fast 20 Jahre ist es her, da galt Hartmann in der Eckes-Granini-Zentrale in Nieder-Olm noch als Hoffnungsträger. Der Vertriebsprofi, der den Russen zuvor Nestlé-Produkte und Ehrmann-Joghurt schmackhaft gemacht hatte, sollte das riesige Land künftig mit Fruchtsaft fluten. Dafür investierte Hartmann sein Geld in eine Abfüllproduktion, schloss exklusive Kooperationsverträge nach deutschem Recht mit der russischen Tochterfirma Granini Eckes Rus.

Beide Seiten versprachen sich ein Riesengeschäft. Und danach sah es auch zunächst aus. In einem Bericht aus dem Jahr 2007 heißt es: "Insgesamt verkaufe die Eckes-Granini Group 978 Mio. Liter fruchthaltige Getränke, was einem Zuwachs von 9 Prozent entspricht. Die größten Erlöszuwächse wiesen die Landesgesellschaen Deutschland auf (plus 12,9 Prozent bzw. 32,5 Mio. Euro) Finnland (plus 19), Frankreich (plus 10) und Russland (plus 86), wo inzwischen eine kritische Masse erreicht worden ist."

Doch trotz Saft-Boom in Russland kam es kurz darauf zum Bruch der Zusammenarbeit. Laut Hartmann zahlte Granini plötzlich Rechnungen in Millionenhöhe nicht mehr, warf ihm Schlechtleistung vor, schickte Abmahnungen und versuchte mit allen Mitteln eine Vertragsauflösung zu erzwingen. Angeblich um das Vertriebsgeschäft selbst in die Hand zu nehmen. Dafür habe Granini sogar die russische Tochterfirma, den direkten Vertragspartner von Hartmann, liquidiert. "Sie ließen mich damals am langen Arm verhungern", sagt Hartmann heute. Ein Granini-Sprecher erklärt dagegen: "Die gegen Eckes-Granini erhobenen Vorwürfe sind ausnahmslos unbegründet. Wir haben im Jahr 2008 einvernehmlich und vertragsmäßig die Zusammenarbeit mit dem damaligen Geschäftspartner in Russland beendet sowie unsere Tätigkeit auf dem russischen Markt eingestellt."

Hartmann, dessen Unternehmen nach der Auseinandersetzung in die Insolvenz rutschten, klagte 2016 vor dem Handelsschiedsgericht der Handels- und Industriekammer Moskau auf eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 68,2 Millionen Euro. Nach fast dreijähriger Verhandlung gab das Schiedsgericht Hartmann recht, sprach ihm eine Summe von 49 Millionen Euro plus Zinsen und Anwaltskosten zu. Der Gesamtbetrag entspricht fast einem Jahresgewinn der Eckes-Granini Group.

In der Begründung des Schiedsspruchs heißt es, dass die Liquidation der russischen Granini-Tochterfirma nicht den Rechtsnormen entsprach. Bei der Entscheidung, die in Deutschland getroffen wurde, sei es darum gegangen, möglichst viel Geld aus dem Unternehmen zu ziehen, auch wenn dadurch der deutsche Geschäftspartner "auf rechtswidrige und vorsätzliche Art geschädigt wurde". Rechnungen von Hartmann seien nicht bezahlt worden, um ihn in die Pleite zu treiben.

Ein Willkürentscheidung, behauptet Granini. Bei dem Urteil in Russland seien rechtsstaatliche Grundsätze verletzt worden. "Dass der Schiedsspruch von den ordentlichen Gerichten in Russland bestätigt wurde, ändert daran nichts", sagt ein Granini-Sprecher. Renommierte Gutachter hätten im Auftrag des Saft-Herstellers den Schiedsspruch untersucht und eklatante Verstöße festgestellt. "Vorstand und Aufsichtsrat von Eckes-Granini haben in Abstimmung mit den Aktionären deshalb entschieden, dem Schiedsspruch der Moskauer Handelskammer nicht nachzukommen."

Weil Granini nicht freiwillig zahlen will, versucht Hartmann seine zugesprochenen Millionen nun einzutreiben. In zahlreichen europäischen Ländern hat er Vollstreckungsmaßnahmen gegen Granini-Unternehmen eingeleitet. Laut der nun erfolgten Strafanzeige soll das Management aber Vermögenswerte in letzter Sekunde beiseite geschafft haben, um eine Zwangsvollsteckung ins Leere laufen zu lassen.

Konkret geht es dabei um eine Beteiligung der Eckes-Granini International GmbH in Ungarn – die Sió ECKES Kft. – gegen die Hartmann mit Hilfe des russischen Schiedsspruchs einen Vollstreckungsbescheid beim zuständigen Landgericht Kaposvár erwirkte. Nachdem das Oberlandesgericht Pécs eine Berufung von Granini abschmetterte, wurde Hartmann Anfang Juni 2021 ein Vollstreckungsblatt gegen die Schuldnerin Eckes Granini International GmbH ausgestellt. Jedoch gab es zu dem Zeitpunkt nichts mehr zu pfänden.

Wie die Anwälte des Gläubigers rekonstruieren konnten, hatte Granini die Beteiligung an der ungarischen Sió ECKES Kft. wenige Tage zuvor von der Eckes Granini International GmbH in die Eckes Granini International Beteiligungs GmbH verschoben. Gegen diese Holding lag jedoch kein Vollstreckungstitel vor. In der Strafanzeige heißt es dazu: "Effekt der Transaktion war, wie von den Beschuldigten beabsichtigt, dass die Beteiligung an der Sió ECKES Kft., in die aufgrund des ausgestellten Vollstreckungsblattes unmittelbar hätte vollstreckt werden können und deren Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer jedenfalls weitgehenden Befriedigung des Anzeigeerstatters geführt hätte, dem Vollstreckungszugriff entzogen wurde."

Überraschend war diese Verlagerung aber offensichtlich nicht. Wie aus der Anwaltskorrespondenz der beiden Streitparteien hervorgeht, kündigte Granini bereits an, Vorsorge gegen jegliche Vollstreckungsversuche zu treffen. "Ihr Mandant wird in keinem Land mit Vollstreckungsversuchen erfolgreich sein", schrieben die Granini-Juristen bereits im vergangenen Jahr.

Mittlerweile ist es Hartmann gelungen, in der Schweiz, in Belgien und in Frankreich Vermögenswerte – darunter zahlreiche Markenrechte – von Granini festzusetzen. Ein Unternehmenssprecher: "Das bedeutet jedoch nicht, dass die Gerichte in diesen Ländern die Vollstreckung in Gesellschaftsvermögen von Eckes-Granini letztlich zulassen werden." Wie Business Insider erfuhr, wird beispielsweise in Frankreich mit einer Entscheidung in den kommenden Wochen gerechnet. Dazu sagt ein Granini-Sprecher: "Es sprechen aus unserer Sicht zwingende Gründe dafür, dass der Schiedsspruch der Moskauer Handelskammer einer Überprüfung nicht standhalten wird."

Sollte das Gericht einer Vollstreckung aber zustimmen, käme es dem Vernehmen nach zu einer Versteigerung der dortigen Vermögenswerte, aus deren Erlös die Forderungen von Hartmann bezahlt werden würden. Aus Branchenkreisen heißt es, dass es bereits namenhafte Unternehmen gibt, die an einer Übernahme des Granini-Geschäfts in Frankreich interessiert wären. So habe bereits der US-Getränkegigant The Coca-Cola Company ein Interesse gezeigt.

Mit einer Armee aus Anwälten, Beratern und Gutachtern versucht Granini eine ähnliche Situation in Deutschland offenbar zu verhindern. Bereits 2020 hat Eckes-Granini deutsche Gerichte aufgefordert, den russischen Schiedsspruch zu überprüfen. "Das Ziel dieses Verfahrens ist die gerichtliche Feststellung, dass der Schiedsspruch nicht anerkannt wird und nicht vollstreckbar ist", sagt ein Sprecher. Dabei spielt wohl auch die Hoffnung mit, dass ein entsprechendes Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz Einfluss auf Gerichtsentscheidungen in Frankreich, Belgien und der Schweiz hat.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.