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Stiftung Warentest kritisiert: Kreditschutz ist teuer erkauft

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Restschuldversicherungen sind umstritten. Stiftung Warentest hält sie häufig für überflüssig und zu teuer. Die Branche wehrt sich.

Wirksamer Schutz oder überflüssige Absicherung? An der Restschuldversicherung scheiden sich die Geister. In einer aktuellen Untersuchung kritisiert Stiftung Warentest die Versicherung, die den Versicherungsnehmer und seine Familie beim Abschluss eines Ratenkredits vor den Risiken wie Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit und Tod absichern soll.

„Oft enthalten die Versicherungsbedingungen überraschende Einschränkungen und der Kreditschutz ist teuer erkauft“, heißt es in der Untersuchung, die am Montag vorgestellt wurde. Vor allem bei der Versicherung der Arbeitsunfähigkeit würden die Kunden unangemessen benachteiligt, heißt es.

Stiftung Warentest hat die Versicherungsbedingungen von 25 Banken untersucht, die einen Ratenkredit über 10.000 Euro bei einer Laufzeit von fünf Jahren vergeben haben. Die Ergebnisse variieren je nach versichertem Risiko.

Beim Todesfallschutz schnitten drei Viertel der Banken sehr gut ab. Anders sah es bei der Arbeitsunfähigkeit aus. Aus Sicht von Stiftung Warentest liegt es an der Definition von Arbeitsunfähigkeit, dass bei dieser Versicherungsvariante 15 von 25 untersuchten Banken mangelhaft abschnitten.

Bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit orientiert sich Stiftung Warentest an der Einschätzung der Krankenkassen. Ein Arbeitnehmer ist dann arbeitsunfähig, wenn er nachweist, dass er seine zuletzt ausgeübte Tätigkeit nicht mehr oder nur unter der Gefahr ausführen kann, dass sich seine Krankheit verschlimmert.

Stiftung Warentest prüfte, ob die Versicherung bei einer einfachen Arbeitsunfähigkeit einspringt, wenn die Lohnfortzahlung endet – also nach sechs Wochen. Einige Versicherer lassen den Leistungsfall allerdings erst dann eintreten, wenn die versicherte Person ihre bisherige oder eine andere Tätigkeit nicht mehr ausüben kann.

Bei dieser Argumentation wertete Stiftung Warentest den Versicherungsschutz als mangelhaft. Zu den positiven Ausnahmen zählten die Santander Bank, SWK Bank, DKB, Postbank und SKG Bank.

Leistung nur bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit

Für nicht transparent hält Stiftung Warentest auch die Bedingungen bei der Versicherung der Arbeitslosigkeit. Denn viele Versicherer zahlen nur dann, wenn die Arbeitslosigkeit unverschuldet ist, was vielen nicht klar sei. Nur die DKB und die SKG Bank würden im Kreditantrag ausdrücklich auf die Besonderheit hinweisen, so die Verbraucherschützer. Schlecht wurden die Anbieter bewertet, wenn die Versicherer nur für zwölf Monate zahlt oder die Leistung an den Bezug von Arbeitslosengeld I gekoppelt ist.

In ihrer Untersuchung stieß Stiftung Warentest auch auf „extreme Preisunterschiede“. Den schlechten Schutz der Kreditrate müssen Bankkunden häufig auch noch teuer bezahlen, heißt es. Bei dem Modellkredit kostet der Todesfallschutz beim günstigsten Anbieter im Test, der Norisbank, einmalig 128 Euro. Die Deutsche Skatbank verlange das Vierfache.

Für die Absicherung aller drei Risiken würden sich die Kosten bei der Skatbank bei einem 10.000 Euro-Kredit auf einmalig 2280 Euro summieren. Damit ist sie der teuerste Anbieter unter den untersuchten Banken. Zum Vergleich: Bei der Degussa Bank liegen die Kosten für die entsprechenden Risiken nur bei 764 Euro.

Zu einzelnen Beispielen wollten sich Branchenvertreter nicht äußern. Ihre Berechnungen würden aber zeigen, „dass eine Restkreditversicherung im Vergleich mit solitären Versicherungslösungen auf vergleichbarem Niveau hinsichtlich der Beiträge und Kosten liegen“, hieß es.

Jeder vierte Ratenkredit ist versichert

Ratenkredite sind in Deutschland beliebt. Jeder fünfte Bundesbürger hat einen abgeschlossen und bedient ihn. Nach Angaben des Bankenfachverbands, der die Interessen der Kreditbanken in Deutschland vertritt, ist bundesweit jeder vierte Ratenkredit bundesweit versichert.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil der versicherten Kredite um vier Prozentpunkte auf 27 Prozent. „In Corona-Zeiten steigt der Sicherheitsbedürfnis der Verbraucher“, erklärt Bankenfachverband-Geschäftsführer Jens Loa den gestiegenen Anteil.

Nach der vom Marktforschungsunternehmen Ipsos durchgeführten Umfrage zeigten sich rund drei Viertel der befragten Kreditnehmer mit ihrer Restkreditversicherung zufrieden, fünf Prozent sind unzufrieden, 22 Prozent äußerten sich neutral.

Diese Zufriedenheit kann die Finanzaufsicht Bafin nicht teilen. „Die von den Versicherungsunternehmen an die Kreditinstitute geleisteten Provisionen sind teilweise außerordentlich hoch und bilden deshalb einen lukrativen Anreiz für die Kreditinstitute, möglichst viele Restschuldversicherungen mit einer möglichst hohen Prämie zu verkaufen“, heißt es in einer vor zwei Monaten publizierten Untersuchung.

Teilweise sollen Provisionen in Höhe von mehr als 50 Prozent der Versicherungsprämie gezahlt werden. Die Provisionsgestaltung einiger Anbieter ist der Koalition durchaus bekannt, doch konnten sich Union und SPD bislang auf keinen Provisionsdeckel verständigen, der von Verbraucherschützern gefordert wird.

Verschiedene Möglichkeiten ausloten

Stiftung Warentest empfiehlt Verbrauchern, die einen Ratenkredit beantragen, nicht automatisch eine Restschuldversicherung abzuschließen. Erst sollte geschaut werden, ob andere Möglichkeiten bestehen, den Kredit im Falle von Schwierigkeiten zu bedienen. Besteht eine Lebensversicherung, könnte der Kredit im Todesfall aus der Versicherung bedient werden.

Auch die Bafin sieht noch Nachholbedarf in der Branche beim Thema Transparenz. Nach der Untersuchung gaben 55 Prozent der befragten Verbraucher an, dass sie nach ihrer Einschätzung keinen Ratenkredit ohne Restschuldversicherung bekommen hätten oder höhere Darlehenszinsen hätten zahlen müssen.

Tatsächlich sind das zwei getrennte Verträge. „Wurden Sie zu einer Restschuldversicherung gedrängt, können Sie diese ohne Einfluss auf den Kredit widerrufen“, empfiehlt Stiftung Warentest.