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Stepstone-CEO Sebastian Dettmers: "Wäre es schlimm, wenn KI Jobs obsolet macht? Ich glaube, es könnte den Arbeitsalltag grundlegend verbessern"

Sebastian Dettmers sieht zwei Gründe, warum es im Interesse der Beschäftigten liegt, KI im Job einzufordern. - Copyright: The Stepstone Group
Sebastian Dettmers sieht zwei Gründe, warum es im Interesse der Beschäftigten liegt, KI im Job einzufordern. - Copyright: The Stepstone Group

Auch in diesem Jahr werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am 1. Mai wieder für eine bessere Arbeitswelt auf die Straße gehen. Höhere Gehälter und fairere Arbeitsbedingungen gehören traditionell zu ihren wichtigsten Forderungen. Sebastian Dettmers, CEO von The StepStone Group*, sagt: Was dabei bisher fehle, sei die Forderung nach mehr Künstlicher Intelligenz (KI) im Job.

Denn Technologien wie ChatGPT haben aus seiner Sicht das Potenzial, die Welt der Arbeitnehmer grundlegend zu verbessern. Seine These: Die Angst von Beschäftigten, dass KI ihnen den Job wegnimmt, wird sich schon bald umkehren. Für Business Insider hat er zum Tag der Arbeit aufgeschrieben, warum Beschäftigte sie sogar einfordern und dafür auf die Straße gehen werden – und zwar auch diejenigen, deren Jobs lange immun gegen Automatisierung schienen.

Der Tag der Arbeit hat seinen Ursprung vor mehr als 130 Jahren als Protest der Arbeiterklasse. Auch heute noch setzen sich Gewerkschaften und Co. vor allem für Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor ein. Sie fordern einen höheren Mindestlohn und bessere Tarifabschlüsse. Eine wichtige Forderung jedoch fehlt: die nach einem schnelleren und umfassenderen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt. Denn auch wenn es zunächst paradox klingt: KI ist der Schlüssel für bessere Arbeitsbedingungen und bessere Jobs.

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Der Start von ChatGPT war ein Meilenstein. Statt ihn aber als Chance und Durchbruch für eine Revolution der Arbeitswelt zu begreifen, macht er vielen Arbeitnehmern Angst. Schon länger stellen sich insbesondere Beschäftigte im Niedriglohnbereich - immerhin mehr als ein Viertel der Deutschen verdient umgerechnet weniger als 13 Euro pro Stunde - die Frage: Was, wenn ich bald wegen Robotern nicht mehr benötigt werde?

KI im Job: Menschen haben immer Respekt vor neuen Technologien

Der Respekt vor neuen Technologien ist nicht neu. Schon zu Zeiten der Industrialisierung hatte er mitunter absurde Konsequenzen: Als in den Londoner Häfen beispielsweise erstmals Gabelstapler eingesetzt wurden, um Schiffe nicht mehr mühsam per Hand zu be- und entladen, setzten die Gewerkschaften durch, dass die Arbeiter trotzdem weiter beschäftigt wurden. Von nun an liefen gut ein Dutzend Männer den Staplern hinterherlief – bei vollem Lohn. Das machte den Betrieb des Hafens teurer und international weniger wettbewerbsfähig. Wäre der Einsatz der Technik nicht deutlich gewinnbringender für alle gewesen, wenn die Menschen stattdessen andere Aufgaben erfüllt hätten?

Der beginnende Siegeszug von KI-basierten Sprachmodellen wie ChatGPT & Co. hebt die Fragestellung auf eine neue Ebene: Nicht mehr nur noch Menschen im Niedriglohnsektor fürchten sich vor den Maschinen. Vermeintlich sichere Jobs wie die von hoch qualifizierten Ärzten oder Juristen scheinen einen neuen Konkurrenten zu bekommen: KI.

Und tatsächlich, viele Aufgaben werden automatisiert, bestimmte Jobprofile obsolet, manche Geschäftsmodelle werden an ihre Grenzen stoßen. Aber wäre das eigentlich schlimm? Im Gegenteil, es könnte den Arbeitsalltag von Millionen Arbeitnehmern grundlegend verbessern. Auch in solchen Berufen, die vor Automatisierung lange immun schienen. Das hat zwei Gründe.

Erstens: Wir haben in Zukunft ohnehin nicht mehr genug Menschen, um alle Jobs zu besetzen. Die Erwerbsbevölkerung im westlichen Europa schrumpft, Deutschland ist davon besonders betroffen. Die wichtigste Ressource für Wirtschaft und Wohlstand wird knapp: der Mensch. Wir werden nicht mehr über Arbeitslosigkeit diskutieren, sondern über Arbeiterlosigkeit. Wenn Jobs an einem Ort wegfallen, eröffnen sich für Arbeitnehmer an anderer Stelle neue, bessere Jobmöglichkeiten.

Beschäftigte könnten durch KI im Job sinnlose Aufgaben abgeben

Zweitens: Die meisten Arbeitnehmer möchten sinnlose Aufgaben abgeben. Noch immer verbringen Menschen in Bürojobs viel Zeit mit einfachen Arbeiten, die längst von Technologien übernommen werden könnten. Je nach Branche sind es zwei bis drei Stunden pro Tag. Im öffentlichen Dienst entfällt fast die Hälfte der Tätigkeiten auf repetitive administrative Aufgaben, ebenso im Gesundheitswesen. Laut einer neuen Studie von The Stepstone Group haben nur 20 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland das Gefühl, dass sie ihre Ziele im Job erreichen - auch weil sie zu viel Zeit für einfache, eintönige Tätigkeiten aufbringen müssen.

Es sind gerade sinnhafte Tätigkeiten, die Mitarbeiter motivieren und für deutliche mehr Zufriedenheit im Job sorgen, wie unsere Daten zeigen. Wäre es nicht eine gute Nachricht für Arbeitnehmer, wenn sie simple Aufgaben konsequent abgeben könnten? Wenn sie stattdessen mehr Zeit für Dinge hätten, die Maschinen ihnen nicht abnehmen können: kreativ sein, empathisch und sozial im Team agieren. Wenn zum Beispiel auch Ärzte nicht mehr lange Zeit darauf verschwenden müssten, Arztberichte zu tippen? Sondern sich auf wichtigere Dinge konzentrieren könnten: den direkten Patientenkontakt, fundierte Diagnosen und Forschung? Würde es der Anwalt nicht begrüßen, Routineprüfungen von Verträgen der Technologie zu überlassen?

Mehr Automatisierung ist keine Bedrohung, sondern eine riesige Chance. Die Geschichte zeigt nämlich auch: Wenn unproduktive Aufgaben und Jobs wegfallen und automatisiert werden, entstehen neue – und zwar vorrangig interessantere, anspruchsvollere und besser bezahlte. Voraussetzung dafür, dass Arbeitnehmer in solche Jobs wechseln können, ist die gezielte Weiterbildung von Menschen - insbesondere von denen mit geringer Qualifikation. Alle Erwerbsfähigen müssen befähigt werden, auch höherwertige Jobs zu besetzen. In diesen Jobs brauchen wir sie nämlich in Zeiten der Arbeiterlosigkeit händeringend.

Wie lässt sich KI im Job integrieren?

Gleichzeitig brauchen wir Mut: neue Tools auszuprobieren, in den Arbeitsalltag zu integrieren, und zu lernen, wie KI uns alle effizienter und besser werden lässt. Wir müssen jetzt alle aktiv werden - und nicht nur erwartungsvoll nach rechts und links blicken. Gerade die Arbeitnehmer sollten sich ermutigt fühlen, nicht nur veränderungsbereit zu sein, sondern die Veränderungen auch proaktiv einzufordern und anzuschieben.

Statt uns nur an der Vergangenheit zu orientieren und am Status quo festzuhalten, sollten wir alle ein positives Bild von einer grundlegend besseren Arbeitswelt entwerfen und dafür kämpfen, dass es Realität wird. 

Wenn Arbeitnehmer in Zukunft für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gehen, tun sie das hoffentlich auch wegen KI. Nicht, weil sie Angst haben, dass die Roboter ihnen den Job wegnehmen. Sondern weil sie sich "Kollege Roboter" an ihrer Seite wünschen.

*Stepstone gehört wie auch Business Insider zur Axel Springer SE.