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Stephan Weil hält Stahlfusion von Salzgitter und Thyssenkrupp für unnötig

·Lesedauer: 3 Min.

Die Gerüchte um eine Fusion von Salzgitter und Thyssenkrupp reißen nicht ab. Der niedersächsische Ministerpräsident steht einem Zusammenschluss skeptisch gegenüber.

Weil sieht in einem möglichen Zusammengehen von Salzgitter und Thyssenkrupp keine größeren Vorteile für den niedersächsischen Stahlkonzern. Foto: dpa
Weil sieht in einem möglichen Zusammengehen von Salzgitter und Thyssenkrupp keine größeren Vorteile für den niedersächsischen Stahlkonzern. Foto: dpa

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht in einer möglichen Fusion von Salzgitter und Thyssenkrupp keine größeren Vorteile für den niedersächsischen Stahlkonzern. Die anhaltenden Spekulationen zu einem Zusammengehen der beiden Unternehmen lenkten von der eigentlichen Herausforderung der Branche ab: den nötigen Milliardeninvestitionen in die CO2-arme Produktion von Stahl mit Hilfe von Wasserstoff statt Koks.

„Wenn Nordrhein-Westfalen sich nicht an Thyssenkrupp beteiligen will, wird das seine Gründe haben“, sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Es könne dann doch eigentlich „nicht sonderlich verwunderlich sein“, dass die Salzgitter AG und das Land Niedersachsen als ihr größter Anteilseigner der Bildung einer „Deutschen Stahl AG“ aus beiden Firmen eher skeptisch gegenüber stehen. „Ich bin ziemlich sicher: Es wird ein Survival-of-the-fittest geben, nicht unbedingt ein Survival-of-the-biggest.“

An der Stahlsparte von Thyssenkrupp zeigt auch der britische Konzern Liberty Steel Interesse. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sieht dagegen die Gründung einer größeren „Deutschen Stahl AG“ als Chance zur Stabilisierung der Branche.

Weil sagte, Europas Stahlindustrie sei aufgrund der Billigkonkurrenz auf dem Weltmarkt und der dringend nötigen CO2-Reduktion in einer schwierigen Lage. „Aus niedersächsischer Sicht sind Vorteile für die Salzgitter AG nicht allein dadurch zu erreichen, dass man sich zusammentut“, sagte Weil.

„Es gibt aber ein existenzielles, gemeinsames Thema für die europäische Stahlindustrie: das Thema Wasserstoff. Die Branche ist einer der größten CO2-Emittenten, und die verschärften Klimaziele lassen sich nur mit einem radikalen Technologiewechsel erzielen. Das ist eine Frage von Sein oder Nichtsein.“ Mit alter Technik seien die Unternehmen nicht in der Lage, die anfallenden CO2-Mengen mit hinreichend vielen Käufen von Emissionszertifikaten auszugleichen.

Projekt „Salcos“ soll Grundlage für nahezu CO2-freie Stahlproduktion legen

Bei Salzgitter startete Anfang Dezember ein Zukunftsprojekt für eine klimafreundlichere Stahlherstellung. Laut Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) könnte der Bau der ersten flexibel mit Wasserstoff und Erdgas betriebenen Eisenerz-Direktreduktionsanlage eine entscheidende Wegmarke für die gesamte Industrie sein.

Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann hatte erklärt, mit dem Projekt „Salcos“ werde die Grundlage für eine nahezu CO2-freie Stahlproduktion gelegt. Dabei wird in dem Prozess auf den Einsatz von Kokskohle verzichtet, die bisher vor allem für die hohen Emissionen des Treibhausgases verantwortlich ist. Bis 2050 soll nach Angaben des Konzerns die komplette Transformation der konventionellen zu einer wasserstoffbasierten Stahlerzeugung bei Salzgitter in mehreren Stufen umgesetzt werden - mit CO2-Reduktionen von bis zu 95 Prozent.

Eine Voraussetzung für eine gute Klimabilanz ist jedoch, dass der genutzte Wasserstoff möglichst vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird. Außerdem ist die Technologie teuer. „Das erfordert immense Summen, das wird nicht ohne größere Unterstützung des Bundes und der EU möglich sein“, sagte Weil.

Aber: „Es gibt gar keine vernünftige Alternative dazu - und zwar nicht nur mit Blick auf die Arbeitsplätze. Denn wenn die europäischen Stahlunternehmen verschwinden würden, wäre für den Klimaschutz nichts gewonnen.“ Dann würde dieselbe Menge Stahl woanders produziert - zu schlechteren Bedingungen - und noch mehr als bisher nach Europa transportiert.

„Die Ökobilanz wäre verheerend“, sagte Weil. „Wer es also gut meint mit Jobs und Klimaschutz, der muss unsere Stahlindustrie dabei unterstützen, diesen radikalen Wandel vorzunehmen. Wir brauchen eine engagierte Förderpolitik des Bundes und der EU - da hat sich noch nicht genug getan.“