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Steinmeier ruft zu mehr Pragmatismus im Kampf gegen Pandemie auf

·Lesedauer: 2 Min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat zu mehr Pragmatismus im Kampf gegen die Corona-Pandemie und mehr Flexibilität beim Impfen aufgerufen. Zugleich warnte er angesichts aktueller Probleme vor einem "Überbietungswettbewerb in Schwarzmalerei". Natürlich müsse es beim Impfen gerecht zugehen und natürlich müssten vulnerable Gruppen zuerst geimpft werden, sagte Steinmeier am Freitag beim digitalen Kongress "Zwischen den Zeiten" der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Frankfurt am Main. "Aber unser Ehrgeiz, alles zur Perfektion zu treiben - gepaart mit der Ängstlichkeit beim Experimentieren - steht uns häufig genug im Weg."

In Deutschland wolle man es besonders gut machen, sichere jede Maßnahme mit unzähligen Regeln ab, sagte Steinmeier. "Etwas mehr Pragmatismus täte uns gut. Erst recht, wenn in den kommenden Wochen mehr Impfstoff zur Verfügung steht." Steinmeier warnte allerdings vor der Illusion, dass sich dadurch sofort mehr Zufriedenheit einstellen werde. "Mehr Pragmatismus erhöht die Entscheidungsgeschwindigkeit, bedeutet im Zweifel aber auch mehr Unschärfen, unterschiedliche Lösungen für dasselbe Problem und Widersprüche im System." Diese könnten von den Noch-Nicht-Geimpften genauso als Ungerechtigkeit empfunden werden wie manche der heute geltenden strikten Regeln. "Es bleibt also anstrengend."

Der Bundespräsident wies auf die verbreitete Unzufriedenheit mit der Pandemie-Bekämpfung hin, für die es Gründe gebe. Es sei wichtig, Fehler zu korrigieren. "Dazu gehören auch Korrekturen an unserem Selbstbild." Es sei kaum mehr als sechs Monate her, "da haben wir - möglicherweise auch andere, aber vor allem wir selbst - uns schon mit Genugtuung als "Pandemie-Weltmeister" gesehen. Es fehlte in Politik und Medien nicht an Hochmut, mit dem man auf verzweifelte Bemühungen anderer Länder herabgeschaut hat." Nun sei das glatte Gegenteil zu lesen und zu hören: "rote Laterne", "Dilettantenstadl", "Bananenrepublik", "Staatsversagen". "Wo eben noch Hochmut war, herrscht heute Kleinmut."

Es sei jetzt aber nicht die Zeit für Resignation und Selbstmitleid, betonte Steinmeier. "Nicht alles, aber vieles ist gelungen. Wo es hakt, können wir besser und schneller werden. Unsere Stärken sind kein Grund für Hochmut. Unsere Fehler aber auch kein Grund für Kleinmut. Sondern Mut braucht es, guten Mut." Deutschland habe jede Krise der vergangenen Jahrzehnte gemeistert, "gerade weil unsere Demokratie sich immer wieder als lernfähig erwiesen hat". Das gelte es, in der Pandemie neu zu beweisen.