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„Wir stehen am Rande eines Paradigmenwechsels“

 

Im FundResearch-Interview spricht Jean Médecin, Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac, über die künftige Politik der Notenbanken, globale Opportunitäten und die deutsche Wirtschaft 2018.

FundResearch: Die Märkte schauen mit Argusaugen auf die Notenbanken. Im nächsten Jahr wird die Chefetage der Fed neu besetzt. Wird es mit Janet Yelen weitergehen?
Médecin: Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) ist alles in der Hand (Shenzhen: 300170.SZ - Nachrichten) des designierten Fed-Vorsitzenden Jerome Powell. Wichtiger ist allerdings, dass insgesamt vier Mitglieder des Komitees zur Disposition stehen. Das erst gibt Trump die Möglichkeit, großen Einfluss auf die kommende Geldpolitik der Fed auszuüben. Er hat immer klar gemacht, dass er - wie Yelen - ein Anhänger der Niedrigzinspolitik ist. Entscheidend für die zukünftige Geldpolitik wird aber etwas anderes.

FundResearch: Nämlich was?
Médecin: Ich glaube, dass gerade ein Paradigmenwechsel stattfindet. Die vergangenen 40 Jahre haben wir in einer Wirtschaft gelebt, in der die Inflation anhand von Faktoren wie der Nachfragefunktion und der Philips Kurve (Arbeitslosigkeit und Inflation) erklärt wurde. Diese Relation scheint nicht mehr intakt zu sein. Vor dieser Epoche diente ein anderer akademischer Rahmen zu Erklärung: Es wurde von der Angebotsseite aus analysiert und argumentiert. Etwas, was wir heute z.B. in der technologischen Disruption der Wirtschaft erleben. Ich denke, dieser Ansatz erlebt eine Renaissance.

FundResearch: Was bedeutet das für Investoren?
Médecin:  Das neue Normale könnte darin bestehen, dass wir heute auf längere Sicht ein neues geringeres Zinsniveau erleben werden. Strukturell niedrigere Zinsen unterstützen Aktienmärkte. Nicht dass es die Erträge pusht, die werden eher moderater ausfallen als in der Vergangenheit, sondern, weil höhere Zinsen die Märkte insgesamt - also auch jedes einzelne Unternehmen - auf ein höheres (Bewertungs-)Level hebt. Wenn die Zinsen unten bleiben, werden wir auf einem relativ niedrigen Level bleiben. Das muss für die Zukunft im Hinterkopf behalten werden. 

FundResearch: Wird die EZB 2018 ihrer geldpolitischen Linie treu bleiben?
Médecin: Draghi wird 2018 die geldpolitische Normalisierung anstreben. Es ist schwer, Tempo und  Ausmaß zu prognostizieren. Ich glaube, dass weiß Draghi selbst derzeit nicht. Eine der Aufgaben der EZB wird es sein, Konsens in Bezug auf eine Exit-Strategie herzustellen. Aber der Weg (Sao Paolo: R2:WEGE3S.SA - Nachrichten) zur Normalisierung ist bereits eingeschlagen. Sie hat in den USA begonnen, sie hat in Japan begonnen. Sie wird eine neue Ära an Zinsen einläuten. Eine neue Ära ohne aggressive Geldpolitik der Notenbanken, eine neue Ära mit einem veränderten, akademischen Zugang der Notenbanken zur Evaluierung ihrer Inflationsziele. Eine neue Ära, in der die Notenbanken massiv Bilanzsummenpolitik betreiben werden, was noch nie vorher so geschehen ist.

FundResearch: Wie wird Carmignac darauf reagieren?
Médecin: Wir sind sehr gut aufgestellt. Nehmen Sie z.B. den Carmignac Unconstrained Global Bonds. Sein Ansatz ist ideal für ein Umfeld mit niedrigen Zinsen und einem sich verändernden Rahmenbedingungen durch die Notenbanken. Und auch die anderen Carmignac-Strategien haben gelernt, sich auf veränderte Situationen einzustellen. 

FundResearch: Wie sehen Sie die Aussichten für den Euro? Geht es weiter nach oben, oder nähern wir uns erneut der Parität?
Médecin: Ich glaube, dass der Euro nicht weiter aufwerten wird. 

FundResearch: Anderes Thema: Wie fällt ihre Prognose für die deutsche Wirtschaft 2018 aus?
Médecin: Die positive Außenhandelsbilanz in Deutschland ist momentan auf einem historischen Hoch, an das kaum eine Wirtschaft je heran gekommen ist. Sie wird schwer zu halten sein. Es ist nie von Vorteil, wenn eine Wirtschaft abhängig von einem Sektor ist. Es macht sie verwundbar. Deutschland ist auf der einen Seite stark vom Export, auf der anderen stark vom Euro abhängig. Handel muss für beide Seiten Vorteile haben, um langfristig erfolgreich zu sein. Wenn eine Wirtschaft nur Produkte ins Ausland absetzt, aber kaum von dort einkauft, verschiebt sich die Bilanz zu Ungunsten dieser Wirtschaft. Das kann nicht lange gut gehen. 

FundResearch: Müssen die Deutschen sich Sorgen machen?
Médecin: Nein, eines der positivsten Zeichen, die es dieses Jahr gegeben hat, ist die Resynchronisierung der globalen Wirtschaftsentwicklung. In vielen Ländern wächst das BIP. 





















 

(DW)