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Start-up-Fan und Naturmensch: Das ist der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof

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Mit harten Einschnitten will der CEO die Unabhängigkeit von Deutschlands zweitgrößter Privatbank sichern. Manche bezweifeln, dass Manfred Knof das gelingt.

Manfred Knof hat ein Faible für schwierige Missionen. Als Kind träumt er davon, ein Geheimagent wie James Bond zu werden. Später baut er als Manager des Versicherers Allianz Tochtergesellschaften in der Schweiz und Osteuropa um. 2021 wartet nun eine besonders schwierige Aufgabe auf ihn: Er soll die kriselnde Commerzbank wieder auf Kurs bringen.

Euphorie hat Knofs Berufung bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank bisher nicht ausgelöst. Seine Sanierungserfahrung wird zwar allseits geschätzt. Viele Beschäftigte bemängeln jedoch, dass er vom verhassten Nachbarn Deutsche Bank kommt und in seiner Karriere nur eine relativ kurze Zeit im Banking verbracht hat.

Mit dem „Versicherungsexperten Knof“ werde das Management weiter geschwächt, ätzt ein Commerzbank-Mitarbeiter. Andere glauben, Knof werde der letzte Vorstandschef des 150 Jahre alten Instituts sein und die Bank am Ende verkaufen. „Die Annahme ist, dass er derjenige ist, der das Licht ausmacht“, sagt ein Branchenexperte.

Die Startbedingungen für Knof sind also alles andere als rosig. Doch der 55-Jährige will beweisen, dass er das Institut sanieren und damit die Voraussetzungen für eine eigenständige Zukunft schaffen kann. Das hat er in mehreren internen Gesprächen deutlich gemacht.

Dass Knof kämpfen kann, hat er in seinem Leben mehrfach bewiesen. Der gebürtige Kölner stammt aus einfachen Verhältnissen. Als Kind lebt er mit seinen Eltern und seinem kleinen Bruder in einer spärlich ausgestatten Wohnung – ohne Zentralheizung und mit einem Gemeinschaftsbad auf dem Flur.

„Manchmal etwas grummelig“

Der kleine Manfred ist schlau, macht Abitur und geht als Erster aus der Familie an die Universität. Er studiert Jura. Während er seine Doktorarbeit schreibt, arbeitet Knof für die Unternehmensberatung Kienbaum an mehreren Projekten mit. In dieser Zeit entschließt er sich, noch ein Management-Studium in New York dranzuhängen.

Anschließend heuert er beim Versicherer Allianz an – und bleibt dort mehr als 20 Jahre. In München ist er vielen als Manager mit Ecken und Kanten in Erinnerung geblieben. Knof ist jemand, der öfter mal aneckt und wenig menschliche Wärme versprüht. Beim Umbau von Geschäftsbereichen hat er jedoch großen Erfolg.

Als er im Sommer 2020 in einem Interview gefragt wird, was ihn am meisten von anderen Managern unterscheidet, muss Knof nicht lange nachdenken: „Umsetzen und liefern.“

„Manfred ist ein sehr analytischer Mensch“, sagt Emilio Galli Zugaro. Er ist heute als Management-Coach tätig und hat als Kommunikationschef der Allianz lange mit Knof zusammengearbeitet. „Wenn man mit Manfred diskutiert, ist er sehr fokussiert und sieht manchmal etwas grummelig aus“, sagt Galli Zugaro. „Aber deswegen ist er kein kalter Mensch.“ Knof könne gut zuhören und sich in Menschen hineinversetzen.

Bekannt ist Knof zudem für seine direkte Art. „Er ist keiner, der rumtrickst oder Spielchen spielt“, erzählt ein Weggefährte. „Er macht, was er sagt.“ Deshalb könne man mit ihm gut zusammenarbeiten. „Ein charismatischer Redner ist er dagegen sicher nicht.“

Knof kennt seine Schwächen und versucht an seiner Kommunikation und seinem Auftreten zu arbeiten. Wichtiger sind für ihn jedoch Zuverlässigkeit und Vertrauen. „Ich bin definitiv kein Mikro-Manager“, sagt er über sich selbst. Er gebe seinen Mitarbeitern die Richtung vor und lasse ihnen dann die nötige Freiheit, ihren Job zu machen.

Hühner statt Promi-Partys

Die Allianz hat Knof 2017 nach einem Streit mit Konzernchef Oliver Bäte verlassen. Anschließend engagiert er sich als Berater und Investor von Start-ups. Er wird Aufsichtsrat der Münchener Firma pmOne, die sich auf Künstliche Intelligenz und Datenanalyse spezialisiert hat. Er investiert zusammen mit seiner Frau in ein Unternehmen, das Bionahrung herstellt. Und er berät eine Firma aus San Francisco, die sich um die Digitalisierung von papierbasierten Prozessen kümmert.

Auf Vermittlung von Holger Follmann, dem Vorsitzenden des Kuratoriums der Wertestiftung, übernimmt Knof zudem die Leitung des Beirats von Futury – einer Plattform, auf der sich Start-ups und etablierte Konzerne austauschen. „Manfred ist ein super Sparringspartner für die jungen Leute“, berichtet Follmann. „Er geht locker auf sie zu und ist offen, sich auf neue Dinge einzulassen.“

Auf ein Thema spricht Knof fast alle Start-ups an: Nachhaltigkeit. „Das Thema liegt ihm sehr am Herzen“, sagt Follmann. Wenn Knof Zeit hat, verbringt er diese gerne in der Natur. In seinem Ferienhaus in Tirol findet er zur Ruhe, wandert in den Bergen oder geht mit seinem Hund spazieren. Bis vor Kurzem hielt er mit seiner Frau auch noch Hühner.

Die Promi-Partys im nahegelegenen Kitzbühel sind dagegen nicht seine Welt. „Ich bin nicht der beste Netzwerker“, sagt Knof. „Und im Gegensatz zu meinen Kollegen spiele ich auch kein Golf.“ Er fährt lieber Fahrrad oder geht joggen.

Bevor er sich in die Arbeit stürzt, macht Knof jeden Morgen Yoga und Meditationsübungen. Der Tag beginnt für ihn deshalb meist schon um 5.30 Uhr.

Schnelle Entscheidung für die Commerzbank

In den vergangenen anderthalb Jahren dann hat Knof bei der Deutschen Bank die Integration der Postbank vorangetrieben und die Kosten im Privatkundengeschäft gedrückt. Restlos zufrieden ist er mit seinem Job eine Ebene unter dem Vorstand jedoch nicht. Denn der Handlungsspielraum ist begrenzt, gerade wenn es um die Entwicklung neuer Produkte geht.

Als Commerzbank-Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter im September 2020 bei ihm anklopft, geht es deshalb schnell. Knof und Vetter kennen sich bis dahin nicht, aber beide haben ähnliche Vorstellungen, was bei der Commerzbank passieren muss. Das Institut muss schlanker werden, seine Kosten deutlich senken und profitabler werden. Eine Mission wie geschaffen für Agent Knof.