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Wird Staramba das bessere Facebook? Virtuelle Menschen als Killer-App für VR

Dr. Stefan Graupner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Bisher könnte man Staramba (WKN:A1K03W) als Stars in 3D bezeichnen, denn das Unternehmen erzeugt mit seinen 3D-Scannern 3D-Daten für 3D-Apps und 3D-Figuren. Dabei sind sie bisher noch hauptsächlich auf Stars aus dem Sport- und Showbusiness fokussiert, doch hat die Technologie ein solches Potenzial, dass das Unternehmen langfristig zu einem Milliardenkonzern aufstreben könnte.

Wer ist Staramba?

Staramba ist ein Berliner Unternehmen, das im Markt für Virtuelle Realität (VR) ordentlich mitmischen möchte. Als VR bezeichnet man die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften. Diese findet dabei in Echtzeit in einer computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung statt.

Werden virtuelle Realität und physische Realität vermischt, so spricht man von Augmented Reality (AR). Tatsächlich ist das alles schon so real, dass man davon Symptome ähnlich der Seekrankheit bekommen kann und die Begriffe VR-Krankheit oder Simulator-Krankheit im Umlauf sind.

Und Starambas Vision ist ambitioniert: „Poised to become THE proprietary social platform for unique celebrity experiences and true social interaction“. Auf dieser Plattform kann ich also Prominente treffen und mit ihnen wie im richtigen Leben interagieren?

Das kann Facebook (WKN:A1JWVX) nicht. Es gilt zwar als einer der Vorreiter der Social Media, ist aber in Wahrheit alles andere als sozial und führt eher zu Vereinsamung. Statt Freunde in persona zu treffen, lesen viele allzu oft sinnlose Beiträge, freuen sich über hunderte von sogenannten Facebook-Freunden oder schauen zumeist ebenso sinnfreie Videos. Facebooks Workplace macht da schon mehr Sinn.

Staramba aber plant eine Weiterentwicklung in der Art, dass ich andere Teilnehmer virtuell treffen, mit ihnen sprechen oder auch spielen kann und alles wirklich interaktiv ist. Mit STARAMBA.spaces jetzt in der Alphaversion sollen zukünftig z. B. Sportarten interaktiv möglich sein. Man kann auch Konzerte zusammen mit Freunden erleben oder Sportarten mit ihnen zusammen trainieren.

Entscheidend für Promis ist, dass sie auf diesem Weg ganz anders mit ihren Fans in Kontakt treten können: statt etwas zu posten oder zu twittern, trifft man seine Fans virtuell als Avatar. Man stelle sich vor, Donald Trump würde uns als Avatar treffen und uns seine Politik erklären. 

😉

Alles, was man dazu braucht, ist ein Avatar, z. B. ein Abbild meiner selbst als virtuelle 3D-Figur.

Starambas Business-Modell

Dass Staramba als relativ junges Unternehmen Geld verdienen kann, wurde bisher eindrucksvoll bewiesen. In Tab. 1 sieht man das bisher sehr dynamische Umsatzwachstum.

in Mio Euro
2017 (erwartet) H1 2017 2016 2015
Umsatz 15,9 5,3 5,1 1,0
Marktkap. 150,0 105,8 24,5 13,6

Tab. 1 Umsatzentwicklung 2015–2017 (Quelle: Unternehmensbericht)

Um einen eigenen Avatar zu erstellen, bietet Staramba in Kooperation mit beispielsweise STUDIOLINE PHOTOGRAPHY 3D-Scanner vor Ort an, die hochauflösende 3D-Modelle erstellen. Dieses digitale Hologramm kann dann u. a. für VR-Anwendungen genutzt werden.

Am 2.11.2017 erst konnte der Verkauf von 90 weiteren Scannern in die USA und Deutschland mit einem Gesamtvolumen von 7,17 Mio. Euro gemeldet werden. Damit scheint das Erreichen des ambitionierten Umsatzziels in 2017 gesichert. Der Jahresgewinn soll 2017 bei 4,5 Mio. Euro liegen.

Neben dem Verkauf dieser Scanner kann man auch eine 3D-Puppe bei Staramba machen lassen. Wenn nicht von sich selbst, hat man im Shop die Auswahl von Promis aus Musik, Sport, Entertainment und vielem mehr.

Das Entscheidende für Staramba jedoch sind die Lizenzen für die 3D-Stars, die letztlich auch in der virtuellen STARAMBA.spaces genutzt werden sollen. Ab Juni 2018 soll die virtuelle Welt dann für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Dazu wurde noch die Ausgabe einer eigenen digitalen Währung ROYALTY für STARAMBA.spaces beschlossen. Mit der eigenen, auf Blockchain-Technologie basierenden Kryptowährung hofft Staramba durch die Skalierbarkeit der Umsätze kräftig vom Wachstum der VR zu profitieren.

Laut CEO Daudert wird das zusätzliche Kapital durch die Ausgabe von bis zu 500 Mio. Token die zukünftige Finanzierung des Ausbaus von STARAMBA.spaces als dem weltweit ersten Social VR-Netzwerk mit lebensechten Avataren beschleunigen.

Gut daran für uns Aktionäre ist, dass dadurch keine Verwässerung der Aktien stattfindet. Es wird spannend, wieviel Geld damit eingenommen werden kann.

Der Ausblick

Staramba ist führend bei qualitativ hochwertigen 3D-Scans ohne Nachbearbeitung sowie Lizenzen für die Nutzung von 3D-Daten Prominenter. Das ist extrem wichtig für das viel größere Wachstumssegment VR, denn hier sind Avatare die absolute Notwendigkeit für den Durchbruch dieser neuen Technologie.

Geht es nach dem Technikchef Michael Abrash von Oculus VR, dann sind sehr realistisch gerenderte Avatare der Schlüssel für den Durchbruch von Virtual Reality. Abrash gibt allerdings an, dass die Technologie, um täuschend echte virtuelle Menschen bei einem vertretbaren Aufwand zu erstellen, noch einige Jahre von der Marktreife entfernt ist.

“Andere Menschen sind für Menschen am interessantesten. Unglücklicherweise sind wir hochgradig sensibel für jedes Detail, sodass die Darstellung virtueller Menschen die schwierigste Aufgabe bei VR ist”, schreibt Abrash bei seiner Abhandlung zum perfekten Virtual-Reality-Mensch.

Zudem kostet eine VR-Brille wie Facebooks Oculus Rift leider immer noch ca. 450 Euro, sodass viele noch die Hände von VR lassen. Mit fallenden Preisen solcher VR-Brillen und ausgefeilten Anwendungen wie von Staramba geplant, sollte der Durchbruch der VR für die Masse und nicht nur für Gamer gelingen. Es ist vermutlich nur noch eine Frage der Zeit.

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Stefan Graupner besitzt Aktien von Staramba. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook.

Motley Fool Deutschland 2017