Deutsche Märkte öffnen in 59 Minuten

Star-Investor Peter Thiel steigt bei Maschmeyer-Start-up ein

·Lesedauer: 4 Min.

Thiel beteiligt sich über einen Fonds an der neuen Finanzierungsrunde des digitalen Versicherers Neodigital. Für das Start-up gleicht das einem Ritterschlag.

Der deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel, der mit der Gründung des Bezahldienstes Paypal und einer Beteiligung an Facebook zum Milliardär geworden ist und die in diesem Jahr an die Börse gegangene KI-Firma Palantir mitgegründet hat, hat sich nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen am deutschen Fintech Neodigital beteiligt.

Thiel stieg demnach im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde bei dem vergleichsweise kleinen digitalen Versicherer mit Firmensitz in Neunkirchen ein, an dem sich Anfang des Jahres bereits der bekannte deutsche Investor und Gründer des Finanzvertriebs AWD, Carsten Maschmeyer, beteiligt hatte. Ein entsprechendes Papier sei diese Woche unterzeichnet worden, heißt es. Ein Investment von Thiel gilt für Start-ups als Ritterschlag, denn sein Gespür für die nächste Milliarden-Dollar-Idee ist im Silicon Valley legendär.

Rund vier Jahre nach seiner Gründung hat das deutsche Start-up Neodigital damit einen weiteren prominenten Geldgeber angelockt. Bei der neuen Finanzierungsrunde in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe war auch Maschmeyer wieder an Bord, heißt es. Thiel beteiligte sich in der Serie-B-Finanzrunde über den europäischen Wagniskapitalfonds Elevat3 Capital von Christian Angermayer, bei dem der Deutsch-Amerikaner mit seinem Founders Fund einer der Ankerinvestoren ist.

Engagement der Deutschen Rückversicherung

Für das junge Start-up, das von Stephen Voss und Dirk Wittling 2016 gegründet wurde, ist der Deal ein wichtiger Schritt in turbulenter Zeit, denn die Saarländer gewinnen damit weiter an Renommee – und finanzieller Stabilität.

Anfang des Jahres war Maschmeyer mit seiner Investmentgesellschaft Alstin bei dem jungen Unternehmen eingestiegen, gleichzeitig hatte der Rückversicherer Deutsche Rück ein Engagement bekanntgegeben.

Neodigital war 2016 gegründet worden, um den Versicherungsriesen Allianz, Ergo, Talanx und Co. mit einem komplett digitalen Geschäftsmodell Marktanteile abzujagen. Das Start-up agiert als digitaler Schaden- und Unfallversicherer, der die eigenen Produkte Privathaftpflicht-, Tierhalterhaftpflicht- und Fahrradversicherung sowie Hausrat- und Unfallversicherung über ungebundene Vertriebspartner vermarktet. Die eigenen Produkte werden durch White-Label-Optionen ergänzt.

So können Produkte von Vertriebspartnern auch unter eigenem Brand über bereits existierende Absatzwege vermarktet werden. Im April dieses Jahres konnten die Saarländer mit der Versicherungsgruppe VPV trotz Coronakrise erstmals einen großen Versicherer als Nutzer dieses neuen digitalen Dienstleistungsangebots gewinnen.

Der digitalisierte Versicherer erreichte nach eigenen Angaben dieses Jahr erstmals die 150.000-Kunden-Marke.

Thiel investiert wieder im Heimatland

Der deutschstämmige Paypal-Gründer Thiel investiert damit wieder in seinem Heimatland. Sein Start-ups-Fonds beteiligt sich auch bei anderen aussichtsreichen deutschen Fintechs, unter anderem bei der Berliner Neobank N26 und dem deutschen Broker Trade Republic. Bei N26 zählt Thiel zu den größten Anteilseignern. Nach früheren Angaben hält er rund 12,5 Prozent an den Berlinern.

Beim Unternehmen Trade Republic, das in den vergangenen Monaten stark gewachsen ist, führte Thiel mit seinem Founders Fund kürzlich eine große Finanzierung an. Investiert hat er auch in das Hamburger Unternehmen Deposit Solutions, allerdings nur mit drei Prozent.

Als Investor ist Thiel außerdem bei Elevat3 mit an Bord. Im August hatte Angermayer diesen 125 Millionen Euro schweren Fonds für deutsche Techfirmen gestartet, der sich an Hightech aus Deutschland beteiligen soll.

Maschmeyer hatte bei seinem Einstieg im Januar Neodigital als „ein Highlight“ bezeichnet. So habe er sich seinen „Einstieg in die Insurtech-Szene vorgestellt“, sagte Maschmeyer im Januar im Interview mit dem Handelsblatt.

Millionen-Dollar-Wette auf den Bitcoin

Seit dem Verkauf seines Unternehmens an Swiss Life im Jahr 2008 werkelt der Tech-Milliardär mit großem Enthusiasmus an der Korrektur des eigenen Images: Er schrieb Bestseller („Die Millionärsformel“), spendete viel Geld für wohltätige Zwecke, hielt Vorträge, stellte sich in Talkshows, rasierte sich den Achtzigerjahre-Schnauzer ab und fungierte lange in der Start-up-Castingshow „Die Höhle der Löwen“ bei Vox als Juror. Im Juni dieses Jahres stieg er auch beim Hamburger Fintech Nect ein.

In der Vergangenheit machten Thiels Fonds mehrfach Schlagzeilen mit eher außergewöhnlichen Investitionen. 2015 etwa steckten sie Millionen ins Cannabis-Geschäft und positionierten sich für den Boom der legalen Marihuana-Industrie in den USA. Auch auf den Bitcoin wettete Thiel Millionen Dollar.

Thiel wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Seine Eltern zogen mit ihm jedoch nach Kalifornien, als er ein Jahr alt war. Er selbst nennt sich einen „radikalen Liberalen“ und gehörte im Silicon Valley zu den wenigen Unterstützern von Donald Trump. Das US-Magazin „Forbes“ schätzt das Vermögen von Thiel auf 3,2 Milliarden Dollar – womit er zu den 400 reichsten Menschen der Welt zählt. Neodigital soll diese Summe jetzt möglichst noch ein kleines bisschen größer machen.