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Stahl-Markt: Wie China Deutschland abhängte

Die Industrie-Ikone Thyssenkrupp stellt in der Krise ihr Stahlgeschäft in Frage. Einst war das undenkbar, doch dann griff China an: Wie sich der Stahlmarkt in den letzten 30 Jahren veränderte – eine Grafik im Zeitraffer.

Die Konkurrenz kam für Thyssenkrupp schon immer aus dem Osten. Vor 20 Jahren waren es die Stahlgrößen Nippon Steel aus Japan und POSCO aus Südkorea. Sie zählen auch heute noch zu den wichtigsten Stahlkonzernen der Welt.

Mittlerweile bestimmt aber ein Schwarm chinesischer Hersteller den Weltmarkt: 28 der 50 größten Stahlkonzerne sind heute in chinesischer Hand, angeführt von der Baowu Gruppe.

Anders als Nippon Steel und POSCO konnte Thyssenkrupp sich gegen diese Konkurrenz nicht behaupten. Der Konzern sucht jetzt im Rahmen seiner Neuausrichtung zumindest nach Partnern für sein Stahlgeschäft – vielleicht sogar nach neuen Mehrheitseignern. „Denkverbote“ werde es nicht geben, sagte Vorstandschefin Martina Merz zu ihren Plänen in dieser Woche.

Dabei war Thyssenkrupp zu Anfang dieses Jahrtausends, im Jahr 2001, mit 16 Millionen Tonnen Rohstahl noch siebtgrößte Hersteller der Welt, zeigen Daten der World Steel Association. Bis 2018 sank die Stahlproduktion des Essener Konzerns aber auf 13 Millionen Tonnen – im internationalen Vergleich rutschte Thyssenkrupp auf Rang 32 ab.

Mit Thyssenkrupp sank auch die Bedeutung der deutschen Stahlkocher auf dem Weltmarkt. Das zeigt ein Blick auf die Produktionszahlen für Rohstahl in den vergangenen 30 Jahre in unserer animierten Grafik.

1990 produzierten Konzerne in aller Welt 770 Millionen Tonnen Stahl, zeigen Daten des Stahlverbands World Steel Association. Bis heute ist die Nachfrage nach Stahl ungebrochen, die Produktion hat sich auf 1870 Millionen Tonnen im Jahr 2019 mehr als verdoppelt.

In Deutschland kam von diesem Wachstum nichts an, die Produktion blieb über all die Jahre nahezu konstant: mit rund 40 Millionen Tonnen im Jahr. China dagegen, das sich 1996 als größter Stahlproduzent der Welt erstmals vor Japan setzte, konnte seine Produktion in den 30 Jahren um das Vierzehnfache steigern. Mit der Baowu Gruppe soll nun auch ein chinesischer Konzern bereits Interesse an Thyssens Stahlsparte bekundet haben.

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