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Wenn ihr ständig müde seid und Schlaf und Ruhe nicht helfen, leidet ihr möglicherweise am Chronischen Fatigue-Syndrom

Zu den Symptomen gehören extreme Müdigkeit, Hirnnebel, Schlaflosigkeit und Schmerzen.
Zu den Symptomen gehören extreme Müdigkeit, Hirnnebel, Schlaflosigkeit und Schmerzen.

Die Myalgische Enzephalomyelitis, auch bekannt als das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) bezeichnet eine ernste Erkrankung, die extreme Müdigkeit und Erschöpfung verursacht. Jedoch ist sie mit Schlaf und Ruhe nicht zu heilen. Bis heute ist die Krankheit für Medizinerinnen und Mediziner ein Rätsel. Bisher gehen Wissenschaftler davon aus, dass es sich bei ME/CFS um eine sowohl neurologische, als auch immunsystemabhängige Erkrankung handelt. Des Weiteren geht man davon aus, dass die Krankheit oft durch eine scheinbar unzusammenhängende bakterielle oder virale Infektion ausgelöst wird, was die Diagnose erschwert.

Es gibt weltweit noch keine zugelassenen Medikamente im Kampf gegen das Fatigue-Syndrom. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte würden sich daher an ein Protokoll halten, das darauf aufbaut, den Lebensstil der Betroffenen an die Krankheit anzupassen, um so deren Lebensqualität zu verbessern, sagt Emily Taylor. Sie ist Vizepräsidentin für Interessenvertretung und Engagement bei Solve ME/CFS.

Hier erfahrt ihr mehr über ME/CFS und die Symptome der Krankheit.

Die Symptome


Menschen die an ME/CFS leiden haben oft Probleme alltägliche Aufgaben zu erledigen. Bereits Tätigkeiten wie Arbeiten oder Kochen fallen Betroffenen schwer, da sie sich durch die permanente Müdigkeit nicht in der Lage dazu fühlen. Hinzu kommt, dass knapp 25 Prozent der Betroffenen ihre Wohnungen nicht verlassen können. Die Folge ist eine sehr schlechte Lebensqualität.

Außerdem würden bei Menschen mit CFS Symptome auftreten, die über bloße Müdigkeit hinausgehen, sagt Medhat Mikhael, Spezialist für Schmerztherapie und medizinischer Leiter des nichtoperativen Programms im Spine Health Center des MemorialCare Orange Coast Medical Center.

Diese Symptome können zwischenzeitlich auftreten oder verschwinden, und manchmal mit der Zeit sogar schlimmer werden:

  • Extreme Müdigkeit, auch nach ausreichend Schlaf

  • Schlafstörungen, darunter auch Insomnia, unabhängig davon wie müde man ist

  • Hirnnebel und Probleme dabei klar zu denken oder sich zu konzentrieren

  • Schmerzen, darunter Kopf- und Gelenkschmerzen

  • Orthostatische Intoleranz, die Schwindel, Schwäche oder Ohnmacht beim Stehen oder Sitzen verursachen kann

  • Andere Symptome, die sich nach körperlicher oder geistiger Tätigkeit verschlechtern

Die Diagnose

Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS schätzt deutschlandweit knapp 250.000 Betroffene, dabei kann die Dunkelziffer weit höher liegen. Weltweit leiden rund 17 Millionen Menschen unter krankhafter Müdigkeit. Da die Diagnose, anders als bei anderen Krankheiten, relativ schwierig zu stellen ist, gehen Forscherinnen und Forscher von einer höheren Zahl aus. Bis dato gibt es keinen eindeutigen Test für ME/CFS, daher werden die Symptome oft mit anderen Autoimmunkrankheiten, psychischen Problemen oder Erkrankungen des Nervensystems verwechselt. Zu ihnen gehören:

  • Fibromyalgie

  • Dysautonomie

  • Endometriose

  • Arthritis

  • Depressionen

  • Ängste

Außerdem seien Ärztinnen und Ärzte oft nicht mit ME/CFS vertraut, was es für Patienten schwierig mache, eine Diagnose zu erhalten, sagt Jacob Teitelbaum, Internist bei Vitality101. "CFS ist genauso wenig eine psychische Krankheit wie Krebs", sagt er. "Leider haben einige Ärztinnen und Ärzte im letzten Jahrhundert die Angewohnheit gehabt, den Menschen zu unterstellen: 'Ich weiß nicht, was mit dir los ist, also bist du verrückt'." Teitelbaum fügt hinzu, dass dies "die Behandlung verzögern und tiefe Ängste auslösen kann".

Ursachen

Dadurch, dass die Diagnose von ME/CFS so komplex ist, gibt es auch wenig Informationen dazu, wer am meisten davon betroffen ist. Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS gibt an, dass zwar jede Altersgruppe gleichermaßen betroffen sein kann, Jugendliche und junge Erwachsene bis Mitte dreißig sollen dabei am anfälligsten sein.

Die Zahlen werden jedoch auffälliger, wenn man sich die betroffenen Geschlechter näher anguckt. Hierbei fällt auf, dass Frauen deutlich häufiger, nämlich dreimal so viel, unter ME/CFS leiden als Männer. Weitere Forschungen zeigen, dass Personen, die mit ME/CFS diagnostiziert wurden, kurz davor eine Infektion erlitten. Daher werden Infektionen als eine der Ursachen betrachtet. Außerdem werden Kindheitstraumata als ein weiterer Risikofaktor gesehen.

Obwohl weder die Ursache noch der Mechanismus von ME/CFS endgültig geklärt sind, deutet die Forschung laut Teitelbaum darauf hin, dass bei den Betroffenen sozusagen ein "Stromkreisunterbrecher" im Hypothalamus ausgelöst worden ist. Dieser Bereich des Gehirns produziert Hormone, die lebenswichtige Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Hunger, Sexualtrieb und Schlaf steuern.


Die Symptome unter Kontrolle halten


Es gibt noch keine Heilung für ME/CFS, dennoch schaffen es einige, durch Änderung ihres Lebensstils, die Symptome weitestgehend zu kontrollieren. Euch sollte jedoch bewusst sein: Der Kampf gegen ME/CFS ist ein langer Weg des Versuches und Irrens. Ärztinnen und Ärzte versuchen meistens, die auffälligsten Symptome zu bekämpfen. Zu diesen gehören:

Postexertionales Unwohlsein

Postexertionales Unwohlsein (PEM) tritt auf, wenn sich die Symptome schon bei geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung verschlimmern. Um PEM in den Griff zu bekommen, empfehlen Ärzte, das Tempo zu drosseln. Das amerikanische Gesundheitsministerium beschreibt dies als das Erlernen eines Gleichgewichts zwischen Ruhe und Aktivität, um ein Aufflackern von PEM zu vermeiden.

Schlafstörungen


Schlafstörungen treten bei Betroffenen sehr häufig auf. Der erste Schritt, um Schlafstörungen zu bekämpfen ist, eine gesunde Schlafroutine. Ihr solltet euch aneignen, immer zur selben Zeit ins Bett zu gehen und vor dem Schlaf keine Medien (Handy, TV, Laptop) zu benutzen.

Behandlungen für Schlaflosigkeit, einschließlich kognitiver Verhaltenstherapie, Kurzzeit-Schlafmedikamente und Achtsamkeit können ebenfalls helfen. Die Behandlung anderer Symptome, wie z.B. Schmerzen, kann Menschen helfen, einzuschlafen und durchzuschlafen.

Schmerzen


Menschen, die an ME/CFS leiden, klagen oft über Schmerzen, die den gesamten Körper belasten, vor allem jedoch die Gelenke. Ärztinnen und Ärzte versuchen die Betroffenen oft durch Tätigkeiten wie Yoga oder Dehnübungen bei der Schmerzbekämpfung zu unterstützen. Hinzu werden auch Methoden wie Akupunktur oder Massagen ausprobiert. Bekannte Medikamente wie Aspirin oder Ibuprofen können ebenfalls helfen, die Schmerzen zu lindern.

Wenn die Schmerzen jedoch schlimmer werden, kann euer Arzt oder eure Ärztin euch zu einem Schmerztherapeuten weiterleiten. Diese können euch helfen, euren Alltag so zu ändern, dass euch der Umgang mit den Schmerzen leichter fällt.

Stress, Angst und die mentale Gesundheit


Personen, die an ME/CFS leiden, neigen eher dazu Probleme wie Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Depressionen zu entwickeln. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler versuchen immer noch herauszufinden, ob ein biologischer Mechanismus eine Rolle spielt oder die allgemeine Herausforderung, die die Betroffenen bei einfachen Tätigkeiten verspüren, sie anfälliger für Depressionen macht.

Zu den Behandlungen von mentalen Problemen, die mit ME/CFS zusammenhängen gehören unter anderem Achtsamkeit und Beruhigungstherapien, sowie Medikamente gegen Depressionen und Angstzuständen.

Allgemeines Wohlbefinden


Die Betroffenen, die unter ME/CFS leiden, berichten auch darüber, dass ein allgemein gesunder Lebensstil ihnen geholfen hat. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung und bewusstere Pflege der mentalen Gesundheit.

Teitelbaum empfiehlt das SHINE Protokoll. Dies wurde entwickelt, um Menschen mit ME/CFS und Fibromyalgie zu helfen. Es handelt sich dabei um ein umfassendes Paket von Lebensstilanpassungen und medizinischen Eingriffen:

  • Schlaf: Das Protokoll empfiehlt mindestens 8-9 Stunden Schlaf am Tag, um gegen die Schlaflosigkeit zu kämpfen, ggf. sollen auch Medikament hierbei Hilfe leisten.

  • Hormone: Das Protokoll versucht hierbei die Hormone zu stabilisieren, dabei sollen auch Medikamente zum Behandeln von Schilddrüsenerkrankungen helfen.

  • Infektionen: Das Protokoll dient der Erkennung, Bekämpfung und Vorbeugung von Infektionen, die von Hefepilzinfektionen bis zu Viruserkrankungen reichen.

  • Ernährung: Hierbei geht es um einen ausgewogenen Ernährungsplan, um potenzielle Nährstoffmängel zu bekämpfen.

  • Sport: Nach ca. zehn Wochen im Programm sollen die Patientinnen und Patienten ihre sportlichen Aktivitäten langsam und unter Beobachtung steigern.

Unser Tipp

Das chronische Fatigue-Syndrom ist eine Erkrankung, die zu extremer Erschöpfung, geistiger Umnachtung und allgemeinen Schmerzen im ganzen Körper führt.

Wenn ihr glaubt, an ME/CFS erkrankt zu sein, oder wenn die Diagnose erst kürzlich gestellt wurde, kann die Suche nach einem Arzt, der sich mit CFS auskennt, eure Aussichten laut Teiltelbaum verbessern. "Es handelt sich um eine komplexe Krankheit und man braucht einen Arzt, der sich damit auskennt", sagt er.

Dieser Artikel wurde von Meltem Sertatas aus dem Englischen übersetzt. Den Originaltext findet ihr hier.

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