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Spritze im Stadion oder im Jobcenter: Immer mehr Bundesländer gehen kreative Wege, um Menschen ein Impfangebot zu machen

·Lesedauer: 4 Min.
Die Impfung kommt zu den Menschen: Impfaktion im niedersächsischen Lüneburg
Die Impfung kommt zu den Menschen: Impfaktion im niedersächsischen Lüneburg

Impfen ist der Weg aus der Pandemie, heißt es immer wieder. Bisher hat Deutschland dabei eine gute Strecke zurückgelegt, rund 56 Prozent der Bevölkerung haben eine Impfdosis erhalten, fast 40 Prozent den vollen Impfschutz. Doch die Herdenimmunität ist noch weit entfernt. Nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sollten wegen der Delta-Variante mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein.

Wie erreicht man dieses Ziel? Nur in Impfzentren und Arztpraxen zu impfen, das scheint inzwischen klar, reicht nicht. Der Impfstoff muss zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt. Wie das gelingen soll, dafür gibt es inzwischen auch ungewöhnliche Vorschläge. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte im Gespräch mit Business Insider, dass auch in "Ausgehmeilen", vor Bars und Clubs geimpft werden solle. In Israel und den USA habe man damit gute Erfahrungen gemacht.

In den Bundesländern ist man von der Idee jedoch nicht überzeugt. Das Land Hamburg teilt mit: "Impfangebote zwischen Tür und Angel oder im Rahmen von Ausgehvierteln planen wir nicht." Bei der Impfung müsse "ein würdiger, angemessener Rahmen eingehalten werden", etwa was die Aufklärung durch den Arzt und die Dokumentation angeht. Aus dem Gesundheitsministerium Niedersachsen heißt es, gegen die Lauterbach-Vorschläge spreche die "mangelnde Planbarkeit" solcher Aktionen. Schließlich sei ungewiss, für wie viele impfwillige Feiernde Impfstoff bereitgestellt werden muss.

Dennoch soll es den Menschen so einfach wie möglich gemacht werden, an eine Impfung zu kommen. So will Hamburg Hartz-IV-Empfänger Impftermine im Jobcenter anbieten. In mehreren Bundesländern gab es bereits Aktionen, bei denen man sich ohne Anmeldung impfen lassen konnte. So sollen besonders sozial schwache Stadtteile in den Blick genommen werden. Denn Statistiken zeigen, dass Besserverdienende häufiger geimpft sind als Geringverdiener. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben sich bisher seltener impfen lassen. Deswegen wird in Hamburg zusätzlich auch in Kirchen, Moscheen, Elternschulen, Nachbarschaftstreffs und Bürgerhäusern geworben. Später müsse man sehen, in welchen Gruppen es noch Nachholbedarf gebe und diese dann zielgerichtet ansprechen.

In Sachsen gab es im Stadion des Zweitligisten Erzgebirge Aue eine Impfaktion, die viele Menschen anlockte. Ansonsten setzt das Bundesland, wie andere auch, auf breite Informationskampagnen.

Es fällt auf, dass der Fortgang der Impfkampagne unterschiedlich bewertet wird. Während es aus der sächsischen Landesregierung heißt, die Nachfrage nach Impfterminen lasse nach, teilt Nordrhein-Westfalen mit, eine Impfmüdigkeit sei "derzeit nicht festzustellen". Dennoch gebe es beim Impfstoff "Sonderkontingente" für "schwer erreichbarer Gruppen" in sozial benachteiligten Stadtteilen zur. Niedersachsen will verstärkt Menschen in Gefängnissen, Flüchtlingseinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften durch mobile Teams impfen lassen. Bei diesen Angeboten betonen mehrere Länder den Vorteil des Impfstoffs von Johnson & Johnson. Bei ihm genügt eine Spritze für den vollen Impfschutz.

"Impf-Ruck" ohne Zuckerbrot und Peitsche

Neben lokalen Impfaktionen ruft Niedersachsen die Impfzentren zu Sonderaktionen auf. Insbesondere für AstraZeneca gab es lange nur eine geringe Nachfrage, sodass Termine teils ohne Anmeldung zu haben waren. Mit solchen "Last-Minute-Impfungen" vor den Ferien sollten explizit auch Menschen unter 60 angesprochen werden.

Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) setzt vor allem auf seine Informationsangebote und Werbeanzeigen. Das Ministerium verweist dabei auch ausdrücklich auf den Vorteil, den Geimpfte haben: "Weitere Anreize ergeben sich aber immer mehr im alltäglichen Leben: bei Reisen, Veranstaltungen, beim Kino- oder Restaurantbesuch." Spahn selbst bringt es auf die einfache Formel: „Wer sich heute nicht impfen lassen möchte, darf sich morgen nicht wundern, wenn die Party ohne ihn steigt.“ Zudem sagte der Minister, er hoffe, dass im Sommer ein "Impf-Ruck" durch Deutschland gehe.

Um diesen Ruck auszulösen, wird es allerdings wohl weder Zuckerbrot noch Peitsche geben. Strafen für geschwänzte Impftermine lehnt die Bundesregierung ab, auch für besondere Anreize gibt es bislang keine konkreten Planungen. In anderen Ländern gab es mitunter kuriose Aktionen, um die Impfmoral zu heben. Im US-Bundesstaat New York wurde Joints bei der Impfung verschenkt, in Ohio wurden unter Geimpften eine Million Dollar verlost. In Deutschland scheint sich nur Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) für eine ähnliche Idee erwärmen zu können. Zwar lehne er Geld als Belohnung ab, „aber man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird", sagte er der "Funke"-Mediengruppe. Auch freier Eintritt in Museen und Zoos wurde schon ins Spiel gebracht.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium heißt es auf Anfrage dazu: "materielle Anreizsysteme" seien nicht geplant.

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