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Notenbanker im Scheinwerferlicht – Das wird in der neuen Börsenwoche wichtig


Tut er es oder tut er es nicht? In der kommenden Woche fiebern Anleger der Rede von Jerome Powell entgegen. Am Mittwoch könnte der Chef der US-Notenbank Fed eine Senkung der Leitzinsen in den USA ankündigen.

Als sehr wahrscheinlich gilt das in diesem Monat zwar noch nicht, aber Notenbanker setzen gerne mal auf einen Überraschungseffekt. Großen Einfluss auf die Aktienmärkte dürften auch der verschärfte Handelsstreit zwischen China und den USA behalten sowie der erneut aufgeflammte Konflikt zwischen den USA und dem Iran.

In der vergangenen Woche hatten diese Risikofaktoren bereits vielen Aktionären die Stimmung verdorben. Der deutsche Leitindex Dax ging am Freitag bei 12.096 Punkten aus dem Handel und büßte damit einen Großteil seiner im Wochenverlauf erzielten Kurzgewinne wieder ein.

Auch der Dow Jones konnte seinen Kurswert in der vergangenen Woche nur geringfügig steigern und schloss am Freitag bei 26.089 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen bewegte sich derweil weiter um die Minus 0,25 Prozent und der Preis für die Krisenwährung Gold verteuerte sich um rund ein halbes Prozent auf zuletzt rund 1.350 Dollar je Unze.

Warten auf die Notenbanker

Ob sich Fed-Chef Powell tatsächlich zu einer Senkung des Leitzinses hinreißen lässt, ist bei Marktexperten umstritten. „Gerade auch weil die Mehrheit es nicht erwartet, könnte die Federal Reserve die Märkte mit einer Zinssenkung schon zu diesem Zeitpunkt überraschen“, sagt Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Brokers CMC Markets. Allerdings hatte US-Präsident Donald Trump zuletzt wiederholt niedrigere Zinsen gefordert. Nach Ansicht von Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG könnte gerade das eine Zinssenkung auf absehbare Zeit verhindern. „Damit könnte der Verdacht einer Beeinflussung seitens der US-Regierung vermieden werden“, sagt Henke.


Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, rechnet damit, dass die US-Notenbank wird auf ihrer Pressekonferenz Zinssenkungen „argumentativ vorbereiten“ wird. „Spätestens im September dürfte sie zur Tat schreiten und weltweit einen geldpolitischen Lockerungszyklus einleiten“, so Krämer. Auslöser dieser Wende seien der eskalierende Handelskonflikt und schwächere Konjunkturdaten. Eine Zinssenkung in den USA könnte sich möglicherweise positiv auf die Aktienkurse auswirken, da sie die Konjunktur ankurbeln könnte und zugleich dafür sorgt, dass die Anlage in Zinsprodukte weiter an Attraktivität verliert.

Nur einen Tag später tagen auch die Geldpolitiker die Bank of Japan (BoJ) und der Bank of England (BoE). Bei letzterer spreche das überraschend hohe Lohnwachstum in Großbritannien zwar für eine baldige Zinserhöhung, so die Analysten der BayernLB. Vor einer endgültigen Entscheidung über die Art des Brexits würden die Notenbanker aber sicher die Füße stillhalten.

Handelsstreit USA – China

Die Sorge vor negativen Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China ließ in der vergangenen Woche bereits die großen Chip-Hersteller zittern. Der US-Branchenriese Broadcom kürzte deswegen seine Umsatzziele. Als Reaktion darauf gaben auch die Aktienkurse europäischer Konkurrenten wie Infineon und AMS deutlich nach.

Zudem verdichteten sich die Hinweise auf eine deutliche Konjunkturabkühlung in China. Dort produzierte die Industrie im Mai so wenig wie seit 17 Jahren nicht mehr. Auch die Investitionen wuchsen langsamer. Der Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten hatte sich im Mai verschärft, als beide Seiten neue Strafzölle ankündigten.

„Eine baldige Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China mit positivem Niederschlag an den Aktienmärkten ist nicht in Sicht“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Weil die Demokraten auch eine sehr China-kritische Haltung einnehmen, meint Trump noch einen drauf setzen zu müssen, auch um von seinen innenpolitischen Problemen abzulenken.“ Er sieht ein steigendes Risiko, dass Trump das Feindbild China noch bis zur US-Präsidentenwahl im November 2020 nutzen könnte.

Sorge wegen Iran-Konflikt

Zusätzliche Sorgen bereiten Anlegern die Spannungen im Nahen Osten. Hintergrund sind Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Da die USA den Iran beschuldigten, hinter den Vorfällen zu stecken, wachse die Gefahr einer ungewollten Eskalation der Lage, warnt Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Der Ölpreis reagierte bereits mit Preisaufschlägen auf die Krise. Solche von politischen Ereignissen getriebenen Kursausschläge seien aber meist nur von kurzer Dauer, sagte Norbert Rücker, Chef-Analyst der Bank Julius Bär.

Auch Halver rechnet mit zwischenzeitlicher Volatilität beim Ölpreis. „Doch ist der amerikanisch-iranische Konflikt kein neues Phänomen, sondern bereits seit 30 Jahren latent“, so der Kapitalmarktexperte- Solange eine militärische Auseinandersetzung ausbleibe, sei mit keinen massiven Erhöhungen der Ölpreise zu rechnen.

So geht es in der kommenden Woche weiter

Montag: Für die neue Woche sind zahlreiche Hauptversammlungen angekündigt. Den Anfang machen am Montag der Immobilienkonzern Noratis, der Weinhändler Hawesko und die Biotech-Firma Qiagen.

Dienstag: Am Dienstag stehen unter anderem der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, der Zahlungsdienstleister Wirecard, die Restaurantkette Vapiano und Knor Bremse den Aktionären Rede und Antwort. Die Veröffentlichung des ZEW-Index wird zudem ein Stimmungsbild der deutschen Börsenprofis liefern. „Wir erwarten einen kräftigen Schritt nach unten“, sagte DZ Bank-Analyst Michael Holstein. „Denn in den letzten Wochen hat sich das weltwirtschaftliche Klima deutlich abgekühlt.“

Mittwoch: Zur Wochenmitte laden beispielsweise der Außenwerbungsspezialist Ströer, ProSiebenSat 1, Jenoptik, der Logistikkonzern Hapaq-Lloyd und der Essenslieferservice Delivery Hero zu Hauptversammlungen ein.

Donnerstag: In den USA hat die Federal Reserve Bank von Philadelphia für Donnerstag die Veröffentlichung ihres Konjunkturbarometers angekündigt. Zudem versammeln sich die Aktionäre der Wertpapierhandelsbank Tradegate und des Chemikalienhändlers Brenntag.

Freitag: Kurz vor dem Wochenende werden die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager veröffentlicht. Zudem laufen am Freitag Futures und Optionen auf Indizes wie den Dax sowie Optionen auf einzelne Aktien aus. Zum sogenannten Hexensabbat schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Mehr: Hohe Investitionen, hohe Dividende, hohes Wachstum. Diese Unternehmen schaffen es, auch in unsicheren Börsenzeiten zuverlässige Renditen zu erzielen.