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Sport-Kopftuch: Decathlon erntet Kritik für “Renn-Hidschab“

Ena Clarke
Freie Autorin

Der französische Sportartikel-Hersteller Decathlon warb in seinem Shop für ein “Renn-Hidschab“, ein Kopftuch für muslimische Joggerinnen. Dafür hagelte es massive Kritik von Kundinnen und Politikerinnen.

Die französische Marke Decathlon setzte sich mit einem Joggerinnen-Kopftuch ganz tief in die Nesseln. (Bild: Getty Images)

Die Kopftuch-Debatte ist in Frankreich ein noch heißeres Pflaster als bei uns. Als es vor gut zwei Jahren zu einem eingeschränktem Verbot der muslimischen Badebekleidung “Burkini“ kam, wurde im ganzen Land heftig diskutiert. Eine Vollverschleierung ist in Frankreich komplett verboten. Kein Wunder also, dass alles, was mit der muslimischen Kopfbedeckung oder Kleidung zu tun hat, eine Kritiklawine lostreten kann.

Decathlon spricht zuerst von einem Versehen

Die Marke Decathlon wurde unter einer solchen begraben, als die Kunden im Shop über den “Renn-Hidschab“ stolperten, ein Kopftuch, dass Decathlon speziell für Läuferinnen anbot. Online-Nutzer riefen schnell zum Boykott des Artikels auf. Völlig geplättet reagierte der Sportartikel-Hersteller via Twitter und erklärte in einer ersten Stellungnahme, dass das Kopftuch nur in Marokko erhältlich sei.  Wenig später wurde die Aussage korrigiert und es hieß, dass der Artikel künftig auch in Frankreich verkauft würde, aber aus Versehen zu früh im Shop gelandet wäre.

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“Seien Sie versichert, wir leugnen keinen unserer Werte. Wir haben immer alles getan, um den Sport überall auf der Welt zugänglicher zu machen. Dieser Hidschab war ein Bedürfnis einiger weiblicher Läuferinnen“, schrieb Decathlon am Montag.

Auch Politikerinnen sprechen sich gegen das Läuferinnen-Kopftuch aus

Kritik kam nicht nur von Kundenseite, sondern auch aus der Politik. “Der Sport ist emanzipiert. Er unterwirft sich nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen“, bekräftigte Aurore Bergé von der Regierungspartei La République en Marche auf Twitter.


Gesundheitsministerin Agnès Buzyn räumte ein, dass der Verkauf zwar legal sei, sie jedoch nichts von dem Produkt hielt. “Ich hätte es vorgezogen, wenn eine französische Marke nicht für den Schleier geworben hätte“, meinte sie zum französischen Sender RTL.

Umstrittenes Thema: Kopftuchverbot an der Kasse?

Decathlon wäre nicht der einzige Hersteller mit solchen speziellen Kopfbedeckungen. Auch Nike hat Artikel für muslimische Athletinnen im Sortiment. Der Kommunikationsdirektor des Unternehmens, Xavier Rivoire, kündigte im Gespräch mit dem französischen Sender RTL nun an, das Produkt nun doch nicht in Frankreich auf den Markt zu bringen.

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