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Spitzenplatz Medizintechnik: Johnson & Johnson kauft sich klug

Der US-Pharmariese setzt auf Operationsroboter. Erfolgreich machen ihn vor allem strategisch kluge Übernahmen – wie die des Schweizer Konzerns Actelion.


Innovationen – sie sind schon immer entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens gewesen. Welche Unternehmen besonders relevante Innovationen hervorbringen, lässt sich in der Datenbank der Firma Patentsight ablesen.

Auf Basis dieser Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener 100 Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

Sieger in der Sonderauswertung Medizintechnik: der amerikanische Pharmahersteller Johnson & Johnson.


Der mehr als 130 Jahre alte Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson hat es im globalen Innovationsranking bis auf Platz zwei geschafft, innerhalb der Medizintechnik belegt er sogar den Spitzenplatz.

Die Position von Johnson & Johnson ist laut der Analyse der Ranking-Ersteller von Econsight vor allem auf die Unternehmensaufkäufe in den letzten Jahren und den damit verbundenen strategischen Positionierungen im Bereich der Operationsroboter zurückzuführen. Von besonderer Bedeutung seien die erst vor Kurzem übernommene Auris Health sowie Verb Surgical, das als Joint Venture mit Alphabets Medizinsparte Verily geführt wird.

Johnson begibt sich damit in die direkte Konkurrenz zu Intuitive Surgical. Intuitive Surgical ist klarer Marktführer im Bereich der Operationsroboter. Fred Moll, der Gründer von Intuitive Surgical, ist gleichzeitig auch Gründer von Auris Health.

Bereits 2017 kaufte der Johnson & Johnson das Schweizer Pharmaunternehmen Actelion für 30 Milliarden Dollar. Insgesamt habe Johnson & Johnson zuletzt fast 300 Unternehmen übernommen, so die Macher des Rankings.

Entscheidend für das gute Abschneiden seien neben der Robotik Zukäufe im Bereich Biosensorik gewesen. Biosensoren sind Messgeräte mit einer biologischen Komponente wie etwa Blutzucker- oder Bakterienmesser.

Mit „Johnson  &  Johnson Innovation“ hat der US-Konzern mit Sitz in New Jersey eine Tochter gegründet, die nicht nur im Hause, sondern auch extern Innovationen vorantreiben soll. Außer den eigenen Innovationszentren betreibt Johnson  &  Johnson Innovation unter dem Namen JLABS ein weltweites Netzwerk an Inkubatoren. Die sollen Start-ups helfen, ihre Medizintechnik oder ihr Medikament bis zur Marktreife zu bringen.


Für Johnson & Johnson ist das auch eine Gelegenheit, sich die Start-ups aus der Nähe anzuschauen und gegebenenfalls zuzugreifen. Zudem bekommt Johnson & Johnson dank der Inkubatoren Zugang zu Talenten mit IT-Expertise, die heute in der Medizintechnik und -forschung immer wichtiger werden.

Mit JJDC betreibt Johnson  &  Johnson Innovation auch einen eigenen Wagniskapitalfonds. Der investiert über alle Sparten hinweg in Start-ups – vom Seed-Stadium bis zu Start-ups der Serie B oder später, wenn die Unternehmen also schon mehrere Finanzierungsrunden hinter sich haben. Gerade in der Medikamentenforschung brauchen Start-ups einen langen finanziellen Atem, bis die Produkte zugelassen werden können.

„Oft kommen gute Ideen von außerhalb unserer Organisation“, erklärt Chief Scientific Officer Paul Stoffels den Ansatz von Johnson & Johnson Innovation in seiner Präsentation. Daher sei man auf die Kreativität von außen angewiesen. Andererseits bräuchten Unternehmer mit guten Ideen in der Medizin und Wissenschaft oft große Partner, um die Ideen zu realisieren und auf den Markt zu bringen.

Der studierte Arzt Stoffels hatte einst selbst ein Unternehmen für HIV-Medikamente gegründet und es dann mit Johnson  &  Johnson als Partner zur Marktreife gebracht. Diesen Weg können nun auch Robotik- und Sensorunternehmen beschreiten.

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