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Nach Spesen-Vorwürfen um Ex-Präsident Neugebauer: So will die Fraunhofer-Gesellschaft laut Mitarbeiter-Mail nun intern aufräumen

Holger Hanselka, bislang Präsident des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wird neuer Chef der Fraunhofer-Gesellschaft. - Copyright: picture alliance/dpa | Uli Deck
Holger Hanselka, bislang Präsident des Karlsruher Institut für Technologie (KIT), wird neuer Chef der Fraunhofer-Gesellschaft. - Copyright: picture alliance/dpa | Uli Deck

Nach elf Jahren und einer langen Liste an schweren Vorwürfen musste Fraunhofer-Chef Reimund Neugebauer an diesem Donnerstag sein Amt niederlegen. Sein Nachfolger wird Holger Hanselka, der Leiter des Karlsruher Instituts für Technologie.

Doch auch mit dem neuen Mann an der Spitze wird das Forschungsinstitut nicht umhinkommen, die Vorwürfe gegen Vorstand auszuräumen. Hintergrund ist unter anderem Bericht des Bundesrechnungshof, der zum wiederholten Male schwerwiegende Verstöße bei der Fraunhofer-Gesellschaft festgestellt hatte. Vorstandsmitglieder sollen sich Luxus-Hotelübernachtungen, großzügige Geschenke und Abendessen sowie teure Dienstwägen gegönnt haben, kritisierten die Prüfer. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen gegen die Fraunhofer-Gesellschaft aufgenommen.

In einer internen Mail an Mitarbeitende erklärt die Vorsitzende des Fraunhofer-Senats, Hildegard Müller, nun, wie der Neuanfang der Fraunhofer-Gesellschaft (FHG) laufen soll. Darin nennt sie die künftige Zeit – "eine neue Ära (...) – auch nach innen".

Intern soll es eine Untersuchung unter der Leitung der Senatsvorsitzenden Hildegard Müller geben

Konkret heißt es dazu: "Die Entscheidung für Holger Hanselka haben wir als Senat bewusst getroffen, um auch intern einen Neuanfang für die Fraunhofer-Gesellschaft zu ermöglichen. Dazu gehört auch eine transparente und klare Aufarbeitung problematischer Vorgänge aus der Vergangenheit."

Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft
Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

Hierzu heißt es in der Mail, dass der Senat und der Vorstand bereits Prozesse überprüfen und verändern würden, um Schaden von der Fraunhofer-Gesellschaft abzuwenden. Parallel dazu soll laut Mail eine interne Untersuchung starten. Sie soll den Zeitraum vom 1. Januar 2016 bis zum 31. März 2023 umfassen. Untersucht werden soll die Vorstandspraxis im Hinblick auf Kosten für eigene Dienstreisen, Repräsentationsaufwendungen (Bewirtungen, interne Veranstaltungen, Begleitungen der Vorstandsmitglieder auf Dienstreisen und gewährte Geschenke) sowie Dienstwagennutzung und -anschaffung.

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Die gesamte Prüfung soll von einem "eigens dazu eingesetzten Senatsausschuss" unter der Leitung von Senats-Vorsitzender Hildegard Müller gesteuert werden, heißt es in der Mail. Außerdem soll eine Fraunhofer-interne Projektgruppe unterstützen, um beispielsweise Dokumente und Daten zu beschaffen, interne Prozesse zu erläutern und notwendige Gespräche mit Mitarbeitenden zu koordinieren. Sie berichtet dann ausschließlich an den Senatsausschuss. Alle betroffenen aktiven Vorstandsmitglieder sollen bereits ihre umfängliche Kooperation zugesichert haben. Mit ehemaligen Mitgliedern des Vorstands sei man im Austausch.

Mitarbeiter können sich mit Hinweisen vertraulich an eine Kanzlei wenden

Außerdem wendet sich Hildegard Müller zur Aufarbeitung der Vorwürfe auch an die Mitarbeitenden: "Ich möchte Sie mit dieser Nachricht auch darüber informieren, dass Sie die Möglichkeit haben – sollten Sie zu der Aufarbeitung der Sachverhalte etwas beitragen können –, sich vertraulich direkt an die ermittelnde Kanzlei zu wenden", heißt es in der Mail der Senatsvorsitzenden. Weiterhin mahnt Müller an: Die Mitarbeitenden sollten alle Unterlagen und elektronischen Daten, die mit dem Untersuchungsgegenstand im Zusammenhang stehen könnten, in dem Zustand belassen, in dem sie sich derzeit befinden würden.

Für die interne Untersuchung hat die FHG laut Mail gleich drei Kanzleien beauftragt. Erstens "Heussen" eine große Wirtschaftskanzlei mit Standort in Berlin. Zweitens "Knauer", eine Wirtschafts- und Steuerstrafrechts-Kanzlei. Sie wirbt, Unternehmen in strafrechtlichen Krisen und deren Vermeidung zu verteidigen und zu beraten. Und drittens beauftragte Fraunhofer Noerr, die zweitgrößte deutsche Wirtschaftskanzlei, mit der Prüfung von Ansprüchen der Gesellschaft gegen die in den Jahren 2012 bis 2021 amtierenden Vorstandsmitglieder.

Die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München.
Die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München.