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Sparkassen arbeiten mit Zinsbrokern auch nach Greensill-Fall

Stephan Kahl
·Lesedauer: 4 Min.

(Bloomberg) -- Sparkassen habe Kunden zuletzt vermehrt dazu geraten, ihr Erspartes bei Zinsportalen wie Weltsparen oder Zinspilot anzulegen. Durch die Kooperationen versuchen sie, die Einlagen im eigenen Haus und damit Negativzins-Zahlungen an die Zentralbank zu verringern. Allerdings stehen die Zinsportale derzeit in der Kritik, weil sie auch Gelder an die von der Bafin geschlossene Greensill Bank AG vermittelt hatten.

Erst am Freitag empfahl die Hamburger Sparkasse unter anderem Anlagen über die Zinspilot-Mutter Deposit Solutions. Mit Hilfe des Partners “können Haspa-Kunden von attraktiven Zinsen bei ausgewählten Produktbanken profitieren”, erklärte Frank Brockmann, Vize-Chef der Sparkasse, in einer Mitteilung. “Mit diesen Alternativen wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden eine gute Lösung finden, Verwahrentgelte zu vermeiden.”

Wer sein Geld auf privaten Giro- und Festgeldkonten nicht verringert, dem droht bei der Haspa ab Mai bereits ab 50.000 Euro Erspartem ein Negativzins von 0,5%. Bislang lag die Grenze bei 500.000 Euro. Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat einigen Kunden mit hohen Guthaben auf Giro- und Tagesgeldkonten sogar gekündigt.

Über Deposit Solutions, an der die Deutsche Bank AG beteiligt ist, können Kunden Tages- und Festgeld bei meist kleineren Banken anlegen, die bessere Zinssätze bieten als etwa Sparkassen. Zu den vermittelten Instituten zählte lange die Greensill Bank. Deren Produkte waren darüber hinaus über die Plattform Weltsparen des Berliner Fintechs Raisin erhältlich, das eigenen Angaben zufolge “mehrere hundert Millionen Euro” an Greensill vermittelte.

Reputations-Risiken

Das Beispiel Greensill zeigt, dass die Kooperation für die Sparkassen auch Risiken birgt, zumindestens für die Reputation. Eine einheitliche Linie, mit diesem Risiko umzugehen, gibt es bislang nicht.

Die Haspa erklärte, dass sie für ihr Fremdzinsangebot von Deposit Solutions nur Banken freischaltet, von deren Bonität und Geschäftsmodell sie überzeugt sei. Sparkassen, die mit dem Fintech Raisin und dessen Marke Weltsparen zusammenarbeiten, verwiesen auf eine sogenannte Bestenliste der Zeitschrift Finanztest als Filter. Nur Banken, die dort zu finden seien, würden angeboten.

Allerdings hatte Finanztest, ein Ableger der Stiftung Warentest, die Greensill Bank eben lange als einen Top-Anbieter eingestuft. “Für die Aufnahme in unsere Bestenliste sind ein gutes Angebot und eine Mitgliedschaft in einer stabilen Einlagensicherung die entscheidenden Kriterien”, sagte Sabine Gerasch, stellvertretende Chefredakteurin von Finanztest. Geschäftsmodelle der Banken würden nicht untersucht.

Die Sparkasse Vorpommern, einer der Kooperationspartner von Weltsparen, ermöglichte folgerichtig den Zugang zu Greensill. “Unsere Kunden hätten bei Greensill investieren können. Das Angebot war nicht ausgeschlossen”, sagte Sprecherin Kati Ambrosat. Es habe jedoch kein Kunde Geld bei Greensill angelegt. Ein Vertreter der Sparkasse Vogtland, ein weiterer Partner der Plattform, erklärte, die Greensill Bank “stand und steht nicht auf der Empfehlungsliste für unsere Kunden”. Die Sparkasse Wuppertal teilte lediglich mit, dass über die Kooperation mit Weltsparen keine Festgelder von Greensill an Kunden vermittelt worden sein. Alle drei Sparkassen bewerben ihre Zinsangebote weiter im Internet.

Die Bremer Greensill Bank war vergangene Woche von der Aufsicht geschlossen worden. Die Bafin hatte in einer forensischen Sonderprüfung festgestellt, dass das Institut nicht in der Lage ist, den Nachweis über die Existenz von einigen bilanzierten Forderungen zu erbringen. Die Behörde ordnete daraufhin ein Moratorium an, um die Vermögenswerte zu sichern. Greensill sagte letzte Woche, dass man sofort reagiert habe, nachdem die Bafin Ende letzten Jahres Kritik geäußert hatte.

Die Greensill Bank ist der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken zugeordnet und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken angeschlossen. Das Ersparte von Privatkunden ist über diese Mechanismen weitestgehend abgesichert, sollte der Entschädigungsfall festgestellt werden. Für Kommunen gilt das aber beispielsweise nicht.

Die Verwahrentgelte für Bankkunden in Deutschland, sofern sie erhoben werden, liegen meist bei 0,5%. Das entspricht genau dem Einlagensatz, den Banken für das Parken von Geldern bei der Europäischen Zentralbank zahlen müssen. Der Haspa kosten die Einlagen ihrer Kunden nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr.

Insgesamt müssen die deutschen Banken, die ohnehin schon unter niedriger Profitabilität leiden, rund 4 Milliarden Euro an Negativzinsen zahlen, hochgerechnet auf ein Jahr und nach Abzug von Freibeträgen. Diese Summe hat der Bundesverband deutscher Banken errechnet, der die Interessen von Instituten wie Deutsche Bank und Commerzbank AG vertritt.

(Ergänzt um Deutsche Bank im 4. Absatz, Sparkasse Wuppertal im 8. Absatz)

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