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Deka-Eigner: ‘400 Meter’ Abstand kein Argument für Helaba-Fusion

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Die niedersächsischen Sparkassen, die mit 9% an der DekaBank beteiligt sind, haben dazu gemahnt, vor einer möglichen Fusion von Deka und Helaba erst noch wichtige Fragen zu beantworten.

“Wir alle würden unterschreiben, dass die Sparkassen ein Spitzeninstitut benötigen, das ausdrücklich auf die Bedürfnisse der Sparkasssen zurechtgeschneidert ist”, sagte Thomas Mang, Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen (SVN), am Donnerstag bei einer Veranstaltung in Hannover. “Die Frage ist, ob die Fusion zweier Institute unserer Gruppe dafür ein geeigneter Rahmen ist.” Das müsse erst noch beantwortet werden.

Er teile nicht die am Finanzplatz Frankfurt oft zu hörende Auffassung, dass die geringe Distanz von 400 Metern zwischen beiden Instituten schon ein hinreichender Grund für eine Fusion sei.

„Wir haben seinerzeit die Deka bewusst Landesbanken-frei zu einem Wertpapierhaus unserer Gruppe ausgebaut. Das ist uns gut gelungen. Und wir müssen jetzt überlegen, ob uns dieses Thema Spitzeninstitut wertvoll genug ist, um dieses Thema wieder aufzugeben”, sagte Mang.

Die Deka-Eigentümer - ausschließlich regionale Sparkassenverbände - hatten sich im vergangenen Monat darauf verständigt, eine Fusion von Deka und Helaba prüfen zu lassen. Bei einem Zusammenschluss entsteht möglicherweis ein Zentralinstitut für die Sparkassen-Gruppe, dem sich später auch andere Landesbanken anschließen könnten. An der Helaba sind neben Sparkassen allerdings auch die Länder Hessen und Thüringen beteiligt.

Mang zufolge hätten die niedersächsischen Sparkassen, die auch direkt an der NordLB Anteile halten, es “durchaus für richtig empfunden, die NordLB in dieses Spitzeninstitut zu integrieren, also in diese Zweierkonstellation direkt mitaufzunehmen“. Die Organisation habe das aber bis auf Weiteres anders entschieden. Das akzeptiere er.

“Dunkle Wolken am Horizont”

Mit Blick auf die künftigen Geschäftsaussichten der Sparkassen in Niedersachsen malte Mang derweil ein eher trübes Bild.

Für 2019 seien die Jahresergebnisse noch in Ordnung, doch mit Blick auf die Mehrjahresplanung der Sparkassen “ziehen sehr dunkle Wolken am Horizont auf“, sagte er. Verantwortlich dafür seien unter anderem die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und steigende Anforderungen bei der Bankenregulierung.

Die Gewinn- und Verlustrechnung gerät seiner Aussage nach zunehmend unter Druck. Zinssenkungen hätten die Sparkassen bislang deutlich stärker im Kreditgeschäft als im Einlagenbereich weitergegeben. Vor diesem Hintergrund arbeite der Verband in diesem Jahr mit seinen Instituten intensiv an einer Stabilisierung der Ertragslage, sagte Mang.

Im vergangenen Jahr hatten die niedersächsischen Sparkassen ein Betriebsergebnis vor Bewertungen von 850 Millionen Euro erzielt. Das waren rund 16 Millionen Euro weniger als 2018. Beim Zinsüberschuss setzte sich der negative Trend der vergangenen Jahre fort. Er sank um 63 Millionen Euro.

Die jüngsten Zahlen zeigen laut Mang, “dass wir zwar mehr Geschäft machen, dies aber in Summe nicht zu mehr Erträgen führt”.

Ähnlich pessimistisch hatten sich bereits vor einer Woche die bayerischen Sparkassen geäußert. “Die Sparkassen spüren sehr deutlich, dass zwar das Geschäftsmodell funktioniert, aber dieses Geschäftsmodell immer weniger zu den notwendigen Ergebnissen führt”, erklärte damals Ulrich Netzer, Chef des dortigen Branchenverbands. “Und deswegen rufen sie immer stärker nach Antworten aus dem Verbund.”

Damit spielte Netzer nicht zuletzt auf das Projekt “Sparkasse reloaded” an, bei dem es unter anderem um eine stärkere Zentralisierung innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe und die Frage geht, welche Aufgaben künftig bei den Sparkassen, den regionalen Verbänden und dem DSGV in Berlin liegen.

Der SVN ist einer von zwölf regionalen Sparkassen- und Giroverbänden in Deutschland. Er setzt sich aus 40 kommunalen Sparkassen im Norden, der NordLB-Tochter Braunschweigische Landessparkasse sowie deren kommunalen Trägern zusammen.

(Gesamter Text aktualisiert)

Kontakt Reporter: Stephan Kahl in Frankfurt skahl@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Daniel Schaefer dschaefer36@bloomberg.net, Rainer Buergin

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