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Sparkassen kritisieren geplante Kredite mit Negativzins der KfW

Stephan Kahl

(Bloomberg) -- Walter Strohmaier, der Bundesobmann der Sparkassen, hat kritisch auf die Ankündigung der KfW reagiert, womöglich bestimmte Kredite mit negativen Zinsen vergeben zu wollen.

“Ehrlich gesagt finde ich es schade und auch bedenklich, dass ausgerechnet die bundeseigene KfW den Dammbruch von negativ verzinsten Krediten einleitet”, sagte Strohmaier in einem Interview mit Bloomberg. “Der Politik müssten eigentlich die Konsequenzen für den Finanzstandort Deutschland klar sein.”

Vergangenen Monat hatte die KfW für das kommende Jahr negative Zinsen für ihre Finanzierungs-Partner im Fördergeschäft in Aussicht gestellt. Allerdings müsse dazu erst noch die IT umgestellt werden. Später folgte auch die baden-würtembergische L-Bank mit einer ähnlichen Ankündigung.

“Wie die Berechnungssysteme derartiger negativer Zinsen bei der KfW aussehen, hat mir noch niemand erläutert”, sagte Strohmaier. “Fast schon dreist wäre es deshalb, wenn die KfW die Guthabenzinsen von Krediten nur ankündigt und in ihre Programme aufnimmt, die durchleitenden Kreditinstitute jedoch die millionenschweren Investitionen der technischen Infrastruktur stellen müssten.”

Viele Fördergelder werden nicht direkt von der KfW, sondern über Hausbanken vergeben, die noch eine eigene Marge für ihre Dienste aufschlagen. Dadurch kann aus einem anfänglichen Negativzins am Ende ein positiver Zinssatz für den schlussendlichen Kredit-Empfänger werden.

Strohmaier sprach von einer “perversen Zinswelt“, die sich inzwischen ergeben habe. Und weiter: “Mit meinem makroökonomischen Grundverständnis kann ich mir nicht erklären, dass dies gesund für unsere Volkswirtschaft sein kann”.

Mit Blick auf die Entscheidung einiger Institute, negative Zinsen auf bestimmte Spareinlagen ab dem ersten Euro zu erheben, sagte Strohmaier, er hoffe, dass zumindest das Gros der deutschen Privatkunden verschont bleibt, indem ausreichende Freigrenzen eingeräumt würden.

“Als Marktführer bei Kundeneinlagen müssen wir andererseits natürlich auf Marktgegebenheiten relativ schnell reagieren, um nicht mit mittlerweile betriebswirtschaftlich belastenden Einlagen regelrecht überschüttet zu werden”, erklärte Strohmaier. "Ich würde mir wünschen, dass dieser Prozess nicht eintrifft, kann es aber leider nicht für alle Ewigkeit ausschließen.”

(Ergänzt um letzte zwei Absätze)

Kontakt Reporter: Stephan Kahl in Frankfurt skahl@bloomberg.net

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