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Sparkassen halten Gewinn stabil

Die Sparkassen blicken mit Sorge in die Zukunft

Die Sparkassen haben treue Kunden. Auszahlen tut sich das für die Institute im aktuellen Zinstief kaum. Und nun kommen neue Herausforderungen hinzu.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Coronavirus-Pandemie bremst den Umbau der Sparkassen-Finanzgruppe: Aus dem angestrebten Zentralinstitut für den öffentlich-rechtlichen Sektor wird vorerst nichts, das Projekt wird vorübergehend auf Eis gelegt.

«Es ist jetzt nicht die Zeit, sich mit den eigenen Strukturen zu beschäftigen», sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, am Donnerstag. «Wir müssen uns auf die Nöte unserer Kunden konzentrieren.»

Wichtigste Aufgabe von Sparkassen und Landesbanken sei es aktuell, Unternehmen und Freiberufler vor einem wirtschaftlichen Absturz zu bewahren. Einzelne Institute hätten sogar Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt, um Kreditanträge etwa im Rahmen des vom Bund aufgelegten KfW-Hilfsprogramms schnell zu bearbeiten. Zudem werde «alles technisch und Menschenmögliche getan», damit es im Zahlungsverkehr zu keinen «grundlegenden Störungen» komme.

Die Sparkassen selbst blicken nach einem einigermaßen stabilen Jahr mit Sorge in die Zukunft. «Die Ergebnisse der Sparkassen werden absehbar in den kommenden Jahren weiter unter Druck geraten», prognostizierte Schleweis. «Und dabei sind die jüngsten Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie noch gar nicht eingerechnet.»

Im vergangenen Jahr machten die 378 (Vorjahr: 384) Sparkassen zwar mehr Kundengeschäft, aber wegen des Zinstiefs verdienten sie weniger daran. Die Institute vergaben mit einem Volumen von 170 Milliarden Euro mehr neue Kredite als je zuvor, der gesamte Kreditbestand legte um 4,6 Prozent auf 861,1 Milliarden Euro zu.

Es werde jedoch «immer schwieriger, den Erfolg im Markt auch in betriebswirtschaftlichen Gewinn umzumünzen», bilanzierte Schleweis. Das für die Institute zentrale Zinsergebnis sank um 557 Millionen Euro auf 20,2 Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Wert der vergangenen 15 Jahre.

Zusammen kamen die Sparkassen in Deutschland nach vorläufigen Zahlen auf einen Jahresüberschuss von 1,8 Milliarden Euro. Damit lag der Gewinn - revidierten Zahlen zufolge - genau auf dem Niveau von 2018.

Die Beratungen über neue Strukturen für die Sparkassen-Finanzgruppe will Schleweis wieder aufnehmen, «sobald Corona besiegt ist». Nach seiner Vorstellung könnten die Dekabank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) der Kern eines Zentralinstituts für die öffentlich-rechtliche Gruppe werden. Die beiden Frankfurter Häuser loten seit einigen Wochen eine mögliche engere Zusammenarbeit aus.