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Schleweis drängt zu ‘drastischem’ Sparen, sieht Stellenabbau

Stephan Kahl
·Lesedauer: 2 Min.

(Bloomberg) -- Angesichts wegbrechender Gewinne deutscher Banken hat Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis den gesamten Sektor zu deutlichen Kostensenkungen aufgefordert.

“Die ganze Branche muss drastisch sparen. Das heißt, speziell auch im Personalbestand werden wir Bewegung sehen”, erklärte Schleweis, der den Deutschen Sparkassen- und Giroverband leitet, am Donnerstag bei einer Online-Konferenz. “Die Erosion im Zinsüberschuss ist jedes Jahr weiter spürbar.”

Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, argumentierte bei derselben Veranstaltung ähnlich. Ihren Worten zufolge müsse der Verwaltungsaufwand um etwa ein Fünftel sinken.

Nach der Deutsche Bank AG hatte zuletzt auch schon die Commerzbank AG umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt. Vergangene Woche teilte sie mit, brutto rund 10.000 Vollzeitstellen abbauen zu wollen.

Als eine der größten Belastungen bezeichnete Schleweis den Zufluss von Spareinlagen in Verbindung mit dem negativen Einlagensatz. Das Parken von Geldern bei der Europäischen Zentralbank führt zu hohen Extra-Kosten. Schleweis forderte, die Freibeträge für die Banken auszuweiten.

Laut des Bundesverbands deutscher Banken zahlen deutsche Banken derzeit insgesamt 4 Milliarden Euro an Negativzinsen, hochgerechnet auf ein Jahr und nach Abzug bestehender Freibeträge.

Zuletzt hatte es auch Befürchtungen gegeben, dass es wegen der Pandemie zu einem Anstieg bei den Kreditausfällen kommen und davon insbesondere kleinere Banken wie Sparkassen und Volksbanken betroffen seien könnten. Sie haben oftmals Gelder an regionale Firmen wie Gaststätten und Hotels verliehen, die wegen der Lockdowns in Existenznot geraten.

Schleweis zeigte sich optimistisch, dass die Insolvenzwelle möglicherweise weniger drastisch ausfallen werde als zunächst angenommen.

Raimund Röseler, Exekutivdirektor Bankenaufsicht bei der Finanzaufsicht Bafin, warnte dennoch, dass sich die Firmenpleiten in den Bankbilanzen widerspiegeln dürften. “Wir rechnen damit, dass die ein oder andere Bank in Deutschland das nicht überleben wird”, sagte er bei der Konferenz am Donnerstag.

(Ergänzt um Rai­mund Rö­se­ler/Bafin im letzten Absatz)

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