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Folgen der Coronakrise werden Banken noch viele Jahre belasten

Atzler, Elisabeth
·Lesedauer: 5 Min.

Für die Geldhäuser naht beim Thema Kreditausfälle der Moment der Wahrheit. Die Sparkassen in Baden-Württemberg fürchten, dass immer mehr Kunden in Schwierigkeiten geraten.

Bisher hat die Coronakrise wenig Spuren in den Bankbilanzen hinterlassen. Die Folgen der Pandemie dürfte die Geldhäuser jedoch über mehrere Jahre belasten. Foto: dpa
Bisher hat die Coronakrise wenig Spuren in den Bankbilanzen hinterlassen. Die Folgen der Pandemie dürfte die Geldhäuser jedoch über mehrere Jahre belasten. Foto: dpa

Die Debatte darüber, wann das öffentliche Leben in Deutschland wieder hochgefahren werden kann, wird auch im Bankensektor intensiv verfolgt, schließlich trifft es viele Firmenkunden hart.

Eine deutliche Warnung kam am Dienstag vom baden-württembergischen Sparkassenpräsident Peter Schneider, der als einer der Ersten im öffentlich-rechtlichen Sektor zwar eine solide Jahresbilanz 2020 vorstellte, aber zugleich sagte: „Was uns zunehmend mit Sorge erfüllt, ist die Länge des Lockdowns: Mit jedem weiteren Tag kommen mehr Kunden in Schwierigkeiten.“ Gerade die Lage einiger Geschäftskunden, die lange schließen mussten, „wird von Tag zu Tag dramatischer“.

Schneider geht davon aus, dass mehr Firmen in die Pleite rutschen werden, sobald die Insolvenzantragspflicht wieder voll greift. „Da zappelt noch mancher, der sonst früher hätte Insolvenz anmelden müssen.“

Die Aussagen sind deutlich pessimistischer, als man sie zuletzt aus dem Sparkassenlager vernommen hat. Die Unsicherheit ist auch deshalb so groß, weil viele Unternehmen staatliche Hilfen erhalten, ohne die sie in der Coronakrise womöglich nicht bestehen könnten. Diese Hilfsmaßnahmen übertünchen existenzielle Probleme und machen es für Geldhäuser schwerer, mit dem üblichen Handwerkszeug bei der Risikobewertung die möglichen Gefahren frühzeitig einzuschätzen.

Eine Einschätzung setzt sich inzwischen allerdings sowohl bei Bankern als auch bei externen Branchenbeobachtern durch: Die Corona-Pandemie frisst sich erst nach und nach in die Bankbilanzen – womöglich unmittelbar nicht so heftig, dafür aber lange. Nach Ansicht von Jürgen Sonder, Präsident der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing, werden sich die Folgen dieser Krise und der daraus resultierende Strukturwandel über mehrere Jahre hinziehen. „Deshalb rechne ich auch nicht mit einer großen Welle von Kreditausfällen in diesem Jahr, sondern mit einer langen Welle, die sich zwei bis drei Jahre hinziehen wird.“

Mehr Insolvenzen in den kommenden Jahren erwartet

Ähnlich äußert sich Hans-Walter Peters, Präsident des privaten Bankenverbands, im Gespräch mit dem Handelsblatt, schiebt aber noch eine Portion Optimismus hinterher: „Natürlich wird es trotzdem zu einem Anstieg von Insolvenzen kommen, aber sie werden sich auf zwei bis drei Jahre verteilen. Das können die Banken abfedern.“

Die 50 Sparkassen in Baden-Württemberg haben sich im abgelaufenen Jahr noch recht solide geschlagen: Im vergangenen Sommer gaben sie die Prognose aus, dass sich der Gewinn 2020 gegenüber dem Vorjahr halbieren und die Risikovorsorge zugleich auf fast 400 Millionen Euro verdreifachen werde.

So schlimm kam es nun aber nicht. Der Gewinn fiel unter dem Strich um 15 Prozent auf gut 850 Millionen Euro. Die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite kletterte zwar auf 220 Millionen Euro, sie lag damit aber immer noch deutlich unter dem Niveau der Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie es den Sparkassen in anderen Regionen Deutschlands geht.

Bei den großen deutschen Privatbanken ergibt sich bislang ein gemischtes Bild: Während die Deutsche Bank in der Coronakrise dank eines boomenden Investmentbankings den ersten Jahresgewinn seit 2014 geschafft hat und ihre Risiken im Kreditbuch für kontrollierbar hält, schrieb die Commerzbank 2020 auch wegen diverser Sonderbelastungen tiefrote Zahlen und stockte ihre Risikovorsorge auf. Sie zählt besonders viele Mittelständler zu ihren Kunden – und signalisierte, dass es hier einige doch stärker trifft als bislang angenommen.

Die Bankenaufseher sind längt in Alarmbereitschaft. Die Bundesbank sieht die deutschen Geldhäuser angesichts steigender Kreditausfälle in der Coronakrise vor einem Härtetest. Zwar stünden die Institute zum Jahresende kapitalseitig gut da, doch viele Folgen der Virus-Pandemie kämen bei ihnen erst mit großer zeitlicher Verzögerung an, sagte Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling kürzlich. „Die Pandemie und der Lockdown produzieren auch andere ökonomische Treiber für Insolvenzen als klassische Rezessionen. Daher hilft die Erfahrung der Vergangenheit auch nur bedingt. Banken müssen ihr Risikomanagement deshalb anpassen.“ Der scheidende Bafin-Chef Felix Hufeld erwartet Kreditausfälle in mehreren Wellen.

Banken verschärfen Standards bei der Kreditvergabe

Auch Sparkassenmann Schneider geht davon aus, dass die öffentlich-rechtlichen Institute die Folgen der Corona-Pandemie über längere Zeit spüren werden. In den Jahren 2021 und 2022 dürften die Kreditausfälle höher sein, sagte er. Einige Firmenkunden dürften Jahre brauchen, bis sie die Umsatzeinbußen wieder aufgeholt hätten.

Andere Beobachter fürchten schon bald größere Einschläge. Dazu zählt Oliver Mihm, Chef des Beraters Investors Marketing. „Die Wette, das im Jahr 2020 entgangene Geschäft im laufenden Jahr wieder reinzuholen, wird für einige Betroffene nicht aufgehen“, meint er mit Blick auf kleine Firmen. „Es wird also zu einer Zunahme der Kreditausfälle ab dem zweiten Halbjahr 2021 kommen. Entsprechend haben viele Banken ihre Kreditvorsorge in den letzten Wochen noch mal aufgestockt, wie zuletzt etwa die Commerzbank.“

Ein weiteres Indiz für die zunehmende Vorsicht der Banken ist, dass sie die Kreditvergabestandards für Firmendarlehen im vierten Quartal 2020 verschärft haben. Zudem erhöhten sie die Margen für Firmenkredite und verlangen von Unternehmen inzwischen mehr Sicherheiten, wie eine Umfrage der Bundesbank unter Geschäftsbanken ergab.

Sparkassen sehen sich gut vorbereitet

Viele Geldhäuser gehen also auf Nummer sicher. Die Sparkasse Wuppertal, die traditionell als erste Sparkasse über das abgelaufene Geschäftsjahr berichtet, erklärte, eine belastbare Prognose der Entwicklung von Kreditausfällen 2021 sei kaum möglich. „Weder der Verlauf der Corona-Pandemie, die Dauer und Intensität möglicher Einschränkungen noch die Wirksamkeit staatlicher Maßnahmen oder der Impfkampagne lassen sich abschätzen. Aus reinen Vorsichtsgründen gehen wir von einem erhöhten Wertberichtigungsbedarf aus, auch wenn aktuell noch keine konkreten Anzeichen hierfür bestehen.“

Trotz aller Vorsicht und aller Warnungen sehen sich gerade die Sparkassen gut gewappnet für die Krisenfolgen. Die baden-württembergischen Häuser gehen davon aus, dass sie aufgrund ihres Eigenkapitals auch die erwarteten Kreditausfälle auffangen.

Ähnlich hatte sich vor zwei Wochen auch Sparkassenpräsident Helmut Schleweis mit Blick auf die bundesweit 372 Sparkassen geäußert: „Natürlich wird diese Rezession – mit zeitlicher Verzögerung – auch den Finanzsektor treffen“, sagte er. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband rechne nun einmal mit steigenden Kreditausfällen. Aber: „Darauf haben sich die Sparkassen wirtschaftlich vorbereitet. Sie werden das bewältigen.“

Auch die Volksbanken, die größten Wettbewerber der Sparkassen, haben mehrfach betont, dass sie die Risiken für beherrschbar halten und sich mit ihrer Eigenkapitalausstattung wohlfühlen. Ob diese Rechnung aufgeht, muss sich aber erst noch zeigen.

Der baden-württembergischen Sparkassenpräsident rechnet in den Jahren 2021 und 2022 mit höheren Kreditausfällen. Foto: dpa
Der baden-württembergischen Sparkassenpräsident rechnet in den Jahren 2021 und 2022 mit höheren Kreditausfällen. Foto: dpa