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Des Sparers falsche Bescheidenheit

Sparen auf Konten kostet real Geld – und doch rücken die Deutschen davon nicht ab. Tagesgeldkonten etwa bleiben auch mit geringer Rendite beliebt. Beim Tagesgeld spart, wer Angebote vergleicht.


Die Deutschen sind bescheiden – jedenfalls, was ihre Renditeansprüche auf Sparkapital angeht. Obwohl die Zinssätze für Tages- und Festgeld nicht einmal mehr die die Geldentwertung ausgleichen, parken sie weiter Billionen von Euros auf Konten dieser Art. Klug ist das nicht.

Zuletzt ist die Inflationsrate in Deutschland vor allem wegen des teureren Ölpreises auf immerhin 1,9 Prozent geklettert, im Januar erreichte sie den höchsten Stand seit rund drei Jahren. Im vergangenen Jahr ist das Preisniveau im Durchschnitt nur um 0,5 Prozent gestiegen. Die Zinsen für Tages- und Festgeld sacken dagegen immer weiter ab – als Folge der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit dem billigen Geld versucht, die Konjunktur in der Euro-Zone in Schwung zu bringen.


Die Banken zahlen schon seit geraumer Zeit Strafzinsen für ihre Einlagen bei der Notenbank. Ihren Geschäftskunden zwacken daher immer mehr Geldhäuser Zinsen für Einlagen ab. Und bei Privatkunden sinkt der Sparzins immer tiefer. Viele Banken bieten schon gar kein Tages- oder Festgeld mehr an. Im Durchschnitt hat sich der Satz für das täglich verfügbare Tagesgeld 2016 fast halbiert auf 0,2 Prozent, wie die Frankfurter FMH-Finanzberatung berechnet. Ähnlich schrumpfte der Festgeld-Zins: Für ein Jahr bekommen Sparer im Schnitt gerade noch 0,21 Prozent. Zu zahlende Steuern kämen noch obendrauf.

„Die Deutschen verlieren sicher Geld“, moniert Sigrid Herbst von FMH. Doch offensichtlich störe sie das nicht, schließlich ließen sie es dennoch auf Konten liegen. Klug wäre es angesichts der Zinsmisere, genau zu prüfen, wie viel Geld Sparer wirklich auf Konten parken müssen, meint Herbst. Alles andere Kapital sollte für den längerfristigen Aufbau von Vermögen lukrativer angelegt werden.

Klassisch dient Geld auf Konten – wie das stets verfügbare Tagesgeld, Sparbücher oder Festgeld mit kürzeren Laufzeiten – als Reserve für unvorhersehbare oder absehbare künftige Ausgaben. Dafür empfehlen Berater als Daumenregel, dass jeder Sparer drei Nettogehälter verfügbar haben sollte. Mit ihren knapp vierzig Prozent des Geldvermögens oder 2,15 Billionen Euro, wie die Bundesbank errechnete, schießen die Deutschen aber weit übers Ziel hinaus.

Ihre Reserve-Euro sollten Sparer aktuell eher flexibel anlegen. Dass die Sparzinsen noch deutlich weiter abrutschen, damit rechnen zumindest Experten nicht. Daher macht es für Sparer Sinn, Geld kurzfristig zu parken – um nicht in Tiefstzinsen festzustecken, falls die Zinsen doch irgendwann steigen.

Es lohnt sich, Zins-Angebote zu vergleichen

Auch wenn die Zinsen unterm Strich bescheiden sind, lohnt es, Angebote zu vergleichen. Denn es gibt Unterschiede: Welche Banken aktuell die besten Angebote haben, zeigt der Handelsblatt-Tagesgeld-Rechner.

Beim Tagesgeld weisen die besten Zinsen immerhin noch eine Eins vor dem Komma auf. Allerdings zahlen die Spitzenanbieter den Zins nur neuen Kunden oder für frisches Geld und auch nur für eine gewisse Zeit. ING Diba beispielsweise, der Marktführer mit mehr als sechs Millionen Tagesgeldkunden, gewährt ein Prozent Zinsen für vier Monate, anschließend bekommen Sparer 0,35 Prozent pro Jahr. Wer sein Geld ein Jahr zu einem planbaren Zins anlegen möchte, kann bei der estnischen Big Bank 0,9 Prozent für Festgeld bekommen. Dafür muss er dann mit einem verringerten Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person leben.


Auch über Onlinevermittler locken ausländische Kreditinstitute mit überdurchschnittlichen Zinsen. So zahlt Key Project, die Onlinetochter der kleineren italienischen Bank Banca Progetto, 1,2 Prozent Tagesgeldzins. Für Festgeld über zwölf Monate gewährt die rumänische Alpha Bank Romania 1,6 Prozent. Allerdings müssten Sparer ihr Kapital im Fall einer Pleite in dem Land der Bank einklagen. Und im Fall der Alpha Bank hätten Sparer nach dem EU-Einlagenschutz nur einen Anspruch auf den Gegenwert von 100.000 Euro in rumänischen Lei.

Verbraucherschützer raten daher Sparern immer wieder davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Aussichtsreicher dürfte es sein, den persönlichen Anlagemix zu optimieren.

KONTEXT

Sicherheit im Online-Banking

PIN

Beim diesem Autorisierungsverfahren müssen Nutzer lediglich ihre Kontonummer oder einen Nutzernamen eintragen und eine dazugehörige PIN eingeben. Bitkom hält diese Autorisierung für sehr unsicher. Sie sei lediglich für Umsatzabfragen oder den Zugang zur Nachrichtenbox geeignet.

(Quelle: Bitkom)

iTAN

Indizierte Transaktionsnummer (iTAN) sind Transaktionsnummern, die von der Bank auf einer Liste in einem Index zusammengestellt wurden. Für Überweisungen müssen sie dann eine bestimmte TAN der Liste eingeben. Laut Bitkom besteht bei Verwendung von iTAN nur ein geringes Risiko eines Datenabgriffs. Wenn auch Manipulationen durch zwischengeschaltete Schadsoftware während der Eingabe der TAN möglich sind.

SMS-TAN/M-TAN

Mobile TAN werden per SMS-Nachricht an den Bankkunden übertragen. Jeder eingeleitete Buchungsvorgang des Kunden muss mit der dazugehörigen verschickten mTAN bestätigt werden. Weil Smartphones, die die SMS-TAN empfangen, heute aber häufig mit dem Internet verbunden sind, besteht auch hier die Gefahr eines illegalen Abgriffs der TAN. Bitkom ordnet SMS-Tan als unsicher ein.

TAN-Generator

Über ein Lesegerät erzeugt der Bankkunde mit seiner EC-Karte eine TAN. Verschiedenste Varianten von smart-TAN, Chip-TAN bis zu e-TAN gelten laut Bitkom als sichere Authenifikationswege.

chip TAN comfort

Viele Sparkassen und VR-Banken nutzen das Verfahren: Der Kunde muss weiterhin eine Karte in einen TAN-Generator stecken. Sobald er eine Überweisung im Onlinebanking ausführt, erscheint ein Schwarz-Weiß-Code auf dem Bildschirm. Diesen muss er dann mit seinem TAN-Generator samt EC-Karte einscannen. Aus den Daten des Schwarz-Weiß Codes liest der Generator die Überweisungsdetails und kreiert eine zugehörige TAN, die dann im Onlinebanking eingegeben werden muss. Bitkom schätzt die Verwendung als mindestens so sicher wie das iTAN-Verfahren.

NFC-TAN

Kunden müssen bei einer Überweisung einen COde auf dem PC-Bildschirm mit ihrem Smartphone scannen. Anschließend halten sie zur Verifizierung ihre NFC-fähige EC-Karte an das Smartphone. Über das Internet (oder auch per Hand) wird dann eine TAN übertragen. Nicht alle Smartphones und EC-Karten sind für dieses Verfahren ausgestattet. Laut Bitkom besteht dafür aber ein geringes Risiko, dass Hacker Daten abgreifen.