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Spanische Hotelkette bietet ihren Kunden kostenlose Corona-Schnelltests

·Lesedauer: 5 Min.

Room Mate will Reisenden Sicherheit bieten. Die Kosten sind laut Gründer Kike Sarasola gering: „Es ist eine Ausgabe wie die für Desinfektionsgels auch“.

Für den Tourismus ist die Pandemie der GAU. Kaum eine Branche leidet stärker unter Infektionsherden, Reisewarnungen und verunsicherten Verbrauchern. Die spanische Stadthotelkette Room Mate versucht, ihren Kunden zumindest die Angst vor einer Ansteckung im Hotel zu nehmen. Seit Mitte Oktober testet sie Reisende kostenlos mit den neuen Corona-Antigen-Schnelltests auf das Virus.

„Das ist ein großes Plus an Sicherheit für die Gäste“, sagt Hotelgründer und -chef Kike Sarasola. Von 13 bis 22 Uhr nimmt eine Pflegekraft beim Check-in Proben der Reisenden, die 15 Minuten später das Ergebnis haben. Wer länger im Hotel bleibt, erhält alle drei bis fünf Tage einen weiteren Test.

Room Mate ist mit 28 Hotels in sieben Ländern vertreten. In Spanien gilt derzeit der Alarmzustand, und die meisten 17 autonomen Regionen haben ihre Territorien und zusätzlich besonders betroffene Gemeinden darin abgeriegelt. Hotels sind weiterhin geöffnet, können aber nur Besucher aus der eigenen Region empfangen. Ausnahmen sind die Kanaren, die Balearen und Extremadura, die ihre Territorien noch nicht abgeschottet haben.

Auch einige Airlines testeten Passagiere inzwischen vor dem Abflug, so Sarasola. „Ein Reisender weiß damit, dass er auf dem Flug so sicher ist, wie das derzeit möglich ist. Und wenn er in unseren Hotels eincheckt, ist er auch dort sicher. Damit sind schon einmal zwei Drittel der Reise weniger gefährlich.“

Die Tests sind für die Kunden kostenlos und freiwillig. Wer kein Interesse daran hat, kann trotzdem bei Room Mate übernachten, wird aber auf einer anderen Etage untergebracht.

Die Ausgaben für die Tests, die in Spanien rund fünf Euro kosten, sowie für die Pflegekraft teilt sich Sarasola mit Quirónprevención, einer Tochter der Klinikgruppe Quirónsalud, die zum deutschen Fresenius-Konzern gehört und in der Arbeitssicherheit aktiv ist. Quirónprevención sieht die Kooperation nach eigenen Angaben als Möglichkeit, den eigenen Firmenkunden sowie dem besonders angeschlagenen Tourismussektor zu helfen. Das Unternehmen hat ähnliche Abkommen mit der Fluggesellschaft Iberia und Reisebüros geschlossen.

Tests auch für Veranstaltungen geplant

Room Mate testet auch die eigenen Angestellten in den Hotels alle fünf Tage auf das Virus. Was das Programm insgesamt kostet, will Sarasola nicht sagen. „Das kostet uns nicht viel, es ist eine Ausgabe wie die für Desinfektionsgels auch“, so der Hotelier. Mit den neuen Tests sind die Preise deutlich gesunken – ein klassischer PCR-Test, der immer noch der Goldstandard unter den Corona-Tests ist und den auch einige Länder bei der Einreise verlangen, kostet rund 120 Euro. Sarasola will künftig auch die Besucher von Veranstaltungen testen, die seine Kette organisiert.

„Die Idee ist gut“, sagt Philip Moscoso, Tourismusexperte an der spanischen Business School IESE. „Sie löst aber nicht das Grundproblem, dass es derzeit angesichts von zahlreichen Restriktionen kaum Reisende gibt.“ Room Mate könne höchstens erreichen, dass Kunden sich für die Kette entscheiden statt für einen Wettbewerber, der keine Tests offeriert.

Room Mate ist nach eigenen Angaben der erste Betreiber, der solche Tests einsetzt. Aber es gibt auch ganze Regionen, die sie ausprobieren. Die Hafenstadt Malaga hat jüngst für einen Pilotversuch 2000 Schnelltests für Hotels und Restaurants gekauft. Damit sollen vor allem Angestellte, aber auch Kunden auf das Virus geprüft werden.

70 Prozent der Room-Mate-Hotels liegen außerhalb Spaniens, in Städten wie Paris, Mailand, Istanbul, New York oder Miami. Zwölf von ihnen haben nach den verschiedenen Lockdowns noch nicht wieder geöffnet. Andere hat Sarasola als Notunterkünfte für Corona-Infizierte oder medizinisches Personal zur Verfügung gestellt. „Der Umsatz wird dieses Jahr um 70 bis 80 Prozent sinken“, prognostiziert er. 2019 erzielte er einen Umsatz von 108 Millionen Euro – 23 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

In der Krise hat er in zahlreichen Ländern staatlich garantierte Kredite in Anspruch genommen, wodurch seine Schulden um zehn Prozent gestiegen sind. Dennoch kaufte er weiter zu. „Seit dem Ausbruch der Pandemie haben wir ein Hotel in den Dolomiten und eines auf Ibiza gekauft und Kaufverträge für zwei Paläste in Venedig für Apartments und drei Gebäude in Rom unterschrieben.“

Vom Olympioniken zum Hotelier

Sarasola hat aber auch schon drei seiner Unterkünfte aufgegeben. Neben Hotels bietet er Apartments unter der Marke „Be Mate“, um auf den Trend zu reagieren, den Airbnb gesetzt hat.

Lange ist der 56-jährige Gründer noch nicht im Geschäft. Er ist Leistungssportler, nahm dreimal an Olympischen Spielen im Vielseitigkeitsreiten teil und arbeitete nebenbei im familieneigenen Immobiliengeschäft. Doch 2005 gründete er mit seinem Mann Carlos die Kette Room Mate. „Uns hat in den großen Städten kein Hotel gefallen – entweder sie waren teuer oder lausig“, sagt er.

Das Room-Mate-Konzept legt Wert auf Design und freundliches Personal zu erschwinglichen Preisen. Das erste Hotel eröffnete Sarasola in Madrid mit 30 Zimmern für 100 Euro die Nacht. Heute hat er 3000 Zimmer im Angebot. „Die Kette hat sich gut positioniert. Sie ist modern und hat ein ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Tourismusexperte Moscoso.

Room Mate hat zudem eine prominente Teilhaberin: Sandra Ortega Mera, die Tochter des Zara-Gründers und Milliardärs Armancio Ortega. Deren Mutter Rosalía Mera hat schon vor Jahren in Room Mate investiert und bei ihrem Tod ihrer Tochter Sandra die Anteile vererbt. Sandra Ortega besitzt heute 30 Prozent an Room Mate, die restlichen 70 Prozent gehören Sarasola und seinem Mann.

Spanische Zeitungen berichten, Sandra Ortega habe Room Mate auch mehrfach mit Darlehen ausgeholfen, da die Kette nach ihrer flotten Expansion hochverschuldet sei. Zahlen zum Nettogewinn und den Schulden nennt Sarasola nicht. Er betonte jedoch: „Ich habe nie Geld von Sandra erhalten, aber sie hat uns geholfen, Finanzierungen zu bekommen.“