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Spanische Banken halten der Pandemie bislang stand – Aber die Krise ist noch nicht überstanden

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Die Institute erzielen höhere Gewinne als erwartet und senken ihre Risikovorsorge. Doch die tatsächlichen Krisenfolgen dürften sich erst im kommenden Jahr zeigen.

Glaubt man dem Markt, dann ist die Corona-Pandemie für die spanischen Banken gefährlicher als für ihre europäischen Rivalen. Der spanische Bankenindex Ibex 35 Bank ist seit Jahresanfang um 53 Prozent gesunken und damit deutlich stärker als der Bankenindex des Stocks 600, der 42 Prozent nachgab. Daran dürften auch die Quartalszahlen nicht viel ändern, die die Banken in dieser Woche vorgelegt haben.

Die spanischen Institute haben einen Nachteil gegenüber ihren Rivalen in den Nachbarländern: Sie sind sehr viel schwächer im Investmentbanking engagiert, das in der Coronakrise etwa der deutschen Bank sehr hilft. Außerdem sind die Kapitalpuffer vergleichsweise dünn, und die spanische Wirtschaft leidet wie kaum eine andere unter dem Virus. Die beiden größten Geldhäuser, Santander und BBVA, sind dem zusätzlichen Risiko ihres Geschäfts in volatilen Schwellenländern ausgesetzt, vor allem in Südamerika.

Gerade die beiden Großen müssen nun zeigen, ob ihre weltweite Aufstellung ihnen auch in einer Pandemie hilft, die alle Kontinente nahezu zeitgleich trifft. Bisher scheint ihnen das zu gelingen. BBVA, die am heutigen Freitag ihr Resultat vorgelegt hat, profitierte von einem starken Geschäft in Mexiko, das in den ersten neuen Monaten des Jahres 45 Prozent des Nettogewinns beisteuerte. Im dritten Quartal lag der Gewinn bei 1,14 Milliarden Euro – 79 Prozent mehr als im Frühjahr und deutlich mehr als von Analysten erwartet.

Zwar waren das immer noch 6,8 Prozent weniger als im Vorjahr, aber die Bank konnte damit in den ersten neun Monaten fast den Verlust ausgleichen, den sie im ersten Quartal durch Rückstellungen und eine Wertberichtigung ihrer Tochter in den USA eingefahren hatte. Die Aktie stieg um rund drei Prozent. Santander hat ebenfalls von einer Erholung in Südamerika profitiert, vor allem in Brasilien, dem größten Markt der Spanier.

Aber auch die Banken, die vor allem auf dem spanischen Markt aktiv sind, konnten ihre Gewinne im Vergleich zum Vorquartal steigern. Caixabank, die gerade mit Bankia fusioniert, verbesserte das Ergebnis um mehr als das Vierfache, blieb aber 19 Prozent unter dem Vorjahresquartal.

Banco Sabadell, gemessen an der Bilanz die viertgrößte spanische Bank, präsentierte am Freitag einen Nettogewinn von 57 Millionen Euro, elf Prozent mehr als im Vorquartal, aber 77 Prozent unter Vorjahr. Die Bank, die ebenfalls als möglicher Fusionskandidat für Bankia gehandelt wurde, kündigte ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm an.

2021 kommt es für die Banken zum Schwur

Auch die übrigen Banken haben über Kostensenkungen, niedrigere Rückstellungen und höhere Gebühren ihre Gewinne gestärkt. Doch für Analysten sind die Zahlen noch kein Anlass zur Entwarnung. „Die Märkte interessieren in dieser Berichtssaison nicht so sehr die Quartalszahlen, sondern welchen Ausblick die Banken für das kommende Jahr geben“, erläutert Marco Troiano von der Ratingagentur Scope. „Das laufende Jahr wird für die Banken keine großen Probleme bringen, weil noch viele Kredit- und Hypotheken-Moratorien in Kraft sind. Aber im kommenden Jahr wird sich zeigen, wie viele Kredite tatsächlich nicht zurückgezahlt werden.“

BBVA, Caixabank, Sabadell und Santander haben ihre Risikokosten gesenkt und teils weitere Reduzierungen in Aussicht gestellt. Das ließe sich als Hinweis darauf werten, dass sie das Schlimmste in der Krise für überstanden halten. Allerdings hat sich gerade in den vergangenen beiden Wochen die Lage in Spanien und ganz Europa deutlich verschlechtert. Die gefürchtete zweite Viruswelle sorgt für erneute Lockdowns – wenn auch nicht im gleichen Umfang wie im Frühjahr.

„Die Risikovorsorge der Banken im dritten Quartal berücksichtigt die aktuelle Lage noch nicht zu 100 Prozent“, warnt Andrea Filtri von Mediobanca. „Da gibt es immer eine zeitliche Verzögerung, und die Banken stützen sich bei ihren Rückstellungen auf die bisherigen Daten, aber die Lage könnte sich wieder ändern oder die Regierung mit neuen Hilfen einschreiten.“

Spaniens Banken sind stärker als in der Finanzkrise

Die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño will den Banken die Möglichkeit geben, die Moratorien zu verlängern und auch die Rückzahlungsfrist für die 100 Milliarden staatlicher Kredite von aktuell fünf auf acht Jahre zu verlängern. Das Ziel ist, den Unternehmen mehr Zeit zu geben und Insolvenzen von soliden Firmen zu verhindern, denen durch die anhaltende Krise Liquidität fehlt. Der spanische Zentralbankchef Pablo Hernández de Cos warnte jüngst bereits: „Wir müssen auf jeden Fall vermeiden, dass die Gesundheitskrise, die sich zu einer Wirtschaftskrise entwickelt hat, am Ende zu einer Finanzkrise führt.“

Scope-Experte Troiano ist dagegen zuversichtlich. „Die spanischen Banken sind stärker als in der Vergangenheit“, erklärt er. Das liege daran, dass der Markt nach der Immobilien- und Finanzkrise stark bereinigt wurde. Dutzende von notleidenden Sparkassen sind vom Markt verschwunden oder zu größeren Einheiten fusioniert. „Nur die besten haben überlebt“, sagt er.

Auch die spanische Wirtschaft, die laut IWF um 12,8 Prozent damit deutlich stärker als der EU-Schnitt einbrechen dürfte, schwäche die iberischen Banken nicht automatisch stärker als andere. „Wichtiger als zwei oder drei Punkte weniger beim Bruttoinlandsprodukt ist die Solidität der Geschäftsmodelle und Bilanzen der Banken“, meint der Experte.

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